Diese Analyse von Michael Pettis bekräftigt die Annahme, dass die europäischen Rettungspakete in erster Linie dem Ziel dienen, Zeit zu gewinnen. Pettis vergleicht die Krise mit den 80er Jahren, die im Rückblick als verlorenes Jahrzehnt gelten.
Die Crux liege darin, dass eine Restrukturierung der PIIGS-Staatsanleihen erst über die Bühne gehen könne, wenn die Bilanzen der Gläubiger-Banken bereinigt seien. Andernfalls drohe ein unkalkulierbares Desaster. Ein Nebenaspekt ist die Frage nach den Krisengewinnern. Wer ist im Markt und kauft zu welchen Preisen Schuldtitel aus Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien? Am Beispiel der 80er Jahre illustriert Pettis die Mechanik: Wer die Papiere jetzt – und das im großen Maßstab – zu 25% ihres Nennwertes kaufe, mache bei einer Wertberichtigung um 50% einen schönen Gewinn.
Das Spielen auf Zeit kann auch schiefgehen. Dann beschleunigt sich die Krise von jetzt auf gleich rasant. Pettis stimmt mit George Soros darin überein, dass das jetzige Stadium der Krise vor allem eine Krise der Banken sei.
Die tiefe deutsche Politik hat keinen Rettungsschirm aufgespannt, sondern den Blick hinter die Kulisse mit einer spanischen Wand verstellt.
PS 29.6.2010: Hier ein link zu einem Beitrag, der Pettis´ Analyse relativiert – und bekräftigt. Schön der Einwand zu Handelsdefiziten zwischen der Toskana und der Lombardei, wenngleich der Autor damit zugleich eine europäische politische Einheit unterstellt, die so weit nicht gediehen ist.

