Eklat mit Ansage

Selbst auf einem durchchoreografierten Jubelparteitag klappt nicht immer alles so, wie sich die Regie das vorstellt. So passiert am Mittwochnachmittag, kurz nach Eröffnung des zweiten Tages in Charlotte.

Die Delegierten mussten über einen eilig eingereichten Antrag der Programmkommission abstimmen, folgende Punkte nachträglich wieder ins Parteiprogramm der Demokraten aufzunehmen: die Erwähnung Gottes und die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels. Ein Standard-Passus, der eigentlich jedes Mal im Manifest auftaucht – nur in diesem Jahr nicht.

Was die Parteioberen schnell und geräuschlos korrigeren wollten, entwickelte sich dann allerdings zu einem Eklat: Sitzungsleiter Antonio Villaraigosa musste drei Mal abstimmen lassen (traditionell per „Ja“ oder „Nein“-Rufe), um schließlich zu erklären, dass die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit zustande gekommen sei.

Viele im Saal waren da allerdings anderer Meinung: Sie buhten und pfiffen den Bürgermeister von Los Angeles aus. Live übertragen in Millionen amerikanischer Haushalte:

Es war ein Eklat mit Ansage.
Tags zuvor noch hatten die Demokraten ihr Manifest ohne die umstrittenen Erwähnungen zu Gott und Jerusalem beschlossen – und damit umgehend scharfe Kritik der Republikaner ausgelöst. Nur zu gerne kritisieren Mitt Romney und seine Leute die Demokraten als gottlose Partei. Präsident Barack Obama werfen sie vor, ihm seien die Belange Israels gleichgültig.

Um dieser Kritik nicht noch mehr Futter zu geben, soll Obama nun persönlich darauf gedrängt haben, das Parteiprogramm am Mittwoch zu ändern und den Gottesbezug sowie die Anerkennung Jerusalems wieder einzubauen. Immerhin entspricht das der offiziellen Linie des Weißen Hauses. Doch viele Delegierte wollten sich das offenbar nicht gefallen lassen.

Eigentlich sollte es bei dem heiklen Thema gar keinen großen Parteienstreit geben, denn beide unterstützen Israels Anspruch. „Jerusalem ist und bleibt die Hauptstadt Israels“, heißt es um Beispiel in Programm der Demokraten von 2008. Die Parteien seien sich einig, dass der Status eine Sache „endgültiger Verhandlungen“ sei. Der Repubikaner Romney kündigte bei seinem Israel-Besuch im Juli sogar an, im Falle eines Wahlsieges die US-Botschaft von Tel Aviv (wo fast alle Auslandsvertretungen angesiedet sind) nach Jerusalem zu verlegen.

Die Demokraten haben nun den Schaden. „Das ist peinlich. Das ist dumm. Das ist ein unnötiger Fehler“, ereiferte sich der demokratische Parteistratege Paul Begala nach dem Eklat im Studio von CNN. Die schöne, einträchtige Stimmung vom ersten Tag der Convention jedenfalls war am Mittwoch erst einmal wieder kaputt.

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