» 21. Dezember 2009, 15:13 Uhr

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11813 überträgt Umsonstkonzept vom Web auf die Telefonauskunft

Seit es kostenlose Auskunftsdienste im Internet gibt, laufen der Telefonauskunft die Kunden weg. Das Start-Up 11813 will das Umsonstprinzip des Internets jetzt auf die Auskunft per Telefon übertragen – und damit sogar noch Geld verdienen.

Noch ist das Ziel allerdings nicht erreicht. Aber mit einem Minutenpreis von 59 Cent aus dem Festnetz liegen die Preisbrecher deutlich unter den Platzhirschen 11833 der Deutschen Telekom (1,99 Euro) und 11880 von Telegate (1,79 Euro). Wohl am nächsten dran ist derzeit 11828 von 01051-Telecom, die einmalig 78 Cents pro Anruf verlangen, aber dafür auch nur eine Telefonnummer herausrücken. Dass alle diese Dienste angesichts der kostenlosen Webangebote und iPhone-Apps von Anbietern wie Klicktel oder Gelbe Seiten überhaupt noch existieren, ist an sich schon interessant. Unverkennbar ist jedoch ein seit Jahren anhaltende Abwärtstrend bei den Anruferzahlen. Lag der Gesamtmarkt 2003 schätzungsweise bei 230 Mio. Anrufen im Bundesgebiet, sind es jetzt noch knapp 130 Mio. Die reine Dienstleistung der kostenpflichtigen Auskunft hat auf Dauer keine Zukunft. Das ist auch daran erkennbar, dass mittlerweile ein Großteil des Ertrags aus anderen Angeboten und zusätzlichen Gebühren etwa für üppigen Aufschlägen pro Minute für weitergeleitete Gespräche generiert werden. Nicht selten merken verärgerte Kunden erst mit der nächsten Telefonrechnung, wie viel sie der Anruf bei der Auskunft wirklich gekostet hat.

Für die beiden Jungunternehmer Mazi Pielsticker (30) und den BWL-Absolventen der Uni Zürich Donald Bringmann (22) ist die Schlussfolgerung deshalb klar: der tradierte Markt der Telefonauskunft ist sturmreif geschossen. Die 11813 GmbH  drängt deshalb klassisch im Stil der Disruptive Innovation in den Markt, um zuerst die Margen der alten Anbieter aufzufressen und dann das am Boden liegende Geschäftsmodell durch ein neues zu ersetzen. Von Google lernen heißt siegen lernen.

Plan des vor wenigen Wochen gestarteten Dienstes ist es, durch den Dumpingtarif zügig ein Anrufervolumen von rund 80.000 bis 100.000 pro Monat zu generieren, sagt Stanford-Absolvent Pielsticker. Das hält er für die notwendige Masse, um den nächsten Schritt zu gehen: Die Preissenkung von 59 Cents auf 0 Cents pro Minute.  Die Auskunftsleistung soll dann nicht mehr vom Kunden bezahlt werden, sondern von werbenden Unternehmen. Der Anrufer bekommt – im persönlichen Gespräch mit dem Operator, nicht per Band – die von ihm gewünschte Nummer und gleichzeitig eine Alternative angeboten. Das ist dann im Idealfall ein Werbekunde von 11813, der ein identisches oder vergleichbares Produkt anbietet, aber vielleicht günstiger oder schneller. Bleibt der Anrufer bei seiner Ursprungswahl, geht 11813 leer aus. Wählt er statt dessen die Alternative, gibt es eine Provision. Das Prinzip kommt – wie so oft – aus den USA. Neben dieser Rabatt- oder Gutschein-Aktion will Pielsticker noch “zwei weitere Erlösquellen” ausgemacht haben, die er jedoch derzeit geheim halten will. Das Vertrauen in die eigenen Ideen muss allerdings groß sein, immerhin hängte er für die vage Hoffnung einer Unternehmensgründung seine Anwaltskarriere in New York an den Nagel, wo er zuletzt als Associate bei Weil, Gotshal & Manges LLP gearbeitet hat.

Hinter dem Start-Up steht der Vater des Mitgründers Donald Bringmann, der einen Branchenbuchverlag (Dr. Bringmann & Gessler Verlag) betreibt und die Idee der beiden Studienfreunde nicht ganz selbstlos unterstützt. Die “Blauen Bücher” in Großstädten wie München oder Köln bringen derzeit noch den größten Umsatzanteil, aber das Digitalgeschäft (z.B. diemuenchener.de ) wird immer wichtiger. Aus dem väterlichen Verlag bezieht das Start-Up auch einen Großteil der Datenbasis, außerdem das erste Startkapital.

Geschenkt bekommen die beiden Jungunternehmer, die nach eigenen Angaben weiter die Mehrheit an dem Unternehmen halten, aber trotzdem nichts. Gelenkt wird das Start-Up aus dem Gartenhaus der väterlichen Villa in München heraus. Schon fast ein Stilbruch, wo doch Start-Ups im großen Vorbild Silicon Valley eigentlich immer in Garagen gegründet werden. Für eigene Büroräume im teuren München reicht es noch nicht ganz, der väterliche Mit-Investor hält da schon mal die Hand auf den Kosten. Aber dafür gibt es wenigsten nachmittags manchmal Kaffee und selbstgebackenen Kuchen frei Haus.

Webseite der 11813

Axel Postinett

» 21. Dezember 2009, 15:13 Uhr

    2 Kommentare zu “11813 überträgt Umsonstkonzept vom Web auf die Telefonauskunft”


  1. furzkissen sagt:

    haha..der kleine rüsseldonald!

  2. Mr. Toner sagt:

    Idee und Geschichte finde ich bisher ja ganz gut. Bleibt abzuwarten ob sich das auch so in Deutschland umsetzen lässt.

    Ein Rechtschreibfehler: allerdings. Ende des vierten Absatzes.
    :-)