Artikel vom 11. Oktober 2010

Irrsinn

Dieser Irrsinn hat Methode. Ob das die Aussichten dieses Demokraten auf einen Sitz im US-Senat bessert (oder die seiner Partei beeinträchtigt), wäre eine Frage, die dem Werbespot politische Rationalität bescheinigt.

Joe Manchin ist Gouverneur von West Virginia, einem der Kohle-Staaten, die es zu ihrer politischen Kultur rechnen, vor lauter Gegenwart den Verstand zu verlieren.

Der lunatic fringe ist nicht nur in der Tea Party zu Hause.

Sieben Lektionen zu Guido Westerwelles Ungefähr-Parlando

Guido Westerwelle hat sich zu einem Interview mit der FAZ ermannt. Das ist in dem Bemühen um Ernsthaftigkeit und Seriosität so komisch, dass es auf den rhetorischen Seziertisch gehört.

"Herr Minister, teilen Sie die Auffassung des Bundespräsidenten, der Islam gehöre zu Deutschland?

Der Islam ist Teil der gesellschaftlichen Realität Deutschlands. Unsere kulturelle Wurzel ist die christlich-jüdische Tradition."

Hat Guido Westerwelle die Frage beantwortet? Nein. Teilt er die Auffassung des Bundespräsidenten? Offenbar nicht. Was auch immer "Teil der gesellschaftlichen Realität Deutschlands" sein mag, auch widrigenfalls und vielleicht nur unter Schmerzen ertragbar, gehört nicht immer dazu. Der "liberale" Realpolitiker sortiert nach anderen, nicht besonders trennscharfen Begriffen. Er verwischt die Spuren, sucht Zuflucht bei einer agrarischen Metapher (ok, es könnte auch eine postmoderne Zahnwurzel sein, soweit es um Bissigkeit oder erzwungene Beißhemmungen geht) und erweitert diese zu einem Multivisionsformat, über das man ihn gerne einer ausführlichen Befragung unterziehen würde, um herauszuhören, was er denn unter "christlich-jüdischer Tradition" versteht. Es gab Zeiten, in welchen Liberale ein präziseres Verständnis des säkularisierten Gemeinwesens pflegten. Die Geschwindigkeit, mit welcher Westerwelle diesen Joker zieht, und das Ausbleiben einer Nachfrage lassen offen, wieviel Altes und wieviel Neues Testament denn in diese Tradition gemischt sind. » Weiterlesen