Doppelmoral gehört zur Grundausstattung der Politik, ein Grund mehr für mich, die Betriebsnudeln und ihre Lotuseffektsprache durch surrealistische Experimente auf die Probe zu stellen. Auf die Idee bringt mich ein Leitartikel von Roger Cohen in der New York Times: The Euro Has No Clothes.
Wie wäre es damit, das rhetorische Bühnenweihefestspiel der CDU zum Thema Präimplantationsdiagnostik (PID) auf die Geschichte des Euros zu übertragen? Denn tatsächlich haben die Väter und Mütter dieses europäischen Großprojekts früh und weitreichend darüber nachgedacht, welche Konsequenzen die gemeinsame Währung für die Integration und die europäische Politik haben würde.
Die Eizelle wurde gründlichst von allen nur denkbaren Seiten beäugt und geprüft. Der Homunculus ist längst ausgetragen. Die PIDer hätten im Frühjahr 1989 schreiben können, der Säugling sollte infolge gewisser Unwuchten in den mediterranen Extremitäten für geraume Zeit in eine Spreizhose gesteckt werden, damit er später nicht an der Hüfte leidet und ein chronischer Hinkefuß würde. Tatsächlich haben sie Ähnliches geschrieben – und zu den Akten gelegt.
Cohn schreibt:
The report noted that “a transfer of decision-making power” from member states to the European Community (now Union) would be needed in “the fields of monetary policy and macroeconomic management.” A currency, in other words, needs a political authority: History is unequivocal about that. The euro was conceived to complete European integration. » Weiterlesen

