» 28. September 2008, 10:51 Uhr

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Das Sterben der Blogs

THANK YOU. Das ist das Erste, was die Macher von uber.com ihren Nutzern noch sagen wollen. Die Blog-Community schließt ihre Pforten, weil die Investoren ihr Geld sparen müssen. Das ist erst der Anfang. Das Social Networking steht mehr denn je auf dem finanziellen Prüfstand.Resignation macht sich breit. “Erst dachte ich, das ist ein Scherz. Dann habe ich über meinen Blog nachgedacht, weil ich Texte oder Bilder nie gesichert habe…. aber jetzt habe ich mich damit abgefunden.” So wie Blueriver wird es vielen Bloggern gehen, die durch die überraschende Ankündigung des Blog-Providers vor der Wahl stehen die Nacht zurchzuarbeiten, oder vielleicht alles zu verlieren. Denn Montag ist Schluß. “Die Wirtschaftskrise hat Uber als ihr nächstes Opfer ausgewählt”, erklären die Macher auf ihrer Webseite, die jetzt nur noch ein Grabstein ist und am Montag die Server herunterfährt.

Es trifft die Blogger wie die Belegschaft von Uber.com. Uber war eines der ambitioniertesten Web-2.0-Projekte, mit dem Anspruch hochqualitativer Inhalte, konzentriert auf Medien und Unterhaltung. Eine Mischung aus Network, Blog und Szene-Nachrichten-Portal. Finanziert wurde das Ganze von Discovery Communications und NBC Entertainment. Die haben jetzt den Geldhahn zugedreht. Im Frühjahr hatte es noch einmal 7,6 Mill. Dollar gegeben, das ist jetzt vorbei.

Die Vermarktungsfrage wird für Blogs, Blog-Betreiber, aber auch alle anderen Arten von Web-2.0-Start-Ups die zentrale Frage des Jahres 2009 werden. Den Geldgebern – oft klassische Medienunternehmen – geht jetzt selber das Geld aus und sie sehen, dass die Web-2.0-Investitionen noch immer Teil des Problems sind, nicht der Lösung. Wer kann, so wie der mittlerweile arrivierte Blog Ars Technica, rettet sich in die Arme großer Partner, um in Ruhe zu überwintern. Conde Nast hat den Blog im Mai gekauft.

Social Networks wie Myspace wollen ein paar Extra-Dollars mit dem Verkauf von Musik im Web verdienen. Zu einer Zeit, in der Spieler wie Yahoo Music oder MSN Music schon wieder aussteigen, weil es sich nicht gelohnt hat.

Wer nichts findet, der wird die zweite Kältepeiode im Web nicht überleben oder schnell neue Vermarktungsmodelle finden müssen. Abseits von Webung und Einzelhandelsmodellen. Keine leichte Aufgabe, wenn man den Kunden immer erzählt hat, wir machen alles besser, und das auch noch umsonst.

Pleiten wie Uber sind die ersten Vorboten der zweiten New Economy-Krise. Aber die Einschläge kommen immer näher. Große Aufmerksamkeit wird der kommende Quartalsbericht von Google auf sich ziehen. Und diesmal wird neben der Abkühlung der Werbekonjunktur die Milliardeninvstition in Youtube im Mittelpunkt stehen. Zwei Jahre im Konzern und immer noch nichts verdient? Nicht mal ein Konzept? Wie lange soll das noch so weitergehen? Selbst Google wird irgendwann einmal Antworten geben müssen.

» 28. September 2008, 10:51 Uhr

    4 Kommentare zu “Das Sterben der Blogs”


  1. webwatcher sagt:

    @ Mariana: Also befristet ist er nicht. Wie lange er laufen wird, ist aber natürlich offen. Es hängt auch davon ab, ob weiter genug Leser da sein werden (was ich natürlich sehr hoffe) und wie sich das Ganze weiter entwickelt. Ich bin seit Sommer relativ stark noch im Videobereich des Handelsblatts mit Produkttests vertreten. Das absorbiert weit mehr Zeit, als ich zunächst vermutet hatte. Aber noch klappt alles parallel. Wenn ich auch zugebe, dass ich doch schon weniger im Blog schreibe als noch 2007. Immerhin: Der Webwatcher hat die durchschnittliche Lebensdauer eines Blogs von drei Monaten laut Gartner (siehe http://webwatcher.blogg.de/eintrag.php?id=23 ) wenigstens schon überschritten. ;)
    Was die Plattform Blogg.de selber angeht, bin ich natürlich der falsche Ansprechpartner. Der gehört nicht zu unserem Verlag und ich habe keinerlei Informationen darüber.

  2. mariana mayer sagt:

    webwatcher, wenn sie das Thema schon so direkt ansprechen: Ist dieser Blog insgesamt auch absehbar befristet? Nicht das wir eines Morgens vor verschlossenen Fenstern stehen?

    Mit freundlichen Grüßen
    Mariana Mayer

  3. Hr. Gelder sagt:

    Hinweis: Der Blogeintrag wurde um die rein werblichen Komponenten (leider 99,9 %) für die Seiten des Autors bereinigt.

    Bloggen ist nur ein teil vom Social Networking.
    Meiner Meinung noch nicht effektiv.

    Was effektiv ist, ist Social Networking mit Freundesportalen.

  4. Paul sagt:

    “Die Wirtschaftskrise hat Uber als ihr nächstes Opfer ausgewählt”, erklären die Macher auf ihrer Webseite”

    Die Wirtschaftskrise ist nicht anonym. Ob es zu einer zweiten Krise der New Economy kommt hängt davon ab wie schnell und kreativ ein paar schlaue Köpfe endlich anfangen alternativ und wirklich sozial über >Wirtschaften< nachzudenken. Nur das wird Social Networks im Web erhalten und dazu führen, dass sie auch ihre anspruchsvollen und emanzipatorischen Ziele umsetzen können und nicht unter dem Druck einer zerstörerischen Wirtschaft gezwungen werden ihr Potenzial aufzugeben.