Blogstöckchen ist bei uns gelandet

Eine alte Tradition von Blogs ist etwas eingeschlafen: Das Blogstöckchen, ein Fragebogen der unter Bloggern weitergereicht wird und so möglichst verschiedene Antworten zu einem Thema zeigt. Zur Bundestagswahl hat Dirk von Gehlen, Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung und SZ-Blogger auf der Phänomeme-Seite, die Tradition wieder aufleben lassen. Phänomeme hat sechs kurze Fragen gestellt und gleich selbst beantwortet.

Nach der Stuttgarter Zeitung, der Süddeutschen Zeitung und dem Deutschlandfunk ist das Stöckchen nun bei uns gelandet. Jonas Jansen hat die Fragen beantwortet.

Zahmer Schlagabtausch in Bayern

TV-Duell Seehofer und Ude

Horst Seehofer und Chrstian Ude in Duell.

„Nein, bei der Kanzlerin bedankte ich mich nicht“, sagt Christian Ude. „Aber bei Ihnen, Herr Seehhofer.“ Es geht mal wieder um die Maut als Wahlkampfthema. Dieses Mal eben im Bayern-Wahlkampf. Drei Tage nach dem großen Duell in Berlin treffen Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und der Herausforderer von der SPD im Fernsehen aufeinander. Auch dieses Mal stehen die Positionen fest. Seehofer: „Die Maut muss kommen, wird kommen, das ist eine Frage der Gerechtigkeit.“ Egal, was die Kanzlerin sagt. Ude kontert und nennt das Ganze ein „Hirngespinst.“

Ansonsten aber streiten die beiden Kontrahenten nicht wirklich, wenigstens nicht, wenn es um Themen auf Landesebene geht. Vielleicht noch beim Thema Schule: Ude wirft Seehofer vor, er habe für Chaos gesorgt, weil das Abitur nach acht Jahren Gymnasium viel zu schnell durchgeprügelt worden sei. Er hingegen sei für eine Wahlmöglichkeit der Eltern und Schüler zwischen G8 und G9 (also acht oder neuen Jahren Gymnasium) von vornherein. Seehofer kann da nicht kontern.

Vielleicht auch noch beim Thema Ganztagsschule und Kinderbetreuung. Seehofer betont immer wieder: Jeder dritte Euro fließe in das Bildungssystem. Auch wenn es um die Frage der Chancengleichheit geht, führt er wieder die Investitionen an. Steilvorlage für Ude, der mit dem Thema punkten kann.

Doch meistens streiten sich die beiden über Bundesthemen: Mindestlohn, Betreuungsgeld, Energiewende. Man merkt, es geht hier nicht nur um Bayern. Ganz amüsant: Mehrmals reden einfach alle durcheinander – minutenlang, Ude, Seehofer und der Moderator Sigmund Gottlieb. Wie im Klassenzimmer, wenn der Lehrer nicht da ist. Zu verstehen ist dann nichts mehr.

Doch selbst, wenn die Kontrahenten streiten, gehen sie noch freundlich miteinander um. Seehofer lobt Udes Pragmatismus, der wiederum die gute Umgänglichkeit mit dem Ministerpräsidenten und sagt: Es sei ein Duell ohne giftige Worte und kläffenden Tonfall. Ganz schön brav für eine Streitegespräch. Wäre da nicht die München-Bayern-Posse. Natürlich betont Ude, wie erfolgreich er seit 20 Jahren Bayern regiert. Und Seehofer betont, er führe immerhin erfolgreich ganz Bayern. Da gibt es dann schon Gerangel.

 

Trotzdem, zum Schluss ist es ein eher zahmes Duell der beiden Kontrahenten. Seehofer wirkt müde und ein wenig unmotiviert, so gar nicht in Angriffsstimmung. Ude ist zwar wacher, aber trotzdem brav. Auch wenn er weniger Redezeit bekommt als Seehofer, das Duell gewinnt er trotzdem.

Peer Steinbrück; erst erfrischend, dann beleidigt

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steonbrück im Sommerinterview: "Eine etwas fairere Betrachtung hätte ich mir schon gewünscht.“

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück im Sommerinterview: “Eine etwas fairere Betrachtung hätte ich mir schon gewünscht.“

Wie glaubwürdig sind Sie, Herr Steinbrück, wo Sie doch alle Griechenland-Maßnahmen mit großem Pathos mitgetragen haben? „Das haben wir aus einer gesamteuropäischen Sichtweise getan.“ Warum sagen Sie nicht, was uns die Rettung Griechenlands kostet? „Das kann Ihnen keiner in Euro und Cent ausrechnen.“ Ein zweiter Schuldenschnitt? „Das ist einer der wenigen Bereiche, bei denen ich sage: Vorsicht an der Bahnsteigkante.“ Ein SPD-Plakat mit dem Motto: Keine Milliarden mehr für Griechenland? „Das würde ich nie versprechen.“

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Langweilig, langweiliger, Seehofer

ARD-Sommerinterview mit Seehofer

Horst Seehofer: Bayerns Ministerpräsident gibt sich gelassen im Sommerinterview.

Hans Peter Friedrich? Ja, ihm bescheinigt Seehofer prompt, dass er auch der neue Innenminister werden wird – NSA-Affäre hin oder. Auch in andere Punkten legt sich Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer im Sommerinterview fest. Zum Beispiel in Sachen PKW-Maut oder Länderfinanzausgleich. Und schiebt hinterher: Das sei alles nichts Neues.

Da hat er Recht. Die Unzufriedenheit der CSU mit dem Länderfinanzausgleich – „ein bescheuertes System dürfen wir nicht in die Zukunft tragen“ – ist ein alter Hut. Dass die CDU eine PKW-Maut für Autofahrer aus dem Ausland fordert, kommt immer mal wieder auf den Tisch – vor allem in Wahlkampfzeiten. Da hilft auch nicht die Frage, ob die PKW-Maut als Bedingung für eine weitere Koalition nicht „politische Erpressung“ sei.

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Nirgendwo Merkel

18-1_1ste-welle_stabiler_euroAnläßlich der Vorstellung der ersten SPD-Plakate für die Bundestagswahl titelten wir vergangene Woche “Überall Merkel”. Das Motto der CDU-Pakate lässt sich mit den Worten “Nirgendwo Merkel” zusammenfassen.

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Überall Merkel

plakat13_merkel_neuland_835x1181Merkel und ihre Handtaschen sind schon fast legendär. Nun hat sich die SPD dem Accessoire der Bundeskanzlerin gewidmet – und zwar in Form eines Wahlplakates: Heute stellte die Partei ihre Wahlplakate für die Bundestagswahl vor. Man sehe und staune: Auf ihnen ist vor allem die Bundeskanzlerin zu sehen.

Auf diesem einen speziellen schaut Merkel suchend in ihre Handtasche. Was ist es nur? Die SPD hat eine eindeutige Antwort; „Privatsphäre: Neuland für Merkel“ – und spielt damit auf die Abhör-Affäre und die Beschwichtigung aus der Regierungsecke an.

Das Plakat kommt ziemlich gut daher. Und trotzdem: Dass Merkel von Wahlplakaten blickt, damit muss man sich kurz vor der Bundestagswahl abfinden. Dass jedoch die Opposition vor allem auf Merkel setzt, ist schon etwas merkwürdig. Vor allem, wenn die Sozialdemokraten ihren eigenen Spitzenkandidat Steinbrück (bisher) nicht als Werbefigur auf Papier benutzen.

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Merkel mimt die Ahnungslose

Angela Merkel auf der Terrasse vor dem Bundestag.

Die Kanzlerin trägt schwarz. In dunklem Blazer erscheint Angela Merkel zum überhaupt nicht so sommerlich-entspannt geführten Sommerinterview der ARD. Auf der Terrasse des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses beginnt das 19-minütige Kreuzverhör unvermittelt. Begrüßungsfloskeln? Unnötig, finden die Moderatoren Ulrich Deppendorf und Rainald Becker und gehen gleich in die Vollen. Thema: Der Abhörskandal und die Folgen.

Es verunsichert die Kanzlerin sichtlich, auf ein Feld gezerrt zu werden, auf dem sie fremdelt. Die Vorwürfe wiegen schwer: Amtseid gebrochen, keinen Schaden vom deutschen Volk abgehalten, von den USA vorgeführt. Und Merkel?

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„Man kann auch mit dem Kopf Tore schießen“

Brüderle beim ARD-Sommerinterview.

Brüderle im Sommerinterview

 

Von seinen Krücken ist nichts zu sehen, als Rainer Brüderle in die Kamera lächelt. Wegen seines schweren Unfalls findet das Sommerinterview mit ihm nicht in Berlin, sondern in Mainz statt.

Brüderle ist etwas heiser, ansonsten gibt er sich im Gespräch mit den ARD-Moderatoren Ulrich Deppendorf und Rainald Becker angriffslustig. „Man kann auch mit dem Kopf Tore schießen“, kontert er ihre Frage, wer nun für die FDP ins Tor treffen solle, wo er als Stürmer ausfalle.

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Im Notfall hilft nur noch Freibier

Voller Selbstbewusstsein ist Joachim Schiller vor den Bundeswahlausschuss getreten. Vor knapp drei Jahren gründete er die Die Gerade Partei, es sollte seine erste große Wahl werden. „Wir wollen etwas bewegen. Also fangen wir direkt beim Bundestag an“, sagte Schiller vor der Abfahrt nach Berlin. Nur nicht zu klein stapeln.

Doch Bundeswahlleiter Roderich Egeler verpasste Schillers Ambitionen ein herben Dämpfer. Die Bundestagswahl 2013 wird ohne Die Gerade Partei ablaufen, ihr wurde die Anerkennung verweigert. Insgesamt 64 Parteien und Vereinigungen – neun mehr als noch vor vier Jahren – wollten an der Bundestagswahl teilnehmen. 38 Parteien nahmen nun die erste Hürde.

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Warum Brüderle das Denken sein lassen sollte

Sturm

Die Nummer 9 gibt es für Sturmspitze Brüderle

Es gibt ein Forum, das nennt sich Trainertalk. Dort können sich verzweifelte Übungsleiter mit Fragen wie “Was mache ich, wenn mein Stürmer nicht mehr trifft?” an die Kollegen wenden. Auch die FDP hat eine Sturmspitze, die in den Strafräumen der politischen Gegner derzeit wenig Schrecken verbreitet und dem Spiel auf Berliner Bühne seit Wochen nicht mehr seinen Stempel aufdrückt: Rainer Brüderle. Dabei hatte Parteichef Philipp Rösler in diesem Frühjahr die Rollen in der FDP-Wahlkampfmannschaft eindeutig zugewiesen: “Kapitän ist der Parteivorsitzende. Sturmspitze ist der Spitzenmann, der vorne Tore schießen soll.”

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