» 11. November 2010, 13:25 Uhr

, , , ,

Nachrichten-Apps oft schwer zu lesen

Die Marktforschungsgesellschaft Goldmedia hat Nutzer die verschiedenen Nachrichten-Apps für iPad testen lassen. Das Ergebnis: Fehlende einheitliche Standards machen vor allem den älteren Lesern das Leben unnötig schwer. Dabei sollen sie doch bald ihre Zeitung statt auf Papier mit dem iPad lesen – und bezahlen.

Das iPad wird oft genug als Retter der Verlage gefeiert. Die Zahlen sehen auch vielversprechend aus, über 54 Mio. Geräte der neuen iPad-Klasse werden bereits 2011 verkauft, schätzen die US-Marktforscher  von Gartner. Das klingt wie ein entstehender Massenmarkt. Doch neben lohnenden Inhalten verlangen die iPad-Käufer auch schnittige und vor allem leicht bedienbare Apps. Und hier herrscht noch viel Unsicherheit und vielleicht auch zu viel Experimentierfreude bei den Machern, hat Goldmedia festgestellt.

Die Mängelliste ist lang, die die Berliner Marktforscher den Zeitungs-Apps mit auf den Weg geben: wichtige Funktionen sind zu versteckt und wurden von den Lesern kaum gefunden. Symbole oder Bedienknöpfe  waren oft zu klein oder dank kryptischer Symbolik nicht eindeutig interpretierbar. Scroll-Balken, die eigentlich dazu dienen sollen, sich innerhalb großer Seiten zu bewegen, waren schon mal ausgeblendet, oder es fehlten Vergrößerungs- und Markierungshilfen. Selbst so einfache Dinge wie eine veränderbare Helligkeit oder Textgröße fehlen manchmal. Die fehlende Standardisierung, so jedenfalls Goldmedia-Analyst Christoph Schwab,, ist für Digital Natives, also die mit dem Internet aufgewachsenen jungen Leser, sicher weniger ein Problem. Sie sind Kummer gewöhnt und wissen, dass man meistens nur lange genug rumspielen muss, um etwas zu finden. Die älteren Generationen hingegen seien damit eher überfordert.

Das Berliner Unternehmen hat dabei vier Typen von Nachrichten Apps identifiziert, die sich durch verschiedene Nutzungskonzepte unterscheiden und bewertet.

Der Einfachheit halber ab hier jetzt die Beschreibung der Apps durch Goldmedia im Originaltext:

- Da sind zum einen Apps im Printstyle (Printmetapher). Diese sind angelehnt an das Zeitunglesen mit horizontalem Blättern, häufig noch unterstützt durch ein virtuelles Zeitungs-/Zeitschriftenregal (Beispiel:
iKiosk der Axel Springer AG).
- Der zweite App-Typ (Onlinemetapher) orientiert sich an der Usability einer Website mit vertikalem Scrollen und oberer Navigationsleiste
(Beispiel: Focus Online). Beide Formen sind derzeit am häufigsten zu finden.
- Daneben gibt es Hybridformate (dritter Typ), die dem Nutzer zwei Ansichtsmöglichkeiten bieten: ein PDF-Äquivalent der Printausgabe mit horizontalem Blättern und zusätzlich einen Text-Lesemodus mit vertikalem Scrollen (Beispiel: Handelsblatt).
- Als vierte Gruppe lassen sich neue Formen bündeln, die die Nutzungselemente der Zeitung, die Interaktivität des Internets und diverse Multimedia-Elemente miteinander verbinden (Beispiel: Frankfurter Rundschau, Wired).

Beim Lesertest hätten die innovativen Formate, die neue Formen der Darstellung böten, am besten abgeschnitten. Die iPad-Käufer wollen mit dem technischen Schnick-Schnack ihres neuen Lieblingsspielzeugs auch etwas machen – sie wollen spielen, nur Lesen reicht nicht mehr. Das iPad ist auch ein typisches Freizeitgerät. Es wird auf der Couch genutzt, oder wenn etwas frei Zeit da ist. Das muss dann auch Spaß machen. Als Idealformat für iPad-News wurde  mehrheitlich das Querformat bezeichnet.

Insgesamt erinnert die Lage Goldmedia an die Kindertage des Internets, in denen auch jede Webseite völlig anders aussah und zu bedienen war. Heute gibt es dagegen anerkannte Grundlagen des Webdesigns, die weitgehend eingehalten werden. Diese Standards müssen sich bei News-Apps noch herauskristallisieren. Aber 20 Jahre sollte es diesmal lieber nicht dauern.

Goldmedia-Blog zum Vortrag beim World Usability Day in Berlin

» 11. November 2010, 13:25 Uhr