Für eine Handvoll Prozentpunkte

Zwei Wochen Riesenspektakel, zusammen 90.000 Gäste und zwei Mal 15.000 Journalisten: Sind Barack Obama und Mitt Romney nun beliebter als zuvor? Haben sich die Conventions der Demokraten und Republikaner in diesem Sinne gelohnt?

Haben sie. Vor allem für den Päsidenten. Wie frische Umfragen vom Montag zeigen, hat er in der Gunst der Amerikaner kräftig zugelegt – und lässt seinen Herausforderer ziemlich alt aussehen.

52 Prozent der Wähler würden laut CNN und ORC International jetzt für Obama stimmen, nur 46 Prozent für Romney. Macht einen Vorsprung von 6 Prozentpunkten für den Präsidenten. Vor dem Parteitag in Charlotte waren die beiden noch mit 48 Prozent gleichauf gelegen.

Natürlich sind das nur Momentaufnahmen, nur 1022 Amerikaner wurden für die Studie befragt, und die Fehlertoleranz liegt bei solchen Umfragen immer bei mindestens plus minus 3 Prozentpunkten. Doch die Zahlen geben einen Hinweis darauf, wer die Großchance Parteitag besser für sich nutzen konnte.

„Die Convention der Demokraten wurde ziemlich gut angenommen“, so Keating Holland, bei CNN für Wahlumfragen zuständig. „Vor allem im Vergleich zum Treffen der Republikaner in der Woche davor in Tampa“. Laut Holland hat das Treffen der Obama-Unterstützer auch die Basis motiviert: Nun seien mehr Demokraten entschlossen zu wählen als Republikaner (59 zu 57 Prozent). Vor den Conventions war es noch genau umgekehrt.

Interessant ist aber auch, wie sich die Wähler während der zwei Wochen umentschieden haben. In der Woche des Republikaner-Parteitags in Tampa stiegen laut der Umfrage die Zustimmungswerte für Romney von 48 auf 53 Prozent (hier seine Rede). Doch der Popularitäts-Schub hielt nicht lange: Als eine Woche später die Demokraten ihre große Party begannen, fiel Romney zurück auf 48 Prozent. Obama dagegen erreichte zwischendurch sogar den Spitzenwert von 57 Prozent – der beste seit 2010. Das ist der Vorteil, wenn man das letzte Wort hat.

Und noch mehr gute Nachrichten für den Präsidenten: Nach den Conventions denken nun mehr Amerikaner, dass Obama den ausgefeilteren Plan habe als Romney, wie er dem Land aus der Krise helfen will (vorher war es umgekehrt). Außerdem habe er die optimistischere Vision für Amerika. Und, ganz wichtig für das Projekt Wiederwahl: Obama konnte viel Boden bei den männlichen Wählern gutmachen – die Frauen hat er mehrheitlich ohnehin schon auf seiner Seite.

Obamas persönliche Leistung auf der Convention allerdings bleibt hinter den Erwartungen zurück. Glaubt man einer anderen Umfrage des Pew-Instituts, war der Star der Woche Bill Clinton. 29 Prozent der befragten Zuschauer haben demnach den Auftritt des Ex-Präsidenten als ihr Highlight bezeichnet, 16 Prozent nannten Obamas Rede, nur 15 Prozent die Ansprache Michelle Obamas.

Mal sehen, wie sich diese Umfragewerte ändern, sollte sich Romney demnächst mal wieder bei irgendeinem Wahlkampfauftritt verplappern. Oder sollte es – und damit ist zu rechnen – bald wieder neue schlechte Nachrichten von der US-Wirtschaft geben. Das wären dann auch äußerst schlechte Nachrichten für Obama.

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