Die Debatte über die Rede des Bundespräsidenten am 3. Oktober verfehlt das Thema. Das liegt auch daran, dass der Redner in der viel kritisierten Passage über Christentum, Judentum und Islam zu einem Verb greift, das undeutlicher schillert, als es den Anschein hat.
Christian Wulff gebraucht das Verb in drei Passagen der Rede:
"Es ist die Erinnerung an unsere gemeinsame Geschichte. Zu ihr gehört, dass wir an alle denken, die diese Einheit möglich machten. (…) Denn die Zukunft, davon bin ich felsenfest überzeugt, gehört den Nationen, die offen sind für kulturelle Vielfalt, für neue Ideen und für die Auseinandersetzung mit Fremden und Fremdem. (…) Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland."
Übergehen wir die Befangenheit des Redners, die Intonation, den Vortrag. Da zeigt Wulff sich dem Vorgänger ebenbürtig. Der Jurist aus der Stadt an der Hase fördert Missverständnisse nicht, weil er so undeutlich ausspricht, sondern weil er das Wort "gehören" erst ordnend, dann in nicht einklagbarem eigentumsrechtlichen sowie schließlich in anordnendem Sinn gebraucht.

