Artikel vom 4. Dezember 2010

Schreiender kalter Truthahn

Der Verfasser dieses Blogs liebt es zu wildern. Heute Morgen wilderte ich auf einer Seite namens "Wirtschaftliche Freiheit", auf welcher Theresia Theurl, Professorin für Volkswirtschaftslehre in Münster, der Frage nachgeht, ob der Kapitalismus sich in der Krise befinde.

Die Frage illustriert ein erstaunlich dickes methodisch in der Wolle gestärktes Fell gegen die Zumutung der einen oder anderen Evidenz. Aber das hat Wissenschaft seit jeher als Erkenntnisbedingung gesetzt.

Ob die Finanzmarktkrise beendet ist, kann nicht mit Sicherheit festgestellt werden, zumindest schwere Nachbeben halten an, wenn die Verschuldungskrise europäischer und anderer Staaten mit berücksichtigt wird.

Hat ihr Institut aus weitsichtiger Sparsamkeit alle Abonnements beendet? Ist Frau Theurl auf Entzug gegangen? Klingt aus dem ersten Satz ihrer Abhandlung schreiender kalter Truthahn?

Der nächste Absatz belehrt den besorgten Leser eines Besseren:

Eine undifferenzierte Kapitalismuskritik ist nach der Finanzmarktkrise sehr populär geworden.

Die Dame befindet sich im Gehäus. In einem anderen zwar als der besorgte Leser vermutete, aber einem durchaus befestigten, so dass man sich um sie nicht bekümmern muss. Sie will differenzieren. Wie stellt sie das an? Mit sieben Thesen. Die erste lautet:

Eine kapitalistische Ordnung ist ein konsistentes institutionelles Gerüst, das Orientierung für einzelwirtschaftliche Entscheidungen ermöglicht. » Weiterlesen