Artikel zum Thema: Klimaschutz

Fundsachen

Der Sommer versetzt den Blogger ins Brüten. Heraus kommt das eine und das andere. Auf dem Weg dahin hier einige Hinweise auf Lesefrüchte, die sich als nützlich erweisen könnten.

Bilbo analysiert in seinem Blog eine Goldman Sachs-Studie: Why is the Economy so weak? What can policy do?

But the bottom line of the paper is that the US is likely to have to endure on-going and massive employment gaps (below potential) for years because the US government is failing to exercise leadership. The paper recognises the need for an expansion of fiscal policy of at least 3 per cent of GDP but concludes that the ill-informed US public (about deficits) are allowing the deficit terrorists to bully the politicians into cutting the deficit. The costs of this folly will be enormous.

In die gleiche Richtung zielt eine kürzlich veröffentlichte Studie des American Enterprise Institutes. » Weiterlesen

Building A Green Economy

Für das Magazin der New York Times hat Paul Krugman einen riesig langen Beitrag über das Thema "Building A Green Economy" geschrieben.

Darauf komme ich später zurück.

Situationsgewinn

Am Karfreitag redete Barack Obama in North Carolina. Anlass für seinen Auftritt war Bundesgeld aus dem Konjunkturprogramm für ein Unternehmen, das Separatoren für leistungsfähigere neue Lithium-Ionen-Batterien herstellt.

Ich gehe für die Zwecke dieses Postings nur auf eine Passage in der Rede ein, die eine taktische Meisterleistung zeigt. Obama  bezieht sich in der Passage auf die Batterietechnologie der Firma und überträgt ihre ingeniöse Kompetenz auf eine Schwäche des amerikanischen politischen Systems. Schauen wir uns die Passage kurz im Wortlaut an:

"So it is good to be here at Celgard, and it is good to be back in North Carolina.  It is good to be back.  (Applause.)  We just concluded our tour, where we saw some of the workings of this facility where you’re manufacturing components for state-of-the-art batteries.  You’re building separators to make sure diametrically opposed forces can work successfully together.  And I couldn’t help but think:  We could use your help in Congress.  (Laughter and applause.)  We could get one of those — we could get one of those tri-part films and put it between the Democrats and the Republicans.  (Laughter.)  And it would improve conductivity.  Right?  Did I get that right?  Okay."

"Gegensätzliche Kräfte können erfolgreich zusammen arbeiten. (…) Das könnten wir gut im Kongress gebrauchen. Spannen wir diese Separatoren doch zwischen Demokraten und Republikaner. Wie das die Leitfähigkeit verbessern würde! Ist doch so, oder?"

Das kleine Beispiel illustriert maßgeschneiderte politische Redekunst. Schau dir an, wo du hingehst. Heuchel nicht Interesse, sondern versuche zu verstehen. Und wenn das gelungen ist, dann nutze die Gelegenheit, um einen Punkt zu machen, an den sich die Leute erinnern werden.

Später gibt es in dem Video noch ein paar durchaus kritische Fragen aus dem Publikum und den extemporierenden Professor Obama, der aber auch bei dieser Gelegenheit zeigt, wie er komplexeste Themen aus dem Stegreif anschaulich auf den Punkt bringen kann

 

Zahlen, Daten, Fakten

Manchmal reicht es, als Quelle für politische Inspirationen (um vom Reden zu schweigen), ein paar Zahlen, Daten und Fakten wirken zu lassen. Der Economist weist darauf hin, in welchen Größenordnungen China in eine grüne Infrastruktur investiert.

Wenn man das in Kontrast setzt zum Ubahnbau in Köln (oder der Berliner Kanzleramtslinie), befällt einen das Grausen. Seinsvergessen? Ach was. Hundert Nummern kleiner, bitte. Hinterm Mond.

Politisch beschwört man, stärker aus der Krise herauskommen zu wollen, als man hineingeraten ist. Warum bloß kommt mir bei diesem Zitat Werner Herzogs Filmtitel in Erinnerung: Auch Zwerge haben klein angefangen …

Möglichkeitssinn

Thomas L. Friedman, die Spürnase der New York Times Kolumnisten, wirkt manchmal wie ein etwas überdrehter Marketing-Guru. Zuletzt konnte man ihn in Berlin bei einem Vortrag in der American Academy erleben. Für die deutsche Academia bietet er zu viel Powerpoint, zu viel Anekdotik, zu viel Effekthascherei. Das mag auch daran liegen, dass hierzulande Langeweile als Verkörperung der Seriosität gilt. Ein bisschen mehr Beweglichkeit, etwas mehr Spekulation, auch etwas mehr Aufmerksamkeit dafür, was anderswo an noch unscheinbaren Sachen passiert, könnte sich lohnen. Ein Beitrag für ein neues Kapitel in diesem Blog, das ich der Kategorie des Möglichkeitssinns zurechne.

Etwa wenn man daran denkt, was für aberwitzig teure Pilot- und Forschungsprojekte daran kauen, wie die Abscheidung von Kohlendioxid in Kohlekraftwerken aussehen könnte. Mit dem Beispiel, das Friedman in seiner heutigen NYT-Kolumne vorstellt, sehe ich die deutsche Zementindustrie zu neuen Ufern aufbrechen. Das Prinzip kann jeder auf einem längere Zeit nicht gereinigten Duschkopf beobachten. Oder 1 und 1 zusammenzählen. Kohlendioxid reagiert mit Salzwasser zu Kalziumkarbonat. Statt das Treibhausgas mit unkalkulierbaren Langzeitfolgen in irgendwelchen Höhlen zu speichern oder in Seen zu pumpen, kann es zu Baustoff oder Grundstoffen der Zementindustrie verarbeitet werden – und damit manche Steinbruch- und Zementwerk-Mondlandschaften in Naturidyllen zurückverwandeln, weil der Rohstoff, den man dort bisher abbaut bzw. produziert, künftig in Kohlekraftwerken entsteht.

Der Erfinder dieser Idee, Vinod Khosla, war ein Mitgründer von Sun, und die Firma, die ein heißer Tip für Venture Capital wird, heißt Calera. Die Logik, die Sun groß gemacht hat, steckt auch hinter dieser Rekombination von Faktoren der Rohstoffindustrie nebst solidem naturwissenschaftlichen Basiswissen: ein gut entwickelter Spürsinn für das Heben von Kooperationspotenzialen.

Das andere Beispiel, das Friedman erwähnt, ist die Idee von K.R. Sridhar, noch so ein Inder, den man auch in Deutschland gut gebrauchen könnte, hätte es hier nicht so alberne Kampagnen gegeben … Sridhar ist ein Ingenieur, der neue Brennstoffzellen und ihre Basistechnologie entwickelt. CBS berichtete in der letzten Woche über ihn. Google, Wal-Mart, eBay,  FedEx, Coca-Cola nutzen seine Brennstoffzellen.

Am Ende seiner Kolumne röhrt Friedman wieder in großer Form,  zu viele Amerikaner hätten aufgehört zu träumen, ihr Draht zum amerikanischen Traum sei abgerissen. Um es mit Peter Sloterdijk zu sagen: Für diese beiden Inder ist der American Dream weiter auf Sendung. Und sie haben geliefert.

Ein gutes Beispiel für die Verwandlungs- und Bewegungskraft eines gut entwickelten Möglichkeitssinns.