Der Belagerungsring um die demokratischen Senatoren zieht sich zusammen. Am Dienstag durften sie ihren Lunch mit Bill Clinton einnehmen. Wir können uns das als übergroße Freude auf beiden Seiten vorstellen. Die Beratung über die Gesundheitsreform entwickelt sich zu einer Lehrstunde über die Gefahr demokratischen Scheiterns – mit einer überraschenden Wende.
Denn nun hat Robert Reich, Clintons Freund und früherer Arbeitsminister, nachgelegt. Sein Blog (s. Blogroll) bietet instruktive Lektüre. Der neueste Beitrag ist ein offener Brief an den demokratischen Mehrheitsführer im Senat. Der Tonfall im ersten Absatz könnte daran zweifeln lassen, dass Harry Reid diesen Brief bis zum Ende gelesen hat. Er sollte ihn lesen. Denn er enthält ein politisches Rezept, das wir auch als kühne politische chutzpe begreifen können.
Die Dramaturgie ist stimmig. Erst der rhetorisch und advokatorisch kraft seines damaligen Scheiterns überzeugende Präsident, dann sein Stratege, Freund und Vordenker. Robert Reichs Rat: Gebt euch nicht mit einer zaghaften public option zufrieden. Sie erreicht kein einziges Ziel. Setzt ihr aber auf einen kräftigen Hebel, dann hat das segensreiche Wirkungen auf die Haushaltsdefizite. (Sie schmelzen wie Eisbänke – 1.500 Kubikkilometer sind schon weg).
Reich zeigt mit dem Zaunpfahl auf die Geschäftsordnung des Senats: Wenn ihr wegen Senator Liebermans Drohung mit dem Filibuster nicht weiterkommt, dann erinnert euch daran, dass ihr bei budgetrelevanten Entscheidungen mit einer einfachen Mehrheit erreichen könnt, worum es geht.
Es passt ins Bild der politischen Landkarte des nächsten Jahres: Mit seiner State of the Union Rede wird Barack Obama den Schwerpunkt seiner Politik auf die Schaffung neuer Jobs und den Abbau des Haushaltsdefizits legen.

