Videospiele-Gigant Electronic Arts hat zwei Mrd. Dollar für den angeschlagenen Konkurrenten Take Two geboten. Zusammen würden die beiden Firmen mit rund vier Mrd. Dollar Umsatz Vivendi/Activison wieder vom Thron stoßen. Das Problem: Take Two will nicht.Nach der Übernahme von Activision (ATVI) durch Vivendi („World of Warcraft“) (VIA.PA) zeichnet sich innerhalb von nur wenigen Wochen die zweite große Übernahme im Gamingsektor ab. Gemeinsam würden der Silicon Valley-Riese Electronic Arts (ERTS) und die New Yorker Take Two (TTWO) mit rund 3,9 Mrd. Dollar sogar rechnerisch wieder die Führung vor dem neuen Spitzenreiter Activion/Vivendi (3,8 Mrd. Dollar) übernehmen.
Das aktuelle Übernahmeangebot von 26 Dollar pro Aktie in bar stellt einen Aufpreis von 64 Prozent auf den Take-Two-Kurs vom 15. Februar dar, der Tag, an dem John Riccitiello, CEO von Electronic Arts, ein erstes Angebot von 25 Dollar an den ehemaligen BMG-Manager und heutigen Executive Chairman von Take Two, Strauss Zelnick, geschickt hat. Der hatte das prompt abgelehnt und mit Brief vom 19. Februar hatte Riccitiello mit 26 Dollar nachgelegt. Nachdem er bis Freitag nach Börsenschluss keine Antwort erhalten hatte, machte er das Angebot jetzt öffentlich, um den Druck auf Take Two zu erhöhen.
Der Brief an Strauss Zelnick
Am 24. Februar dann, unter dem Druck der Öffentlichkeit, erklärte Strauss Zelnick öffentlich, dass das Board den Vorstoß abgelehnt habe. Das Angebot stelle eine “signifikante Unterbewertung von Take Two” dar und sei “nicht im Besten der Aktionäre”.
Der Zeitpunkt für den Angriff ist clever gewählt. Take Two steht nach zwei Verlustjahren mit dem Rücken zur Wand, aber auch vor dem lang erwarteten Start von „Grand Theft Auto IV“,
einem gewaltgeladenen Auto-Spiel, dessen Vorgängerversionen jeweils hoch profitable Millionenseller waren. Wenn die Verkaufswelle von GTA IV durch ist, so Riccitiello in Richtung Take-Two-Aktionäre, werde Take Two wieder lange nur mit weniger erfolgreichen Titeln leben müssen und sich massiven Herausforderungen gegenübersehen. So wie Electronic Arts allerdings auch.
Take Two gehört zu den größten Anbietern von Sony Playstation-Spielen und war durch den schleppenden und mehrfach verzögerten Start der Playstation 3 massiv in Bedrängnis gebracht worden. Hohen Investitionen in teure Spiele standen unerwartet lange nur wenige Erträge gegenüber. Im Oktober musste Take Two einen Nettoverlust von 138 Mill. Dollar für das Finanzjahr 2007 melden. Traurige Berühmtheit hatte Take Two in der Branche erreicht, als herauskam, dass unter anderem im Finanzjahr 2000 die Umsätze durch illegale Machenschaften künstlich aufgebläht wurden.
Electronic Arts hatte ebenfalls viel zu früh, wie man heute weiß, in Sony-PS3-Software investiert und gleichzeitig den Boom der Nintendo-Konsole Wii 2007 verpasst. Im laufenden Finanzjahr will EA nun „mehr Spiele für die Wii entwickeln, als für jede andere Plattform in einem Jahr zuvor“, wie Riccitiello sagt. Electronic Arts hatte, nicht zuletzt wegen fehlender Wii-Spiele, im Weihnachtsquartal einen schweren Gewinneinbruch erlitten und im dritten Finanzjahr in Folge sinkende Nettogewinne.
Anfang des Jahres war Rupert Murdochs Viacom noch als Kaufkandidat für TTWO gehandelt worden, hatte aber Anfang Februar offen dementiert.
Eine Fusion von EA und TTWO würde in erheblichen Synergien der beiden Unternehmen münden, so Riccitiello in seinem Brief, ohne genaue Zahlen zu nennen. Eine Due Dilligance könnte aber bei gutem Willen aller Beteiligten in zwei Wochen anbegeschlossen sein.
Größter Gewinner einer Übernahme von Take Two dürfte übrigens der aktuelle CEO Ben Feder sein: Noch am Tag, als das erste Gebot von EA einging, wurde Feders Vertrag noch einmal um volle fünf Jahre verlängert.










