Artikel vom 25. Oktober 2010

Wählerwut?

Kein Kommentar, keine Reportage, kein Interview über die amerikanische Innenpolitik, in der nicht vom "enthusiasm gap" und der Wählerwut – voters´anger – geredet wird. Was mir dabei auffällt: Die meisten Autoren, und die deutschen Korrespondenten, die bei ihnen ungeprüft abschreiben, erklären zu einem Naturgesetz, wie die Wahlen ausgehen. Sie wähnen sich auf der sicheren Seite, weil es doch so gut wie immer so war: Wenn es dem Land wirtschaftlich nicht gut geht, wird die regierende Partei bestraft. Basta.

In diesem Blog habe ich oft genug den maroden amerikanischen Medienmarkt beklagt, die manichäische Weltsicht (wenn überhaupt von Welt oder Sicht die Rede sein kann) der radikalen Rechten (und Linken), das schrille Geschrei von Leuten wie Glenn Beck und Kollegen. Trotzdem erneuere ich heute meine Prognose, dass die Demokraten eine (vielleicht nur sehr kleine) Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses behalten werden. » Weiterlesen

Im ES zuhause. Tagebuch-Prosa

 

„Jeder Spezialist sollte sich in den Dienst der Sache stellen, um ein Unglück zu verhindern.“

Franziska Augstein zitiert in der heutigen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung diesen Tagebucheintrag Ernst von Weizsäckers aus dem Jahr 1933. Solche Sätze singen das Lob der Abstraktion. Ihre Urheber machen sich chronisch unschuldig. Der historische Charme solcher Tagebuch-Prosa besteht darin, dass sie in feiner, komparativ eingestellten Ohren ein Echo auslösen.

Die SPIEGEL-Ausgabe dieser Woche zeigt das Photo eines flammenden Infernos, im Vordergrund ein Soldat. Die Headline IRAK. Der Untertitel: Über 100.000 Tote und immer noch kein Frieden. War es das wert?

Was geht in dem Kopf des Chefredakteurs vor, der sich so unschuldig auf die Seite der Funktionselite schlägt?

Wo ES war, da will ich hin? Falsch! Er ist im ES zuhause.