Binders full of women – Romneys Patzer

Auch wenn die ganze Aufmerksamkeit bei dieser 2. Debatte auf Barack Obama lag, hatte auch Mitt Romney seinen großen Moment, allerdings im negativen Sinne. Bei der Frage, wie er als Gouverneur für Frauen im Kabinett gesorgt hat, stottert der Republikaner herum, begeht einen bösen Fehler – und tritt eine gewaltige Welle im Netz los. Häufig sind es eher die Randbemerkungen, die hängen bleiben. In der ersten TV-Debatte hatte Mitt Romney (neben seiner herausragenden Performance) so nebenbei Big Bird, dem Star der Sesamstraße, auf die Füße getreten – und wird ihn nun nicht mehr los.
Einen ähnlichen Fehler beging der Republikaner auch in der vergangenen Nacht in der zweiten Debatte.

Die Moderatorin will von ihm wissen, was er den für die Frauen tue. Ganz konkret, was er denn in seiner Amtszeit als Gouverneur von Michigan 2003 getan habe, um mehr Frauen in sein Kabinett zu bekommen. Eine Frage, die Romney sichtbar aus dem Tritt wirft. Er druckst herum:

An important topic, and one which I learned a great deal about, particularly as I was serving as governor of my state, because I had the chance to pull together a cabinet and all the applicants seemed to be men. And I – and I went to my staff, and I said, „How come all the people for these jobs are – are all men.“ They said: „Well, these are the people that have the qualifications.

Soweit, so wenig überzeugend. Aber dann legt Romney auch noch nach:

Well, gosh, can’t we – can’t we find some – some women that are also qualified? And – and so we – we took a concerted effort to go out and find women who had backgrounds that could be qualified to become members of our cabinet. I went to a number of women’s groups and said: „Can you help us find folks,“ and they brought us whole binders full of women.

„Binders full of women“ – als Aktenordner voller Frauen? Ein Sprachbild, dass bei den Amerikanern überhaupt nicht gut ankommt. Innerhalb von Minuten hat Romney die ganze Macht des Webs gegen sich.

Zunächst kommt der Twitter-Hashtag @bindersfullofwomen auf, dann ein eigener Accout zum Thema.

Klar, dass auch Big Bird das Thema gerne aufnimmt.

Bei Tumblr tobt sich die ganze Kreativität des Netzes aus und in wenigen Stunden sammelt die neue Facebook-Seite „binders full of women“ mehr als 215.000 Fans.

Und das ganze fängt wohl erst richtig an. Hier zum Beispiel eine Persiflage, wie ein Wahlkampfvideo für Romney 2003 für den Gouverneursposten hätte aussehen können:

Allerdings ist das ganze nicht nur eine Spasskampagne. Minuten, nachdem Romney die Worte ausgesprochen hatte, war die  Internetadresse BindersFullofWomen.com aufgekauft worden. Nach der Recherche von Politico von Bradley Beychok. Der ist Kampagnenchef des Spendenkomitees (PAC) American Bridge – das die Demokraten unterstützt. Inzwischen, kaum fünf Stunden nach Ende der Debatte, ist diese Seite mit Berichten über Romneys schlechte Politik in Sachen Frauenrecht gut bestückt.

UPDATE: Inzwischen stellt sich heraus, dass Romney Geschichte, die er zu seinen „Aktenordnern voller Frauen“ erzählt hat, gar nicht stimmt – so die Fact Checker des Boston Phoenix.

Und auch der Strom der Binder-Memes bricht nicht ab. Ein letztes für heute:

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