
Wer diesen Blog liest, kann die informative Wertschöpfung mit der Frist bemessen, die zwischen dem Veröffentlichungsdatum einzelner Beiträge und den ersten Stimmen zum Thema in den deutschen Printmedien liegt.
Im ersten Fall, dem seltsamen Gebaren des Bundesverteidigungsministers, konnte man hier lesen, was der Spiegel in seiner heutigen Druckausgabe andeutet: Der Minister zog es vor, schneidig zu formulieren, statt Akten zu fressen. Profunde Unkenntnis wichtiger Details lässt sich nicht dadurch aus dem Weg räumen, dass man ein paar Leute in den Ruhestand versetzt. Man hätte schon früher, auch als Leser dieses Blogs, eine Ahnung davon gewinnen können, wie dieser Mann seine Aufgaben wahrnimmt.
Karl-Theodor zu Guttenberg hatte alle Gelegenheiten der Welt (und so viel Zeit), sich an dem einen oder anderen Vorbild ein Beispiel zu nehmen. Etwa an Bundeskanzlerin Angela Merkels Photo vor den Eisbergen. Wer weiß, mit welcher Sorgfalt die frühere Pressesprecherin Photos arrangiert (gehen Sie aus der Latüchte!), konnte in diesem Eisberg-Arrangement viel lesen.
Warum suchte zu Guttenberg das Photomotiv des Dinosauriers? Was ist das für ein Held, der den Eindruck des Bezwingers auf musealem Aas erweckt? Was sagt diese Regression in die Vorgeschichte? Fukuyama gelesen und nicht verstanden? Zu Guttenberg hat zum falschen Zeitpunkt definitiv zu wenig gelesen – und dafür andere verantwortlich gemacht.
Dieser Phoenix hat den Sinkflug angetreten.
Das zweite Thema habe ich hier vor über drei Wochen angesprochen. Dass nun der engste Verbündete der Bundesrepublik ausspricht, was anderswo die Spatzen zwar nicht von den Dächern zwitschern, aber inzwischen bei einer guten Hundertschaft von renommierten Ökonomen als Basiswissen gilt, zerschießt das Drehbuch der Bundeskanzlerin, stärker aus der Krise heraus zu kommen, als das Land hinein gegangen ist. Zurück marsch marsch in das zerschossene Hemdchen des Exportweltmeisters geht nicht. Da machen die anderen nicht mehr mit. Es wurde schon öfters darüber lamentiert, dass Deutschland zu wenig dafür tut, den strategischen Dialog über die eigenen politischen Optionen zu suchen – und zu führen. Das Versäumnis fällt auf die Inhaberin der Richtlinienkompetenz zurück. In welche Richtung gehts denn nun? Wenn man die Zeichen richtig deutet und sich daran erinnert, wann die letzte Bundesregierung an der FDP zerbrochen ist, dann läuft der count down für eine Neuauflage einer Großen Koalition im Mai ab.
Das wäre so, als ob Felix Dahn das Drehbuch für den Untergang geschrieben hätte. Und führt zum dritten Thema, das hier vor vier Wochen bereits angesprochen wurde. Heute stellt die FAZ auf ihrer ersten Seite "Fragen an Westerwelle". Der Kommentar von Peter Carstens endet mit der Frage der FDP: "Was wird aus uns mit Westerwelle?"
Was hat das mit Felix Dahn zu tun? Der grauenhafte Schinken "Ein Kampf um Rom" steht Pate. Die FDP versenkt sich zwar nicht in den Vesuv, aber wenn auf zunehmenden Druck durch einzelne Bundesländer die Frage auf die Tagesordnung kommt, wie für das Jahr 2011 der Sparkurs eingeschlagen wird, dann ist die Zerreißprobe da – und Guido Westerwelle wickelt erst die Wunschkoalition und dann sich selbst ab.
Welcher Teufel hat Guido Westerwelle die Eingebung nahegelegt, auf dem Landesparteitag der NRW-FDP zu sagen: "Ihr kauft mir den Schneid nicht ab"? Eine Bismarckrede kommt in Erinnerung. Bismarck ist ein seltsamer Pate für liberale Politiker. Aber dieses Missverständnis ist ausgeräumt. Um ein Zitat von Guido Westerwelle zu adaptieren: Er ist weder blöd – noch liberal. Bismarck sagte: "Gerade weil uns Deutschen der rechte Schneid so ungemein nöthig ist, dürfen wir ihn nicht durch massenhafte Verfälschung im Preise sinken lassen."
Ist alles also nur eine Frage des Preises? Dann weiß Westerwelle die Antwort darauf selbst.