Artikel zum Thema: Guido Westerwelle

Liberalität als Wille und Vorstellung

Was hat die FDP mit dem Liberalismus zu tun? Die Frage ist leichter gestellt als beantwortet.

Wer das Vergnügen hatte, Ralf Dahrendorf oder Werner Maihofer als Redner zu erleben, oder wer vor kurzem Gerhart Baum im Fernsehen nachdenken sah, ist immer wieder entsetzt, wenn das amtierende Personal dieser Partei das Wort ergreift.

Aus irgendeinem Grund wurde Guido Westerwelle kürzlich als bester Redner des Wahlkampfs ausgezeichnet. Das kann nur ein Irrtum sein. Denn Westerwelles Reden entspringen einer leeren Marketinglogik. Sie stellen Glaubenssätze und Patentrezepte in Kontrast zu Pappkameraden. Sie folgen der Logik von Büttenreden. Sie präparieren soundbites für 30 Sekunden Sendezeit. Das mag clever sein und hat funktioniert. Aber diese Art des Redens verabschiedet sich von der Idee einer begründungspflichtigen Politik. Der deutsche Wahlkampf war, was seine sogenannten Sieger betrifft, der für die deutsche Nachkriegsgeschichte erste durch und durch postdemokratische Wahlkampf.

Diese Hypothek wird der neuen Bundesregierung zur Last, noch bevor sie ins Amt kommt. CDU und CSU stellen bei den Gesprächen der nächsten beiden Wochen etwas sehr Ernüchterndes fest: Das ist Fleisch von unserem Fleische. Sie werden es schwer haben, die Idee eines Aufbruchs, eines Neustarts, eines Projekts glaubhaft zu machen.

Denn Kannibalen haben keine Freunde.

Für den Sieger dieses Wahlkampfs reicht es nicht, liberal aber nicht blöd zu sein. Er wird an den Altvorderen gemessen. Die ehrwürdige politische Bewegung des Liberalismus läuft Gefahr, Erbschleichern zum Opfer zu fallen.