Wenn etwas im Raum steht, aber niemand darüber zu sprechen wagt, haben die Amerikaner eine schöne Formulierung: „Da ist ein Elefant im Zimmer“. Er ist irgendwie da, jeder sieht ihn, doch alle sind sich einig, dass man ihn am besten ignoriert.
Mit einem riesigen Rüsseltier haben es nun die Republikaner auf ihrem Parteitag in Tampa, Florida, zu tun. Es hört auf den Namen George W. Bush. Der Ex-Präsident, immerhin acht Jahre lang der mächtigste Streiter für die republikanische Sache, findet in Tampa so gut wie nicht statt.
Dass er selbst nicht kommen würde, war bereits vorher klar: Er habe von sich aus abgesagt, heißt es offiziell, um nicht die Aufmerksamkeit von Kandidat Mitt Romney anzulenken. So blieb es bei einer Videobotschaft, in der Bush Junior und Vater George H.W. zur Wahl Romneys aufriefen. Doch das war es dann auch schon mit dem 43. Präsidenten. Zum Vergleich: Barack Obamas Wahlkamfteam kann nicht oft genug den demokratischen Ex-Präsidenten Bill Clinton ins Rampenlicht schieben.
Kein prominenter Republikaner in Tampa erwähnte in den Reden bislang Bushs Namen. Schon gar nicht sprachen sie über sein politisches Erbe: Kampf gegen den Terror, die Kriege im Irak und in Afghanistan – war das was? Einzig Bruder Jeb, einer der aufstrebenden Parteigänger, und die populäre Ex-Außenministerin Condoleeza Rice durften ans Mikrofon. Doch auch deren Reden hielten sich nicht lange in der Vergangenheit auf, sondern drehten sich um Obama und eine bessere Zukunft mit Mitt Romney. Andere Mitstreiter Bushs, Ex-Vize Dick Cheney etwa oder Chef-Stratege Karl Rove, spielen nur am Rande eine Rolle. Sie halten Frühstücke und Diskussionsrunden ab.
Romney selbst will scheinbar auch nichts mit Bush zu tun haben, es gibt noch nicht einmal ein aktuelles Foto mit den beiden. Kürzlich wurde er in einem TV-Interview gefragt, wie sich seine Politik von jener Bushs abheben würde. „Das war eine ganz andere Zeit“, wiegelte der Kandidat ab. Heute gehe es um ganz andere Herausforderungen. Es ist, als beginne die Geschichte erst am 20. Januar 2009, als Barack Obama zum Präsidenten vereidigt wurde.
Warum Bush derart geschnitten wird, erklären die meisten politischen Kommentatoren mit dessen Unbeliebtheit. Der Ex-Präsident ging mit Zustimmungswerten von knapp über 20 Prozent aus dem Amt – das hat selten jemand geschafft. Andere sehen den Grund aber auch in den Inhalten seiner Politik: Bereits unter Bush, nicht erst unter Obama, waren die Staatschulden bedrohlich angestiegen. Der republikanische Präsident machte nicht nur Ende 2008 Milliarden locker, um die Banken vor dem Zusammenbruch zu retten. Er erhöhte zudem die Ausgaben bei Bildungsprogrammen für Einwandererkinder.
In der durch die Tea Party radikalisierten Republikanische Partei des Jahres 2012 würde so etwas niemals mehr toleriert. Deshalb ist auch das einzige mit dem Namen Bush verbundene Erbe die von seiner Regierung beschlossenen Steuersenkungen. Die Republikaner kämpfen hart darum, die so genannten „Bush Tax Cuts“, die Ende des Jahres auslaufen, um jeden Preis zu verlängern. Und Bush damit doch noch wenigstens ein bisschen Ruhm zu lassen.
