Artikel zum Thema: Pop

Auferstehung verschoben – bis auf weiteres


Am Dienstag hielt der community organizer in chief, wie angekündigt, in der Georgetown University eine Rede zur wirtschaftlichen Lage der Nation. Wer diesen Blog regelmäßig liest, findet in der Rede kaum etwas Neues. Redenschreiber Jon Favreau (Fav) hat nach dem Ökonomiegipfel am Karfreitag über die Ostertage copy and paste gespielt. Trotzdem lohnt es sich, auf einige Details einzugehen.

Obama bleibt auf dem Weg in eine Neue Welt. Seine Rede folgt dem bewährten Muster der drei Fragen – wo kommen wir her, wo stehen wir, wo wollen wir hin? Fav hat es auch schon schärfer formuliert, aber zitieren wir trotzdem diesen Satz: It was caused by a perfect storm of irresponsibility and poor decision-making that stretched from Wall Street to Washington to Main Street. Professor Obama gibt den Georgetown Studenten eine schnelle Zusammenfassung, was zur Krise geführt hat. Schön der kurze Satz, der das Platzen der Blase auf den Punkt bringt: Greed gave way to fear. Das ist ein Rhythmus, wo man nicht mit muss.

Das Schmerzzentrum der Rede dient dazu, die amerikanische Öffentlichkeit verhalten darauf vorzubereiten, dass es schlimmer werden kann, dass die Krise noch nicht ihren Boden erreicht hat, dass es harter und unpopulärer Entscheidungen bedarf. Auf dem Weg in eine auf Fels gebaute Neue Welt rechnet Obama endlich auch mit seinen Kritikern ab und macht deutlich, dass das Konjunkturpaket, die Gesundheitsreform, die grüne Energiepolitik, Investitionen in Bildung, konsequente Regulierung der Finanzmärkte und eine solide Haushaltspolitik für ihn zusammen gehören, wenn man nicht auch in Zukunft auf Sand bauen wolle.

Das gibt schließlich das Stichwort dazu, die Schwäche des amerikanischen politischen Systems zu adressieren: But we also arrived here because of a fundamental weakness in our political system. For too long, too many in Washington put off hard decisions for some other time on some other day. There’s been a tendency to score political points instead of rolling up sleeves to solve real problems. There is also an impatience that characterizes this town – an attention span that has only grown shorter with the twenty-four hour news cycle, and insists on instant gratification in the form of immediate results or higher poll numbers. When a crisis hits, there’s all too often a lurch from shock to trance, with everyone responding to the tempest of the moment until the furor has died away and the media coverage has moved on, instead of confronting the major challenges that will shape our future in a sustained and focused way.

Obamas Botschaft lautet: Ärmel aufkrempeln und anpacken, Nachrichtenzyklus machen, nicht fürchten, zarten Hoffnungsschimmer nicht verwechseln mit Auferstehung. Die findet später statt. Dann aber winken wirklich bessere Zeiten: There is no doubt that times are still tough. By no means are we out of the woods just yet. But from where we stand, for the very first time, we are beginning to see glimmers of hope. And beyond that, way off in the distance, we can see a vision of an America’s future that is far different than our troubled economic past. It’s an America teeming with new industry and commerce; humming with new energy and discoveries that light the world once more. A place where anyone from anywhere with a good idea or the will to work can live the dream they’ve heard so much about.

Die Resonanz auf die Rede ist verhalten freundlich. Überrascht hat sie niemanden. Interessant die beiläufige Nachricht in einem Blog der Washington Post, dass Obama am Vorabend Grateful Dead im Weißen Haus empfing. Die Chicago Boys und diese Band verbindet mehr, als der Wahlkampf gezeigt hat. Grateful Dead haben Kultur- und Freiheitsgeschichte geschrieben. Pop ist wie die politische Rhetorik für den bodysurfer aus Chicago nicht Fassade, nicht weiße Tünche, sondern Energiekraftwerk, Intelligenzfutter, Quelle für short cuts, packende Einsichten. Kein Wunder, dass Bob Dylan Obama verehrt, weil er Gefühl und Verstand zusammenbringt.