» 13. Dezember 2010, 14:45 Uhr

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Schlechte Metaphern sorgen für schlechte Politik

Wer hätte das gedacht? Paul Krugman beschenkt den Rhetorik-Blogger mit einem Zitat, das ein Leitmotiv meiner Arbeit sein könnte:

And bad metaphors make for bad policy.

Was sind die schlechtesten politischen Metaphern dieses Jahres? Ohne Anspruch auf Vollständigkeit fange ich an mit der schwäbischen Hausfrau, den Defizitsündern und der Schuldenbremse.

Schlechte Metaphern sorgen nicht nur für schlechte Politik. Sie sind auch Symptome für schlechtes Denken, verbergen und offenbaren Webfehler der Politik. Einer schlechten Metapher nachgehen heißt, sie als Symptom so lange ernst zu nehmen, bis das dahinter lauernde Syndrom in voller Hässlichkeit in den Blick gelangt. Daher mein Dank an Paul Krugman. You made my day.

Schlechte Metaphern funktionieren auch wie eine Jalousie – oder sollte ich Zuflucht beim Eisernen Vorhang des Theaters suchen? Schlechte Metaphern bauen einen Popanz auf, verstellen den Blick auf das Geschehen, wirken wie ein Placebo ohne Doppelblindstudie, könnten daher mit einer vorsätzlichen oder durch Unterlassung zustande kommenden Körperverletzung verglichen werden.

Was hören meine Quellen in diesen Tagen? Ein Spatz aus London pfiff, dass es in Deutschland keine Bankschließfächer mehr gebe.

You cannot find a bank safe deposit box in Germany because every single one has already been taken and stuffed with gold and silver. It is like an underground Switzerland within our borders. People have terrible memories of 1948 and 1923 when they lost their savings.

Wolfgang Münchau schreibt gestern in der Financial Times (hinter paywall):

A quiet bank-run is under way in large parts of the eurozone, not only in Ireland.

Unterdessen bereitet man sich auf den nächsten EU-Gipfel vor. In der Kakophonie blieb ein Satz Jean-Claude Junckers haften:

Deutschland denkt da ein bisschen simpel.

Wenn das der Fall wäre, könnte man die Kanzlerin beglückwünschen. Sie denkt eher  zu kompliziert, vielleicht manchmal auch überhaupt nicht. Das muss man annehmen, wenn man der Placeborhetorik der letzten Tage folgt und sie ernst zu nehmen versucht.

Wer sich treffsicher am besten darin bewährt, zu falschen, schiefen oder schlechten Metaphern zu greifen, ist der amtierende FDP-Vorsitzende. Wer erinnert sich nicht an diese nautische Flautenmetapher:

Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, ist einer, der die Sache regelt. Und das bin ich!

Am vergangenen Wochenende legte Westerwelle nach:

Er sei "keiner, der bei Sturm von Deck geht".

So was kann nur Westerwelle erfinden. Sie müssen ihn festbinden, solange der Sturm nicht nachlässt. Sonst ginge er tatsächlich über Bord, bevor die Flaute da ist.

» 13. Dezember 2010, 14:45 Uhr

    Ein Kommentar zu “Schlechte Metaphern sorgen für schlechte Politik”


  1. Aber auch schlechte Metaphern zu wenig Nachdenken oder mit zuwenig selbstkritischer Haltung und viel zu wenig Action …Im Detail …………………