» 21. März 2010, 12:18 Uhr

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App gekillt nach Apple-Kritik?

Reiner Zufall? Vorsätzlich provoziert? Oder zeigt Apple jetzt sein wahres Gesicht? Wenige Tage nach harscher Kritik an Apple Appstore durch einen Spieleentwickler wurde dessen Game ohne weitere Begründung aus dem Shop geworfen.

Zits & Giggles iat wahrlich eines der Spiele, die die Welt nicht braucht, und nach Aussagen des Entwicklers selbst waren die Verkäufe absolut vernachlässigbar. Der Pickel-Simulator, großspurig als die am weitesten fortgeschrittene dermatologische Simulation auf iPhone und iPod angepriesen, gehört zu den zigtausend Apps, die man für ein paar Cents runterlädt, drüber lacht und dann wieder löscht.  Online ging es im März 2009 und seitdem dumpfte es unbeachtet im Online-Nirvana der Softwarehäppchen vor sich hin.

Bis vergangene Woche: Da machte Entwickler Tommy Refenes laut Gamingblog Kotaku.com auf der Spielekonferenz GDC 2010 in San Francisco auf einem Panel mal unmissverständlich klar, was er denn so vom AppStore hält. “I absolutely fucking hate the Apple Appstore …”  Wer es hören möchte: Kurz im Video auf Sekunde 39 ff vorspulen.

Danach erklärte er, warum das seiner Meinung nach so ist. Und eigentlich könnte die Geschichte jetzt hier enden und genau so in der Versenkung verschwinden wie das bekloppte Game. Wenn, ja wenn er nicht auch noch mal so ein wenig dargelegt hätte, wie nett man mit Appstore-Kunden so rumspielen kann. Der Preis für das Spiel wurde mal auf 15 Dollar, mal auf 50, mal auf 400 Dollar festgesetzt. Selbst für 400 habe es noch (vier) Käufer gegeben, bei 299 Dollar immerhin noch 14.

Vereinfacht gesagt hat er Appstore-Käufer zu Deppen erklärt, denen man eigentlich alles andrehen kann.  Erinnert sich noch jemand an die sinnentleerte “Get Rich”-App für 999 Dollar in 2008? Niemand war wirklich böse, als Apple da den Stecker gezogen hat. Den Entwickler vielleicht mal ausgenommen.

Am 15 März dann war das Clerasil-Spiel des aufmüpfigen Game-Developers aus dem Shop verschwunden. Laut Refenes blieben Kontaktaufnahmen mit Apple erfolglos, auch Kotaku-Anfragen blieben ohne Antwort. Ob die Wutausbrüche und die erkennbare Verachtung für Apple oder die Preisspielereien und Kunden-Demütigungen oder irgendetwas anderes den Ausschlag gegeben haben, war also nicht heraus zu bekommen.

Selbst jetzt könnte man noch den Kopf schütteln und abhaken. Würde ich einen Blog schreiben über einen Kritiker, der ein Restaurant zur letzten Mistbude  erklärt, sich über die Kunden amüsiert, die den Fraß zu jedem Preis kaufen und dann vom Chefkock  per Fußtritt aus dem Laden befördert wird,  wenn er am nächsten Tag einen Tisch ordern will? Wohl kaum. Appstore und Restaurant können alleine entscheiden, wer beim Lunch dabei sein darf.

Kritisch wird es, wenn tatsächlich bei Apple kein echter Verstoß gegen eine Vertragsgrundlage vorgelegen hat – das Spiel war ein Jahr lang im Shop erhältlich –. und die Schmähkritik Grund für den Rauswurf war. Dann war nicht die App falsch, sondern der Typ samt Meinung unbeliebt.

Zahlreiche Medienunternehmen, die über Apple, Apple-Produkte und Apple-Persönlichkeiten schreiben, sollten da aufhorchen. Viele von Ihnen wollen mit ihren Apps auf das iPad oder sind schon – wie auch das Handelsblatt – auf dem iPhone vertreten. Diese Medienkonzerne von Wall Street Journal über New York Times bis Playboy oder Springer müssen sich die Genehmigung für ihre Produkte wie jedes andere Stück Software jeden Tag neu durch Vertragstreue erdienen.

Stern.de und Bild  haben schon einmal die Bekanntschaft mit der Welt der Kalifornier gemacht, deren Apps waren kurzzeitig gesperrt. Wie es hieß wegen unangemessener Inhalte. Das ist bei Apple zumeist alles, was mit Erotik zu tun hat und die amerikanischen Moralvorstellungen verletzten könnte. So weit, so gut.

Wollen wir hoffen, dass das dämliche Pickel-Game nicht doch noch in die Geschichte eingeht als die App, die die Gesinnungskontrolle bei Apple eingeführt hat.

Erinnern wir uns noch?

Hoffentlich schaut sich Steve Jobs den Clip in einer nachdenklichen Stunde auch noch mal ab und zu mal an.

Die Story auf dem Kotaku-Blog

Axel Postinett

» 21. März 2010, 12:18 Uhr