Das versteht doch keiner

Niedersachse? Wahlberechtigt? Und noch unentschlossen, an welcher Stelle am Sonntag das eigene Kreuzchen ein gutes Gefühl bereitet? Dann könnte ein Blick in die Programme von CDU, SPD und Co die Wahlentscheidung erleichtern. Nicht so in Niedersachsen, sagen die Kommunikationswissenschaftler der Universität Hohenheim, die die verschiedenen politischen Leitlinien untersucht haben. Ihr Fazit: Fremdwörter, Anglizismen und überlange Sätze machen die Texte zur Lesequal, die Wahlprogramme der Parteien zur niedersächsischen Landtagswahl seien teilweise kaum verständlicher als eine Doktorarbeit. Kleiner Trost: Nur die Programme zur Europawahl 2009 waren “noch unverständlicher” als die aktuellen Fassungen.

“Da muss man sich nicht wundern, wenn Politik als bürgerfern, unverständlich und intransparent gilt”, sagt der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider.

Die schlechteste Note gibt es für die Grünen: Deren Wahlprogramm sei mit 172 Seiten nicht nur das längste, sondern gleichzeitig auch das unverständlichste, erklären die Forscher, die sich an Fachbegriffen wie “Teilleistungsstörungen” und “Pilot-Konditionierungsanlage” stören. Hinzu kommen wenig gebräuchliche Anglizismen wie “Screenwork”, “Post Oil City” oder “Gender Pay Gap”. Überdies sparen die Grünen nicht mit überlangen Sätzen.

Das dogmatischste Programm legt die Linkspartei vor. Wörter wie “immer”, “nie”, “ausschließlich” oder “müssen” fanden die Forscher bei den Linken vergleichsweise häufig. Die Linken lösen damit die CDU von ihrem ersten Platz bei der letzten Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen ab, heißt es in der Studie. Dafür weist das Programm der CDU in Niedersachsen den geringsten Dogmatismusgrad auf.

Doch gibt es Hoffnung für alle unentschlossenen Niedersachen. Die Kurzfassungen der Programme, die als Flyer den Leuten an den Wahlständen gerne in die Hand gedrückt werden, seien akzeptabel. Außerdem gibt es noch ein paar Besonderheiten: So hat die CDU eine plattdeutsche Version ihres Programms veröffentlicht: So maken wi dat. Regerensprogramm 2013-2018 van de CDU in Nedersassen.Plattdeutsch.

Und die Piraten denken auch an die Menschen, die lieber zuhören anstatt selbst zu lesen. So gibt es ihr Parteiprogramm als Hörbuch. Wenn schon unverständlich, dann wenigstens bequem.

 

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Alle Kommentare [2]

  1. Sind da auch einer “Werbebroschüre” für das Produkt TextLab aufgesessen. Wenig verwunderlich ist es dann auch, dass eine Maschine menschliche Sprache kaum versteht. Nur ein Beispiel:

    So wird z.B. die Tonalität der Programme beim Thema Energiepolitik miteinander verglichen und festgestellt, dass es bei der CDU und SPD eine durchweg positive und bei den Grünen eine durchweg negative Tonalität gibt. Wundern tut das nur diejenigen, die die letzten Jahrzehnte hinter dem Mond zugebracht haben – oder eben dumme Maschinen, die die Texte inhaltlich nicht verstehen können. Alle anderen wissen, dass es zwischen diesen Parteien genau in dieser Frage ein tiefer Graben existiert und dass die einen seit Jahrzehnten die Energiepolitik, zu der im Wesentlichen Atomkraftwerke und Kohlekraftwerke gehören, schönreden und die anderen ihre Existenz gerade der notwendigen Kritik an der Politik der anderen verdanken. Es ist dann wenig verblüffend, wenn das dann auch in der Tonalität ihren Ausdruck findet.

    • Interessanter Hinweis auf das Produkt TextLab. Wobei ich dem Aspekt über die Tonalität garnicht solch eine Bedeutung zusprechen würde. Ob negativ oder positiv – gut und nachvollziehbar begründet sollte die Haltung sein.