Die Erwartungen waren hoch, wahrscheinlich noch höher als sonst. Denn wenn der ehemalige US-Präsident Bill Clinton am Abend vor dem Höhepunkt schon so eine gewaltige Rede hält, muss Obama eigentlich noch einen drauf legen. Hat er aber nicht. Leider. Die Rede des US-Präsidenten zum Abschluss des demokratischen Parteitages war die wichtigste des ganzen Wahlkampfes. Doch eigentlich war es kaum mehr als nur eine weitere Wahlkampfrede. In diesem knappen Kampf ums Weiße Haus hätte es aber ruhig ein bisschen mehr sein können. Mehr Emotionen, mehr Visionen, mehr Gänsehaut. Stattdessen hat der Präsident viele alten Argumente aufgewärmt, die man in den vergangenen Tagen zu genüge gehört hat. „Es wird eine Wahl sein zwischen zwei verschiedenen Wegen für Amerika.“ „Ich glaube nicht, dass neue Steuergeschenke für Millionäre uns neu Jobs bringen werden.“ „Der Weg vor uns wird nicht einfach sein.“ Inhaltlich hat er Recht. Doch gerade Obama, der Mann, der für sein unschlagbares Charisma und seine ausgefeilte Rhetorik bekannt ist, hätte es besser machen können.
Müde wirkte der Präsident und abgekämpft. Die Chance, den Amerikanern den Geist von „Hope and Change“ zurückzubringen, hat er nicht genutzt.
Die Delegierten jubeln ihm zu, wedeln mit Amerikafähnchen und halten Schilder hoch, auf denen „Forward“ steht und „Thank you“. Die Stimmung im Saal ist gut. „Fired up – ready to go“ gröhlen viele, auch nachdem Obama die Arena in Charlotte längst wieder verlassen hat.
Und doch wirkt die Stimmung im Saal inszeniert, so, als müsse man jetzt einfach jubeln. Schließlich spricht ja der Präsident.
„Der Rede fehlte einfach eine gewisse Magie“, sagt der Kommentator auf CBS. Und ich stimme zu.
