„Schlechte Ideen vs. gar keine Ideen“

Wie kann es eigentlich sein, dass Präsident Barack Obama immer noch führt – obwohl die US-Wirtschaft siecht und Millionen Amerikaner keinen Job haben? Diese Frage scheint die Republikaner zur Verzweiflung zu bringen.

Irgendwie ist bei Mitt Romney seit den Conventions ohnehin der Wurm drin. Nicht nur hat der Republikaner – anders als Obama – in den Umfragen keinen Schwung aufnehmen können. Zu allem Übel bekommt Romney jetzt auch noch zunehmend Druck aus dem eigenen Lager.

Aktuell muss er sich dieser Tage den Vorwurf gefallen lassen, er habe keinen Plan für die Truppen in Afghanistan und würde – wiederum anders als Obama – den Einsatz der US-Truppen zu wenig würdigen. William McGurn, ehemals Redenschreiber von George W. Bush, schrieb sich im „Wall Street Journal“ in Rage: „Wenn Mr. Romney  Amerikas Commander in Chief werden will, muss er anfangen, sich auch als einer zu präsentieren“. Überschrift des Meinungsstücks: „Das Schweigen der republikanischen Lämmer“.

Noch viel weiter gehen aber die lauter werdenden Forderungen, Romney müsse mehr aus seinem Wahlkampf machen. Sonst verliert er ihn am Ende, ausgerechnet gegen einen Präsidenten, der sich doch eigentlich selbst erledigt haben sollte, weil er eine Jobkrise und eine schwache Wirtschaft zu verantworten hat.

Die bekannte konservative Radiomoderatorin Laura Ingraham drückte das am Dienstag so aus: „Diese Wahl gibt es quasi geschenkt, zumindest sollte es so sein“, sagte Ingraham. „Wenn Du es nicht schaffst, Barack Obama mit dieser Bilanz zu schlagen, dann kannst Du gleich die ganze Partei schließen. Fang von vorne an, mit neuen Gesichtern!”

Eigentlich war doch noch vorvergangene Woche auf dem Parteitag in Tampa alles in Butter gewesen. Da gab es eine erstaunlich geeinte Partei zu besichtigen, selbst der erzkonservative Flügel und die aufmüpfige Tea Party schienen sich hinter den moderaten Romney gestellt zu haben. Erst recht, nachdem sie mit der Nominierung des schneidigen Haushalts-Falken Paul Ryan zum Vize eine Wunsch-Personalie serviert bekommen hatten.

Doch nun, angesichts des neuen Aufschwungs für den Präsidenten, wird es wieder unruhig. Was sich in der Partei selbst keiner öffentlich zu sagen traut, fassen die konservativen Kommentatoren in Worte. Sie fordern, Romney müsse viel härter angreifen. „Sprich lauter, Mitt!“, schreibt etwa William Kristol im neokonservativen Magazin „Weekly Standard“.

Der letzte Absatz ist deutlich: „Erfolgreiche Herausforderer schubsen nicht nur ein bisschen und kreisen im Ring herum. Sie schlagen wenigstens ein paar Mal richtig zu. Es ist nicht genug, wie ein Schmetterling herumzugleiten. Du musst wie eine Biene stechen. Kein Stich, kein Sieg“.

Neben mangelndem Angriffswillen zieht sich Romney aber auch noch deshalb den Zorn seiner Leute zu, weil er noch immer nach dem Motto Wahlkampf führt: Je unkonkreter, desto besser. Seine Antwort zu den Steuerschlupflächern, die er angeblich schließen will? Das machen wir alles in Ruhe nach der Wahl aus. Afghanistan? Erstmal mit den Generälen reden. Iran? Härter rannehmen als es Obama macht, ansonsten: Details später.

Der konservative Autor Jonah Goldberg beschreibt die Wahl zwischen Obama und Romney so: „Schlechte Ideen vs. gar keine Ideen“.

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Alle Kommentare [4]

  1. Man muss es gutheissen, daß George W. Bushs Leute noch bereit sind, die Republikaner zu zeigen wo es lang geht. Ohne die erfahrene und erfolgreiche Bushies wäre Hopfen und Malz verloren.
    Tea Party in GOP in NOvember!

  2. hm, vielleicht sollten sich die Republikaner einmal überlegen, ob es nicht auch ein bisschen um Inhalte geht. Obama’s Wahlkampf zielt darauf ab, die Klientelpolitik der Republikaner vorzuführen, die gegen die Interessen der großen Mehrheit geht. Konservativ bedeutet ja nicht immer nur “zu Gunsten der Oberklasse”. Aber es ist natürlich viele einfacher und ungefährlicher mehr Aggressivität einzufordern, als sich inhaltlich auseinander zu setzen, insbesondere mit den Partei”freunden”, die Angriffslust über Fachkenntnis setzen.

  3. vergessen wird häufig, daß die Alternative in den USA in etwa wie folgt aussieht:
    auf der einen Seite Obamas Demokraten, eine Art Mischung aus FDP/CDU/SPD,
    also marktliberal mit einem Schuß sozialer Marktwirtschaft – letzteres weit unterhalb der deutschen /europäischen Norm.
    Auf der anderen Seite Romneys Republikaner, die etwa unseren Reps (!) entsprechen, wobei der rechte Flügel christlich-fundamentalistisch ist (also deutlich rechts von Papst Benedikts Katholischer Kirche. Und der (nicht mehrheitsfähige) “linke” Flügel dem RECHTEN RAND der CSU entspricht.

  4. Message to both canditates:
    1. Be honest
    2. Don’t tell the people just what they like to hear
    3. Present a realistic plan what you will do that can be really executed.
    4. Behave like our founders. Worry about the next generation and not only about the next election

    Think formost of the future of our country and not of your own

    God bless America!