Auf ein Bier mit dem Spitzenkandidaten

Lust auf ein Bier mit Bundeskanzlerin Angela Merkel?

Oder doch lieber auf ein Glas mit Peer Steinbrück?

Würde Sie mit Angela Merkel (CDU) ein Bier trinken gehen wollen? Oder doch lieber auf ein Glas mit Peer Steinbrück (SPD)? Unwahrscheinlich, dass das passiert, denken Sie? Ja, mag sein. Und trotzdem könnte das Gedankenspiel entscheidend für die Frage sein, wer die Bundestagswahl 2013 gewinnen wird.Früher zählten das soziale Lager der Eltern und ihre Verwurzelung in Partei, Kirche und Gewerkschaft bei der Wahlentscheidung, sagt Jürgen Falter, Parteienforscher an der Uni Mainz. Dazu kamen Faktoren wie die Lebenssituationen, Einkommen und die persönliche Umgebung, also die Meinung von Freunden und Kollegen. War man einmal festgelegt, blieb man der Partei treu.

Das war, wie gesagt, früher. Heute verlieren Parteien, Kirchen und Gewerkschaften immer mehr Mitglieder. „Gleichzeitig sind die Menschen politisch so informiert wie noch nie“, sagt Falter. Er nennt es auch „politische Bildungskompetenz“. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf die Wahlen 2013.

„Wahlen werden unberechenbarer“, sagt Falter. Ob nun große Koalition, Ampel oder Schwarz-Grün: Alles ist denkbar. Wer früher als CDU/CSU-Anhänger mit Adenauer nicht zufrieden war, der wäre trotzdem nie auf die Idee gekommen, der CDU den Rücken zu kehren. Der Partei bleib er treu – Adenauer hin oder her.

Heute fühlt sich der Wähler nicht mehr derart verpflichtet, seine Entscheidungen sind sprunghafter. Ausschlaggebend ist die jeweilige Lebenssituation des Wählers und welche Partei dazu gerade am besten passt. Außerdem zählen Image, Kompetenz und Vertrauen in den jeweiligen Spitzenkandidaten. Passt das dem Wähler nicht mehr, wendet er sich ab – ein Wechsel eines CDU-Wählers zur SPD oder zu den Grünen ist kein Problem.

Das macht den Spitzenkandidat für den Wahlerfolg einer Partei so wichtig wie nie. Er steht und fällt mit dem Faktor Sympathie. Und damit wären wir zurück beim Bier. Denn mit demjenigen, mit dem man durchaus – wenn auch nur in der Theorie – einen Trinken gehen würden, der hat weit größere Chancen auf die Stimmen der Wähler.

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