» 23. Mai 2008, 02:08 Uhr

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Yahoo verblüfft ahnungslosen Icahn

Nach dem Rücktritt eines Verwaltungsratsmitglieds verschiebt Yahoo seine Verwaltungsratssitzung auf einen unbestimmten Zeitpunkt, voraussichtlich Ende Juli. Jerry Yang, angeschlagener CEO des Internetpioniers, erkauft sich mit diesem cleveren Schachzug neue Zeit. Für Carl Icahn und seine Truppe von Aktionärsaktivisten dagegen wird es eng.Axel Postinett, New York

Yahoo-Verwaltungsratsmitglied Edward Kozel, seit 2000 im Yahoo-Board, tritt zurück. Das teilte Yahoo am späten Donnerstag in einer Mitteilung an die Börsenaufsicht SEC mit. Kozel wolle „mehr Zeit mit seiner Familie verbringen“, heißt es. Angesichts des Rücktritts wird Yahoo den Verwaltungsrat von zehn auf neun Mitglieder verkleinern, heißt es in der Mitteliung weiter.

Diese Veränderung im Verwaltungsrat eröffnet Yahoo die legale Chance, die bereits für den 3. Juli angesetzte Aktionärsversammlung noch einmal zu verschieben. Die notwendigen Materialien müssen erneut von der SEC geprüft und den Aktionären übermittelt werden. Außerdem bekommen die Aktionäre Zeit, bis zum 3 Juni neue Vorschläge für den Verwaltungsrat einzureichen. Weitere Amateuraktionäre haben bereits angekündigt, sich selbst aufstellen zu wollen.

Die Verschiebung bringt besonders Großinvestor Carl Icahn weiter unter Druck. Icahn hatte rund zehn Millionen Yahoo-Aktien gekauft und zehn eigene Kandidaten für die Wahl des Yahoo-Verwaltungsrats am 3. Juli aufgestellt. Aktuell ist noch nicht bekannt, ob und wie er diese Liste jetzt ändern wird. Icahn musste einen ersten Rückschlag hinnehmen, als Microsoft-Chef Steve Ballmer am Mittwoch auf einer Veranstaltung in Israel erneut betonte, dass er kein Interesse mehr an einem Kompletterwerb von Yahoo habe. Bis zuletzt war Icahn davon ausgegangen, dass Ballmer nur blufft. Dem scheint nicht so, zumal Microsoft am Mittwoch zudem eine neue Suchmaschinenstrategie gestartet hat, um Werbekunden von Google und Yahoo abzuziehen. Microsoft zahlt jetzt an jeden Surfer, der über sein neues Microsoft Live Search Programm „Cashback“ Produkte kauft bis zu 15 Prozent Rabatt auf den Produktpreis.

Einen „Plan B“ zum Verkauf an Microsoft hat Icahn aber nicht, dessen gesamte Strategie darauf aufbaut, mit einem gefügigen Aufsichtsrat die interne Verteidigung Yahoos zu brechen, und Microsoft wieder an den Verhandlungstisch zu bringen. „Microsoft wäre dumm, wenn es sich diese Gelegenheit entgehen lassen würde“, betonte Icahn noch Mittwochnacht in einer Ansprache anlässlich eines Dinners in New York.

Die Verzögerung kommt ihm erkennbar ungelegen. Neben Yahoo-Aktien hat Icahn nach eigenen Aussagen auch noch Optionen auf den Kauf von 49 Mill. Yahoo-Aktien gekauft. Je länger sich die Yahoo-Aktie aber im Seitwärtsgang bewegt, um so riskanter wird diese Investition in die Kaufoptionen.

Außerdem kann Yahoo-Chef Yang die Zeit nun nutzen, um weitere Optionen für den Silicon-Valley-Pionier Yahoo auszuloten. Speziell die Gespräche mit Google über eine weitreichende Zusammenarbeit laufen weiter, heißt es aus dem Unternehmen nahestehenden Kreisen. Yang soll sich aber auch offen zeigen für einen Vorschlag Microsofts, nur im Suchgeschäftt zu kooperieren. Eine weitere Möglichkeit wäre der Verkauf der Asien-Beteiligungen, speziell in Japan, die nach Analystenschätzungen wie zum Beispiel von Collin Stewart von Sandeep Aggarwal rund 9,5 Mrd. Dollar einbringen könnten. Mit diesem Geld könnte der Grundstock für eine Übernahme von AOL durch Yahoo gelegt werden. Jede dieser Aktionen würde Yahoo einen Verkauf Yahoos erwchweren. Sie könnten aber langfristig das Wachstum Yahoos sichern. „Langfristig“ – die Katastrophe für Schnell-Aktionäre wie Icahn.

Carl Icahn wird sich jetzt ganz schnell etwas Neues überlegen müssen. Die anderen Krawallaktionäre brauchen sich nicht zu sorgen: sie sind ohnehin nur Mitläufer, die Icahn blind hinterhertapern.

Yahoos SEC-Mitteilung

» 23. Mai 2008, 02:08 Uhr