»Axel Postinett 04. Juli 2010, 10:35 Uhr

, ,

Andy Grove: US-Start-ups schaffen Arbeitsplätze – in China

Job-Maschine Silicon Valley? Das war einmal, sagt Intel-Mitgründer Andy Grove in einem lesenswerten Essay für Bloomberg. Arbeit wird nur noch in China geschaffen. Der Negativtrend schwappt von der Web-Industrie bereits über auf die Solarbranche. Das Schlimmste dabei: mit den Arbeitsplätzen geht das Know-how. Amerika blutet aus.


Andy Grove ist dafür bekannt, immer mal über den flachen Tellerrand der reinen Profitmaximierung um jeden Preis hinauszuschauen. Immer wieder nimmt er Stellung zu unbequemen Themen wie dem maroden US-Gesundheitssystem. Jetzt warnt er vor einem Ausbluten der Internet-Industrie.

Der Verweis auf das explosiven Wirtschaftswachstums in Asien und speziell in China ist zwar keine besonders originelle Erkenntnis, aber Grove legt überzeugend dar, dass selbst die letzte verbliebene Innovations-Maschine in den USA, das Silicon Valley keine Ausnahme macht und vor allem Start-ups keine Erleichterung bringen. Das Gegenteil ist der Fall. Die jungen Unternehmen und ihre Geldgeber scheuen das Risiko, nach anfänglichen Erfolgen weiter in den USA zu investieren. Ein Fakt, der bei der Förderung solcher Unternehmen stärker beachtet werden sollte.

Groves Rechnung: Nimmt man die Erstinvestitionen bis zu einem Börsengang und teilt die Summe durch die Zahl der Mitarbeiter in den USA zehn Jahre später, ergibt sich bei Intel inflationsbereinigt ein Wert von 3600 Dollar pro geschaffenem Arbeitsplatz. National Semiconductor kommt sogar auf nur 2000 Dollar. Bei heutigen Start-ups liegt der Wert bei gut 100.000 Dollar pro US-Arbeitsplatz. Der Rest entsteht irgendwo anders, aber nicht in der Heimat. Faktisch liege die Zahl der Beschäftigten in der produzierenden US-Computerindustrie bereits unter dem Stand von 1975.

Selbst Vorzeigebeispiel Apple kommt schlecht weg. Auf 25.000 US-Mitarbeiter kommen rund 250.000 Foxconn-Angestellte, die Apple-Produkte in China fertigen. Dell und Seagate kommen auf ähnliche Werte, so Groove. Die unausgesprochene Konsequenz: Apple ist kein Vorbild.

Mit den Arbeitsplätzen verschwindet irgendwann das Know-how und die Ökosysteme rund um die Unternehmen siedeln sich ebenfalls im Ausland an, von Zulieferern bis zu Universitäten. Ein Teufelskreis, der sich in der Solarbranche gerade wiederhole, warnt Grove.

Ein absolut lesenswerte Stück, dass einmal mehr klarmacht, dass die unregulierte Globalisierung für Investoren sehr lohnend ist, aber noch lange nicht für jede Volkswirtschaft. Die Finanzkrise hat es mit erschreckender Deutlichkeit klargemacht. Vielleicht ist noch genug Zeit, daraus zu lernen. Für die USA und ihren Arbeitsmarkt jedenfalls ist es allerhöchste Eisenbahn, warnt Grove. Man kann Groves Sicht der Dinge natürlich auch Protektionismus oder Amerikanismus nennen, aber ich glaube, das greift in jedem Fall zu kurz. Er zeigt nichts anderes als dass es so niemals gelingen wird, die drängenden Probleme der US-Wirtschaft zu lösen und die schleichende Verarmung zunehmen wird. Seit Beginn der Finanzkrise hat der US- Arbeitsmarkt rund acht Millionen Jobs eingebüßt.

Es ist einer der fatalsten Irrtümer zu glauben, Asien wird sich auf immer mit der Rolle des dummen Billigfertigers abgeben. Gute Beispiele sind heute schon Firmen wie HTC, Acer oder Asus, die sich als Markenfertiger und Innovationsmotoren erweisen. Smartphone-Fertiger HTC zum Beispiel zeigt am besten, wie es enden wird. Das Geräte-Design wird längst in den USA entwickelt, wo eine kleine, aber feine Designertruppe in Kalifornien übernommen wurde. Der Rest wird in Asien erledigt. So, wie es auch Apple macht. Nur die Abfolge der Entwicklung ist bereits anders herum.

Der Essay auf Bloomberg

»Axel Postinett 04. Juli 2010, 10:35 Uhr

Die Kommentare sind geschlossen.