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Körper in der Politik

Jakob Augstein schreibt über den Schmerzensmann Wolfgang Schäuble.

"Im Amt wurde er krankgeschossen. Die Politik ist also die Ursache seines Schmerzes. Jetzt lässt er sie nicht los und klammert am Amt. Aber die Politik bringt keine Erlösung, weil in ihr kein Platz (mehr) für den Schmerz ist und auch keiner für den Körper."

Natürlich hat die Politik Platz für Körper (viele).

Das wissen als erste die Karikaturisten. Wenn Politiker versuchen, den müden Esel Körper abzustreifen, wird es fatal. Es gibt viele Anzeichen für die abwegige Sehnsucht danach, den Körper abzustreifen. Die Lotuseffekt-Kommunikation, an der alles abperlt, zum Beispiel.

Was sagte Heide Simonis über lange Sitzungen? Aus dem Sprechen der Politiker über ihre Körper entsteht eine Idee von Ballast, Vorschein einer mentalen Panzerung, Selbstzurichtung der Politikerkörper. Oder denken wir an die Geheimnistuerei um die Erkrankungen Georges Pompidous und François Mitterrands.

Schmerzensmann Schäuble rollt den Körper zurück in die Arena. Als Gelähmter. Das macht ihn, weitab vom Zynismus und dem Schmerzenslächeln, zum Gegenbild, wider Willen,  zur körperlosen Politik.

Auch Steinmeiers Nierenspende gab eine Ahnung von der Sehnsucht nach Körper in der Politik. Offenbar geht das bis auf Weiteres nur durch Verlust. Das rubbing shoulders, die Suche nach körperlicher Nähe, hat einem Außenseiter den Weg ins Weiße Haus gebahnt. Sein Nachfolger ist verschrien als verkopft. Aber die Photos, die ihn beim bodysurfing zeigen, sprechen eine andere Sprache. Sie erzählen von Körperbeherrschung.

Das Entgleisen ist im politischen Rollenrepertoire nicht vorgesehen. Das macht es umso wahrscheinlicher.