» 23. Dezember 2010, 08:33 Uhr

Weltweiter Skype-Ausfall

Der Web-Telefondienst Skype war am Mittwoch nacht für Stunden praktisch unerreichbar und steht auch am Donnerstag nur sehr begrenzt zur Verfügung. Millionen Nutzer stehen ohne Kommunikationsverbindung da. Ein schwerer Schlag ausgerechnet vor Weihnachten und gerade jetzt, wo Skype Unternehmenskunden anlocken will.

Nichts geht mehr. Ein Einloggen in den populären Internettelefondienst Skype ist seit dem späten Mittwoch praktisch nicht mehr möglich, Ein letzter Test hier im Büro scheiterte erneut gegen 6.00 Uhr am frühen Donnerstag. Skype räumte in der Nacht in einem Blogeintrag lediglich Probleme ein und versucht seitdem den Dienst wieder online zu bekommen.

Der Ausfall kommt überraschend, da Skype auf einem so genannten Peer-to-Peer-Netzwerk basiert, so wie Web-Tauschbörsen. Das bedeutet, dass alle weltweit angeschlossenen Computer einen kleinen Teil der Arbeit erledigen und somit das Gesamtsystem eigentlich immer stabil sein sollte. Tatsächlich aber betreibt Skype daneben noch eine eigene Infrastruktur, um Telefongespräche abzuwickeln, Abrechnungen vorzunehmen und die Kundenkonten zu verwalten. Skype ist heute einer der größten Internetdienste, was das Datenaufkommen angeht, rund 0,5 Prozent des Internet-Volumens wird von Skype produziert. Der Trend ist stark steigend, da Videotelefonie eine immer größere Bedeutung bekommt.

Im Skype-Verbund selbst wiederum fällt den so genannten Supernodes eine entscheidende Funktion zu. Diese Super-Nutzer fungieren als zentrale Vermittlungsknoten und eine Art internes Telefonbuch. Wählt man eine unbekannte Telefonnummer an, wendet sich der eigene Computer an einen Supernode, um den Standort des Gesprächspartners zu lokalisieren und eine Verbindung aufzubauen.  Üblicherweise gibt es immer genug dieser Knoten im Netz, aber ein Softwareproblem nach einen Update hat nach ersten Analysen von Skype viele dieser Nodes einfach aus dem System geschossen.

Skype will jetzt "so schnell wie irgend möglich" eigene "Mega-Supernodes" erstellen und so Stück für Stück das Netz wieder hochfahren. Einige Dienste, wie etwa Videokonferenzen, dürften aber noch länger nicht verfügbar sein, warnt Skype in seinem Blog.

Der Ausfall vom Mittwoch ist nicht der erste, aber bislang der schwerste, den Skype zu verkraften hat. Millionen von Nutzern hoffen darauf, ihre Weihnachtsgrüße per Skype zu übermitteln. Unzählige kleinere Unternehmen, darunter viele Start-ups, nutzen Skype als einzigen Telefonanbieter. Für den erst jüngst von Cisco angeheuerten CEO Tony Bates ist die Panne von strategischer Bedeutung. Er wurde nicht zuletzt deshalb angeheuert, weil er die notwendigen Kontakte und Erfahrungen im Großkundengeschäft mitbringt. Aber diese Kunden werden es sich künftig noch besser überlegen, ob sie wirklich den Weg zum Internet-Telefon wählen werden.

» 23. Dezember 2010, 08:33 Uhr