Artikel zum Thema: Afghanistan

Rhetorische Komparatistik

Am 10. November hielt Präsident Barack Obama in Jakarta diese Rede. James Fallows weist zu Recht heute darauf hin, wie bemerkenswert  die Rede ist.  Welcher US-Präsident verfügt über eigene prägende Auslandserfahrung, kann auf Grund seiner Kindheit im Jakarta der späten 60er Jahre mühelos kulturelle, ökonomische und politische Parallelen ziehen: Wie sich das Land verändert hat, welche Werte es mit den Amerikanern teilt, warum es auf Grund seiner demokratischen Entwicklung als Vorbild dienen kann.

Am Tag vorher präsentierte George W. Bush seine Memoiren, verteidigte eine engstirnige und verbrecherische Politik, zeigte sich so selbstgerecht wie selbstgefällig. Der Kontrast könnte größer nicht sein. In Jakarta ein weltläufiger Politiker, der Anteilnahme beglaubigen kann, im US-Fernsehen das Schreckensbild eines Politikers, der unter dem Signum eines „anteilnehmenden Konservativen“ angetreten war, das er mit jeder Entscheidung seiner Amtszeit konterkariert hatte.

So gibt das eine Datum wie das andere Anlass dazu, einen Vergleich zu erproben. Obamas Rede fordert das implizit heraus. Noch glaube ich nicht, dass seine Präsidentschaft an der engstirnigen Politik der Republikaner scheitern wird, auch nicht, dass Obama aus innenpolitischer Schwäche faule Kompromisse eingehen wird. Dagegen sprechen die Wahlkampfauftritte wie seine Erklärungen nach der Wahl. Er wird um jeden Zentimeter Raum kämpfen. Wer das noch nicht bemerkt haben sollte: Obama kann mühelos an seiner überparteilichen Rhetorik der ersten beiden Jahre anknüpfen, ja, er kann seine Intentionen anders beglaubigen und ernten, wo er gesät hatte und damit bisher nur auf Unwillen und Spott gestoßen ist. Er wird beide Parteien in die Pflicht nehmen für eine Politik, die nicht unter dem Signum von TINA (there is no alternative) steht, sondern einen Weg geteilter Lasten aus der Krise zu bahnen versucht. » Weiterlesen

Best Leak Ever: Jon Stewart The Daily Show

The Daily Show With Jon Stewart Mon – Thurs 11p / 10c
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Lektionen des Lecks

Mich irritiert der Gestus der Offenbarung, die naive Prahlerei der Akteure, der heroische Gestus in einer postheroischen Zeit.

Ändert das bekannt gewordene Material das Bild der Lage? Ändert es die militärische Strategie der Akteure? Wem nützt die Causa der WikiLeaks zum Afghanistankrieg?

Innerhalb kurzer Zeit ist die internationale Öffentlichkeit zum zweiten Mal mit einem "Abgrund von Geheimnisverrat" konfrontiert – nur um festzustellen, dass nichts verraten wurde, was nicht längst bekannt war. So what!

Geheimnisverrat kennt offenbar mehr Seiten als eine Medaille. Der Verrat schließt eine Aufmerksamkeitslücke – und reißt neue Lücken auf. Vor kurzem schrieb John le Carré im Guardian:

"Once upon a time spies had motives. There was capitalism and there was communism. You could choose. (…) But what in heaven’s name was their cause? Who did they think they were protecting in their distorted, programmed little minds as they tried and tried again, unsuccessfully, to slither up the slippery pole of western society? What was there to choose between Mother Russia and Mother America, two huge continents out of control drowning together in the oily waters of capitalism? Was it really only the name on the lifebelt that made the difference? Mother Russia right or wrong?"

Es war einmal … once upon a time … so beginnen Märchen. Welche Wahl haben die Navy Seals, die KSK-Kämpfer, die Special Operations? Oder ihre Gegenspieler? Wofür kämpfen sie in Afghanistan? Für die Freiheit, für den amerikanischen Traum, für das Basislager?

Was wurde am Montag berichtet? Dass Pakistan ein doppeltes Spiel spielt. Dass es viele zivile Opfer in diesem Krieg gibt. Dass es geheime Kommandoaktionen gibt mit dem Ziel, Gegner zu töten oder gefangen zu nehmen. Dass die Taliban über moderne Boden-Luft-Raketen mit hitzesensiblem Leitsystem verfügen. Mit solchen Raketen haben die Mudjahedin die Russen in die Flucht geschlagen.

Lektion eins: Das Leck setzt auf robuste Vereinfachungen

Der "Verrat" der als geheim klassifizierten Dokumente wuchtet das Konvolut in den Schoß einer Öffentlichkeit, die keine Details wissen will. Was ändert die Publikation am Verdruss über den Krieg? Die monatelange Strategieberatung von Obamas Sicherheitsrat wurde von konservativen Gegenspielern wie Dick Cheney als "dithering" verhöhnt. Der Musterschüler im Amt des Präsidenten kann vielleicht dreidimensional Schach spielen, Komplexität aushalten, ihr gerecht werden und im besten Fall die öffentliche Meinung für die Komplexität des Konflikts sensibilisieren.

Deshalb lautet die erste Lektion: Wer dieses Material WikiLeaks zugespielt hat, kennt das amerikanische politische System detailliert und weiß, wie die öffentliche Meinungsbildung in den USA vor die Hunde gekommen ist. Die Überfrachtung mit Details senkt die  niedrige Komplexitätstoleranz und bahnt den Weg für robuste Vereinfachungen. Auf dem Umweg über WikiLeaks bedienen die Mainstream-Medien diese Erwartung.

Lektion zwei: Das Leck lässt die Demokraten schwach aussehen

Die zweite Lektion verdankt sich dem gleichen Befund. Demnächst wird der Kongress über die Kriegsfinanzierung entscheiden. Die Mehrheit der Republikaner wird – hussa hossa – dem Budget zustimmen. Die Demokraten kommen ins Grübeln. Das ist ihre deliberative Kernkompetenz, aber keine gute Vorlage für die Midtermwahlen im November 2010. Entscheidungsschwache Grübler werden nicht wiedergewählt.

Lektion drei: Die Marionetten haben ein Eigenleben

Die dritte Lektion erfordert Paranoia. Der Kongress hat die Pakistanhilfe konditioniert. Die Idee, die Strippen fester zu ziehen, verkennt, dass die Puppen am anderen Ende eigene Interessen verfolgen. Käme das Konvolut aus einer Kriegstreiberecke, verfolgte der Verrat das Ziel einer Eskalation des Kriegs auf pakistanisches Territorium. Tatsächlich ist Pakistan durch die Drohneneinsätze längst Kampfgebiet. Die paranoide Phantasie wird dadurch genährt, dass die Obama-Administration die Pakistan-Taliban-Connection herunterspielt.

Steve Clemons berichtet von einer Tagung in Doha, wo der frühere pakistanische Geheimdienst-Chef Hamid Gul sagte:

"Losers can’t be choosers! America can cut and run like it had to in Vietnam or it can negotiate its departure with the Taliban which would like to avoid unnecessary instability and disruption. But either way, America has lost in Afghanistan."

Die Amerikaner, berichtet Clemons, haben versucht, Gul auf die Terrorismus-Überwachungsliste der Interpol zu setzen. Die Chinesen hätten das verhindert.

Lektion vier: Gib kleine Geheimnisse frei, um ein großes dem Blick zu entziehen

Der Versuch, die Pakistanis zu diskreditieren, könnte strategische Kurzsichtsichtigkeit gegenüber den Auswirkungen des indisch-pakistanischen Konflikts auf Afghanistan belegen. Es sei denn, die amerikanische Präsenz in Afghanistan ist, anders als die Pakistanis glauben, auf Dauer angelegt mit dem Ziel, Pakistan unter Kontrolle zu halten. Das ist die vierte Lektion dieses WikiLeaks: Gib viele kleine Geheimnisse preis, um hinter ihrem Nebel das große Geheimnis zu verwischen.

Lektion fünf: Vor lauter Gegenwart den Blick auf das Wesentliche verlieren

Die fünfte Lektion ist banal. Für banale Lektionen ist der Spiegel-Korrespondent Gregor-Peter Schmitz zu haben. Erst erzählt er aus einem dieser Presse-Briefings, deren Fragen von seltener Dämlichkeit sind. Dann klaubt er ein paar vorhersagbare Zitate zusammen und zieht daraus den tollkühnen Schluss: 

"Die Geheimmemos könnten also Obamas "Afghanistan Papers" werden."

Was lehrt uns diese Schwafelei? Herr Schmitz spielt eine Flipperkugel, die dem Wahn verfallen ist, über einen eigenen Antrieb zu verfügen. Gebrauche nur oft genug und autosuggestiv das Wort "geheim", um den zu niedrigen Erregungsspiegel hochzujazzen. Das reproduziert das unreflektierteste Geschrei des amerikanischen Mainstreamjournalismus. Wie lautet die Lektion dieser Etappe? Überfordere denkfaule Mainstream-Journalisten mit Kubikmetern Material, das Du nur oft genug geheim nennst – und setze darauf, dass sie sich den nächstliegenden Reim darauf machen. Operation gelungen: "Pentagon-Papers". An dem Vergleich stimmt nichts. Aber er liegt so nahe, gell?

Lektion sechs: Das Leck ermöglicht eine Kurskorrektur

James Fallows benutzt den Vergleich zu den Pentagon-Papers nicht für eine Nebelkerze. Er plädiert für eine Kurskorrektur:

"And that’s the possible similarity to the Pentagon Papers. Afghanistan is different from Vietnam, Barack Obama is different from Lyndon Johnson and Richard Nixon, the raw battlefield intel from WikiLeaks is different from the inside policy memos of the Pentagon Papers, and so on. But the basic similarity of the cases involves the question of what "everyone" knows. (Hervorhebung HH) By 1971, anyone who had been really following the Vietnam war already "knew," or could guess, much of what was in the Pentagon Papers. The Papers mattered because of (a) the confirmation that the government had known about the problems for a very long time, and (b) the spreading of that understanding to the broader public. If the WikiLeaks documents, coming during what is already the deadliest month ever for U.S. troops in Afghanistan, really do mark a shift in mainstream opinion about the war, it will be because everyone [general public, press, and politicians] will now recognize what "everyone" [insiders] already knew."

Die Bekanntgabe von Geheimnissen, die alle kennen, erleichtert es der Regierung, die Ziele der militärischen Präsenz in Afghanistan zu präzisieren. Sie sind nicht da, um einen Krieg zu gewinnen. Sie sind da, um ein von dieser Region ausgehendes Sicherheitsrisiko unter Kontrolle zu behalten. Cutting losses – darum geht es. Wann, wenn nicht jetzt?

Lektion sieben: Die Kultur des Lecks

Von einem ähnlich erhellenden Kaliber ist Christoph Biebers Analyse des Kassibers: Bieber spricht von einer

"Neukonfiguration der Öffentlichkeit durch die Nutzung der digitalen, interaktiven Medienumgebung des Internet".

Entsteht vor unseren Augen tatsächlich eine technologiegetriebene "Konjunktur des Lecks"? Macht es der einfache Griff zum USB-Stick möglich oder ein weiterkassibertes Password zur Datenwolke in den Weiten des Netzes? Bevor Technikliebe die Phantasie entzündet, könnte es hilfreich sein, die Handlungsmotive der "Verräter" in den Blick zu rücken. Was macht sie zu Verrätern? Was macht ihre Organisationen undicht?

Ich habe da eine Vermutung. Das Leck folgt einer auf Hochglanz geleckten Oberfläche auf dem Fuße. Es gibt kaum mehr eine Organisation, die heute nicht ihre Governance-Regeln wie eine Monstranz vor sich herträgt. Hinter dem Lotuseffekt der makellos geleckten Oberflächen entstehen Inkongruenzen, fast wie ohne eigenes Zutun. Die Impermeabilitätsidee solcher Organisationskulturen provoziert Ausbrüche. Banale Anlässe reichen, um die Insassen zu kränken. In jeder großen Organisation gibt es – manchmal auf kleinstem Pepita – offene Rechnungen. Durch Lecks werden sie fällig gestellt.

Bieber hat recht. Die Digitalisierung aller Daten macht die Transaktion durch Lecks einfacher. Allerdings erleichtert sie auch die Fahndung nach den undichten Stellen. Der schiere Umfang der 92.000 Dokumente grenzt den Radius für die Fahndung nach dem oder den Verrätern ein. Es würde mich nicht wundern, wenn schon bald jemand an den Pranger gestellt würde. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Serverprotokolle den Verdächtigen ausfindig machen.

Das Afghanistan-Leck belegt eine Parallelentwicklung mit kuriosen gegenläufigen Bewegungen: Die sogenannte Vierte Gewalt hat durch den Niedergang der letzten Jahre Ansehen und Macht verloren. Parallel zum Hochsprießen der Lotuseffekt-Organisationen gediehen in dem Humus ihrer Umgebungen bürgergesellschaftliche Watchdogs. Aus ihnen wurden in den letzten Jahren beliebte tote Briefkästen für Verräter. Eine solche Entwicklung ergibt sich durch das Abkapseln der Organisationskulturen. (Lektion zum Nachbeten: Partizipation, Transparenz und Dialog minimieren Transaktionskosten. Lotuseffektkulturen maximieren sie.)

WikiLeaks ist ein Technologiesprung auf dem Weg zur technischen Infrastruktur des Verrats. Die Weitergabe der Dokumente an die New York Times, den Guardian und den Spiegel bezeugt dabei eine ambivalente Spekulation: Die Ermöglicher des Verrats verfügen nicht über die eigene Kapazität, das Ausmaß, die Qualität und den Inhalt des Verratenen zu bewerten. Ihr Rückgriff auf Mainstream-Medien (sorry, Guardian, Du bist nicht gemeint!) stärkt ein Vertrauen in ihre Kapazität, das die Verleger und ihre Kostenrechner kaum teilen. Eine Blüte verspäteten Vertrauens. Kurios.

Der technische Erfolg von WikiLeaks verstellt ihren Gründern den Blick auf inhärente Potenziale der Gesellschaft. Wer mit verteilten Systemen arbeitet, kann auch bei der Bewertung des verratenen Materials auf diskret verteilte Intelligenz setzen. Sie wartet nur darauf. Wieder einmal hat technische Erfinder vorzeitig das Vertrauen in die Kompetenz der Massen da draußen verlassen.

Deswegen hat Christoph Bieber mit seiner Annahme wohl recht, dass das "Leck" nicht die Ausnahme bleibt, sondern zu einer Standardsituation öffentlicher Kommunikationsprozesse wird. Die leere Infrastruktur aber wird es nicht richten. So wie die Verratenen nicht ohne ihr verräterisches Fußvolk auskommen, so sollten die Infrastrukturdenker des Verrats schärfer über Mensch-Maschine-Schnittstellen und daraus sprießende Intelligenz nachdenken.

Die achte Lektion: Cut the losses. Holt die Truppen zurück

Die letzte Lektion hält Clayton Swisher bereit. Für Clemons´ Washingtonnote berichtet der Al-Dschasirah-Korrespondent von einer Nacht in der afghanischen Provinz Arghandab, in der das Schreckgespenst berüchtigte Warzenschwein kämpft: das AC-130U Spooky II Kampfflugzeug, das Hölle und Verderben auf die Gegner regnen lässt. Während in der Ferne das Schreckgespenst Warzenschwein wütet, hört Swisher aus der Nachbarbaracke den Song "The Rooster" von Alice in Chains:

Ain’t found a way to kill me yet / Eyes burn with stingin‘ sweat / Seems every path leads me to nowhere / Wife and kids, household pet / Army green was no safe bet / The bullets scream to me from somewhere."

Wie lautet Swishers Lektion? Irgendwo da draußen stehen sie auf verlorenem Posten und riskieren ihren Kopf. Wenn sie tot sind, bekommen ihre Witwen die Flagge und das posthum verliehene Tapferkeitsabzeichen. Vizepräsident Joe Biden hat wohl recht gehabt mit seinem Rat. Holt die Soldaten zurück. Hört auf mit der Counterinsurgency. Haltet die Gegner elektronisch aus der Distanz in Schach.

Wortbilder

Heute beginnt ein Experiment. Die Reden, die ich in diesem Blog analysiere, gelangen dank der wunderbaren Wordle-Erfindung nun immer auch als Graphik in den Blick.

Den Auftakt machen die Reden der Bundeskanzlerin und des Bundesverteidigungsministers bei der Trauerfeier am 9. April 2010.

Auf beide Reden komme ich nach der Regierungserklärung der Kanzlerin und der Anhörung des Ministers vor dem Kundus-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestags zurück.

 

Schon jetzt kann ich zu beiden Reden feststellen, dass sie die Trauergemeinde symbolisch entführten: Die Bundeskanzlerin probt an diesem Tag für ihre Regierungserklärung am 22. April und entführt die Trauergemeinde in das weite Feld der Politik.

Der Verteidigungsminister scheint dem Wortbild nach dem Anlass der Trauerfeier für gefallene Soldaten gerechter zu werden. Tatsächlich aber geht er symbolisch noch einen Schritt weiter als die Bundeskanzlerin. Indem er zum Schluss seiner Rede die gefallenen Soldaten zu Helden erklärt, auf die er stolz sei ("nicht politisch, sondern einfach") normalisiert er den Krieg und übertüncht diesen politischen Schachzug mit dem persönlichen Tonfall.

Kindermund tut Wahrheit kund – das ist der Treibsand eines Sprichworts, das zu Guttenberg bemüht. Er lässt offen, welche seiner beiden kleinen Töchter ihn danach fragt, "ob die drei jungen Männer tapfere Helden unseres Landes gewesen seien".

Wer eine solche Frage einem sieben- oder achtjährigen Kind in den Mund legt, infantilisiert den Ernst der Lage, über die er die politische Kontrolle verloren hat. Er ist nun ein Getriebener.

Nachtrag 22.4.2010

Das ist mir ein Held, der seinen Helden ein Adjektiv mit eingebautem Fragezeichen hinzufügt. Denn was wäre das für ein Held, der nicht tapfer wäre? Vielleicht ein Bundesverteidigungsminister, der sich hinter Pleonasmen versteckt.

Zu Guttenberg verwechselt Politik mit Dekoration.

Parfümiert

„Mit großer Betroffenheit habe ich heute von den gefallenen und verwundeten deutschen Soldaten in Afghanistan erfahren müssen. Ich bin in Gedanken und Gebeten bei den Soldaten und ihren Familien. Angesichts von Gefechten dieses Ausmaßes wird deutlich, wie gefährlich der gleichwohl notwendige Einsatz in Afghanistan ist.“

Diese Stellungnahme des noch amtierenden Bundesverteidigungsministers wirkt wie mit dem Parfümzerstäuber komponiert.

Warum sagt er, der angeblich um Klarheit und Wahrheit ("kriegsähnliche Zustände") ringende Mediendarling "erfahren müssen"? Weil das erfahren nicht reicht? Weil die Abwehr gegen die Realität das müssen erzwingt? Diese Fragen sind nebensächlich, wenn ich mir den letzten Satz anschaue: "wie gefährlich der gleichwohl notwendige Einsatz in Afghanistan ist".

Das ist eine Formulierung aus der rhetorischen Nebelkerze. Wieviel hätte zu Guttenberg gewonnen (der inzwischen sogar bereit ist, "umgangssprachlich" anzuerkennen, dass es sich um einen Krieg handelt), hätte er bloß gesagt, wie gefährlich der notwendige Einsatz ist. Er hätte politische Führung bewiesen. Er hätte Standfestigkeit gezeigt. Er hätte Klartext gesprochen.

Das aber hat er, wie immer, wenn der Brei zu heiß ist, der dem Freiherrn vorgesetzt wird, um einen parfümierten Hauch zu kunstvoll umgehen wollen. In dem "gleichwohl" konzediert er einen Gegensatz. Es fragt sich bloß zu wem. Das lässt zu Guttenberg im Dunkeln.

Das "gleichwohl" dieses zu früh überforderten Politikers, dem manche eine glänzende internationale politische Karriere vorausgesagt haben, setzt einen Unterschied zwischen dem Bild, das er gerne von sich vermitteln würde, und dem tatsächlichen Bild, das man sich von ihm machen kann.

Karl-Theodor zu Guttenberg wäre gern ein Realpolitiker. Dazu reicht es nicht. Weil er unnötig die gebotenen Worte durch ein dekoratives, Nachdenklichkeit insinuierendes Wort überfrachtet.

Im Theater heißt es bei vergleichbaren Anlässen: "Das Bühnenbild muss stemmen, was die Diva nicht bringt."