Artikel zum Thema: Metaphernschule

Schlechte Metaphern sorgen für schlechte Politik

Wer hätte das gedacht? Paul Krugman beschenkt den Rhetorik-Blogger mit einem Zitat, das ein Leitmotiv meiner Arbeit sein könnte:

And bad metaphors make for bad policy.

Was sind die schlechtesten politischen Metaphern dieses Jahres? Ohne Anspruch auf Vollständigkeit fange ich an mit der schwäbischen Hausfrau, den Defizitsündern und der Schuldenbremse.

Schlechte Metaphern sorgen nicht nur für schlechte Politik. Sie sind auch Symptome für schlechtes Denken, verbergen und offenbaren Webfehler der Politik. Einer schlechten Metapher nachgehen heißt, sie als Symptom so lange ernst zu nehmen, bis das dahinter lauernde Syndrom in voller Hässlichkeit in den Blick gelangt. Daher mein Dank an Paul Krugman. You made my day. » Weiterlesen

Metaphernschule: Die Pandora-Büchse

Metaphern sind gefährlich, zumal die ältesten. Wer sich an ihnen vergreift, offenbart rhetorisch mehr, als ihm lieb sein kann. Dann ertönt aus dem Missbrauch des gefährlichen Bildes die Wahrheit selbst.

So könnten wir den US-Senator Lindsey Graham verstehen, der nach Auskunft von Prospect am 6. November in Halifax zur viel beschworenen Gefahr einer nuklearen Aufrüstung des Iran sagte:

"If you take military action, you do open up Pandora’s box. But if you let them get a weapon, you empty Pandora’s box."

Das Bild der Pandora-Statue John Gibsons aus dem Victoria und Albert Museum ist von Yair Haklai und steht unter einer Creative Commons Lizenz. » Weiterlesen

Metaphernschule: Der Herbst der Patriarchin

Der Roman von Gabriel García Márquez  "Der Herbst des Patriarchen" hat Pate gestanden für die politische Schaumgeburt dieses deutschen Herbstes. Er werde der "Herbst der Entscheidungen" sein, tönen die schwarzgelben Posaunen.

Was für eine Kreation. Was für ein Unfug. Was für ein metaphorisches Desaster.

Haben Sie den Roman gelesen? Ein schwerer Brocken. Eines Tages wird der Diktator tot aufgefunden. Sein Alter zu diesem Zeitpunkt 107, vielleicht sogar 232 Jahre. Er hat seinen Tod zu Lebzeiten schon einmal vorgetäuscht. Jetzt gibt es keinen Zweifel mehr. Der Mann hat das Land in den Bankrott geführt.  Am Ende wird sogar das Karibische Meer verkauft und in Kisten abtransportiert. Ein wilder Reigen eines wilden Lebens entfaltet sich, aus wechselnder Perspektive erzählt. » Weiterlesen

Metaphernschule: Geistige Achse

"Ich rechne mit einer klaren Mehrheit für Wulff in der Bundesversammlung. Wulff ist ein Mann, der für die Bürger da ist und zugleich weiß, welche geistige Achse unsere Republik braucht."

Guido Westerwelles Worte dokumentieren den druckvoll dekorativen Drang dieses Denkers, den Dingen nicht allzu sehr auf den Grund zu gehen. Die Aussage bewegt sich, anders als man von dem Liberalen gewohnt ist, in einer Domäne, die sonst eher von Linken okkupiert wird: dem weiten Reich der Utopie. Was die Republik braucht (beim Rheinländer gilt der Konjunktiv immer als mitgedacht), also bräuchte, hat sie noch nicht. » Weiterlesen

Metaphernschule: Ruhe im Karton

Bundesinnenminister Thomas de Maizière ist ein überaus besonnener Mann. Sein Stil-Ziel ist es, die Ruhe selbst zu verkörpern. Nüchtern, trocken, zurückhaltend, beutepreußisch, korrekt, um nicht zu sagen: aus Vorsatz und bedacht langweilig. Er wirkt so, als hätte Max Weber seinen Essay über "Politik als Beruf" ihm auf den Leib geschrieben.

Um so erstaunlicher, dass de Maizière am Ende jener Nacht, in welcher der Euro gerettet wurde, zu einer überaus bildhaften Sprache fand. "Die hohe Summe von insgesamt 500 Milliarden dient dazu, » Weiterlesen