Artikel mit dem Tag: Horst Köhler

Sinn und Unsinn des Gehörens

Die Debatte über die Rede des Bundespräsidenten am 3. Oktober verfehlt das Thema. Das liegt auch daran, dass der Redner in der viel kritisierten Passage über Christentum, Judentum und Islam zu einem Verb greift, das undeutlicher schillert, als es den Anschein hat.

Christian Wulff gebraucht das Verb in drei Passagen der Rede:

"Es ist die Erinnerung an unsere gemeinsame Geschichte. Zu ihr gehört, dass wir an alle denken, die diese Einheit möglich machten. (…)  Denn die Zukunft, davon bin ich felsenfest überzeugt, gehört den Nationen, die offen sind für kulturelle Vielfalt, für neue Ideen und für die Auseinandersetzung mit Fremden und Fremdem. (…) Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland."

Übergehen wir die Befangenheit des Redners, die Intonation, den Vortrag. Da zeigt Wulff sich dem Vorgänger ebenbürtig. Der Jurist aus der Stadt an der Hase fördert Missverständnisse nicht, weil er so undeutlich ausspricht, sondern weil er das Wort "gehören" erst ordnend, dann in nicht einklagbarem eigentumsrechtlichen sowie schließlich in anordnendem Sinn gebraucht.

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Angela Merkels Erinnerungen an die Zukunft

Auf Murmeltiere ansitzen. Nach Gemsen spähen. Abends mit Joachim Sauer Herrn Putin nachäffen. Dann zurück zur Sommerlektüre: der Stalin-Biographie. Das müssen unterhaltsame Tage im Gebirg gewesen sein. Die Seele vom Machthaben baumeln und die Fassaden Fassaden sein lassen.

Zurückgekehrt aus dem Gebirg ist kein anderer Mensch, keine andere Kanzlerin, sondern die gleiche, die sie immer schon war. » Weiterlesen

Uns Frösche kochen?

Diese Nachricht hat ein paar Tage geschmort. Heute lieferte Paul Krugman das Schlüsselwort und Bild dafür, die Situation einzuordnen.

In ihrem Mai-Bericht versteckt die Europäische Zentralbank in der sklerotischen Sprache avancierter Bürokratien (offenkundig aus dem Französischen übersetzt) die Nachricht, dass wir noch einmal davon gekommen sind.

Bei welcher Temperatur schmoren wir Frösche vor uns hin? Welche Ex&Hopp-Optionen bleiben? » Weiterlesen

Rettung nicht in Sicht

Der Verfasser ist nach wie vor als Trainer auf Bildungsreise. Gleich gehts weiter nach Sachsen. Am Freitag gute Diskussionen mit Studierenden in Bremen.

Es gibt ein paar Themen auf Wiedervorlage, die ich nur im Vorübergehen antippen kann – und die anderswo bereits bis über die Erschöpfung hinaus breitgetreten worden sind.

Das dlf-Interview des Bundespräsidenten hat eine Erregungskurve ausgelöst, die einen erstaunlichen Verlauf genommen hat. » Weiterlesen

Miteinander ???

Der Festakt zum Wechsel im Amt des Präsidenten ist beim Bundesverfassungsgericht mehr als nur ein Protokolltermin für die Verfassungsorgane der Republik. Die Gelegenheit scheint wie geschaffen dafür, abseits von Protokoll und Geschäftsgängen eine Botschaft zu überbringen (oder gut zu verstecken), für die die Routinen keinen Platz lassen.

Die vakuumierte Sprache der Bundeskanzlerin (den Ball flach halten!) besitzt nicht die Ambivalenz des Orakels von Delphi. Dazu müsste sie, undenkbar, den Redestil von Willy Brandt erlernen. Dennoch hat Angela Merkel am Freitag » Weiterlesen