»Axel Postinett 11. Februar 2010, 14:15 Uhr

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Ringier sattelt auf Google Apps um

Der Schweizer Verlag Ringier führt im gesamten Konzern Google Apps in der kostenpflichtigen Unternehmensversion ein und ersetzt damit seine Microsoft-Architektur. Neben einer deutlichen Produktivitätssteigerung erhofft sich Ringier eine Kostenersparnis von rund einer Million Schweizer Franken pro Jahr.

Insgesamt 8000 Arbeitsplätze in zehn Ländern werden zwischen März und September zunächst auf Kalender-, E-Mail- und Collaboration-Funktionen von Google umgestellt. Andere Funktionalitäten von Google Apps, wie Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Google Sites oder Videotelefonie, werden automatisch mit aufgeschaltet, aber noch nicht eingeführt. Ziel des Vorstoßes ist eine stärkere Abkoppelung der täglichen Standard-IT von der hausinternen IT-Abteilung. „Wir wollen, dass unsere Journalisten auch noch kurz vor 23.00 Uhr selber im Web einen Collaboration-Raum für eine wichtige Story eröffnen können, ohne erst die IT-Abteilung wecken zu müssen“, so Samuel Hügli, CFO und CIO von Ringier im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Die Entscheidung, die bislang acht E-Mail- und Kalender-Systeme in zehn Ländern zu vereinheitlichen, sei vor drei Jahren gefallen, so Hügli. Zum Schluß seien nur noch Microsoft und Google im Rennen gewesen. Bei Ringier in China wurde Google ein Jahr lang im Rahmen eines Pilotprojekts eingesetzt, dann auch in Vietnam. Jetzt folgt der unternehmensweite Rollout. Als nächstes folgt Ungarn, zum Schluss der Stammsitz in der Schweiz.

Der Wandel hin zu web-basierten Lösungen sei in der „Alltags-IT“ in Unternehmen nicht mehr aufzuhalten, glaubt Hügli. Erfolgreiche, schnelle Medienunternehmen im Web wie Guardian oder Huffington Post arbeiteten alle mit Cloud-basierter IT. Die Mitarbeiter wollten zudem selber gerne mit Lösungen arbeiten, die sie schon aus ihrem privaten Umfeld kennen. Mit Web-Tools, Messengern, Social Media und anderen Programmen. Sie wollten auch nicht mehr immer die IT-Abteilung vorher fragen müssen, ob sie etwas machen dürfen oder nicht. Diese Loslösung von der Firmen-IT-Abteilung in bestimmten Bereichen wird akzeptiert und Hügli nennt sie sogar eine „bewusste strategische Entscheidung im Vorstand.“ Der Verlag unterstütze den Trend zur selbständigen, multimedialen Arbeitsweise. Allerdings nicht ganz uneigennützig: „Wir sind in der Journalismus-Branche tätig, nicht in der Papierbedruck-Industrie“, so Hügli. „Unsere Journalisten müssen flexibel in allen Medien arbeiten, und dafür müssen sie aber auch alle Mittel nutzen können.“

Mit Microsoft Schweiz hätte es lange und intensive Gespräche vor der Umstellung gegeben und auch ein Pilotprojekt mit den angekündigten Collaboration-Tools rund um Office 2010. Die Ergebnisse seien jedoch nicht so verlaufen, wie man es sich gewünscht hätte. Die erwarteten Einsparungen im Vergleich zur bisherigen Exchange-Outlook-basierten Collaboration-Lösung lägen bei rund 50 Prozent, so Hügli, rund eine Million Schweizer Franken. Google habe dem Unternehmen vertraglich zugesichert, dass alle Unternehmensdaten in Rechenzentren in einem bestimmten von Ringier gewünschten Land oder Rechtsraum gehostet werden und nicht in den USA. Das Familienunternehmen Ringier setzte mit Medienprodukten, mehrheitlich in der Printindustrie, 2008 rund 939 Mio. Schweizer Franken um.

Axel Postinett

»Axel Postinett 11. Februar 2010, 14:15 Uhr

    3 Kommentare zu “Ringier sattelt auf Google Apps um”


  1. Jens sagt:

    kleinere Unternehmen setzen z.B. vermehrt Openoffice als Alternative zu Microsoft ein

  2. Der Ansatz von Ringier scheint sehr interessant: Im Vordergrund steht der Innovationseffekt der Migration, die potentiellen Kosteneinsparungen scheinen nebensächlich zu sein.

  3. Hans Franz sagt:

    „Wir wollen, dass unsere Journalisten auch noch kurz vor 23.00 Uhr selber im Web einen Collaboration-Raum für eine wichtige Story eröffnen können, ohne erst die IT-Abteilung wecken zu müssen“ — da stellt sich Hügli aber ein Armutszeugnis aus. War/Ist er nicht der Technik Chef seit vielen Jahren? Da war wohl seine Arbeit eher eine müde Leistung… Gewiss will ich jetzt nicht über das Vista-Debakel reden und andere matte Leistungen. Aber der Leiter IT und Finanzen sollte überlegen ob es schlau ist, so über seine Kollegen und Mitstreiter in der IT zu schwätzen. Etwas mehr Respekt über die Arbeit seiner IT Abteilung stände ihm gut zu Gesicht. Ein ehemaliger und ob solcher Äusserungen sehr fraglich schauender Leser dieser Zeilen…

    Ansonsten ist es ein wirklich respektabler Entscheid. Googles Produkt wird überall gelobt und stellt eine international beachtete Plattform da. Doch auch hier sollte Hr. Hügli nicht vergessen, dass seine Infrastruktur am Arbeitsplatz das erst möglich macht. Inovationsbegeisterung und die Liebe zu technischen Details sollte den versierten Schreiber, der über Jahre als \Bibel im Layout\ verstandenen Quark-X-Press-Bücher, dazu bewegen seine Wortwahl zu prüfen.