Artikel vom 7. Juni 2010

Haushälter-Phrasen

Die letzte lautmalerisch plausible haushaltspolitische Phrase hieß in Berlin "Sparen, bis es quietscht". Das ist ein paar Jahre her.

Was die Agenturen über die Sparklausur der Bundesregierung mitteilen, bietet den vermufften Plunder aus der Spätblütezeit meiner Großonkel. Erstaunlich viele von ihnen hießen Herrmann oder Heinrich, zogen den Hosenbund bis knapp unter den  Adamsapfel, rauchten dicke Zigarren und achteten ihre Pilstulpen mehr als ihre Ehefrauen. Irgendwie war man einander abhanden gekommen.

Überhaupt scheinen die lieben Großonkel (und ihre Zeit der späten fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts) bei dieser Bundesregierung zu posthumen Patenschaften zu gelangen. Als Angela Merkel im Wahlkampf den "Rheingold-Express" bestieg, befielen mich düstere Vorahnungen. "Alles was ist, endet", warnt Erda Wotan.

"Wichtige Weichen stellen", "Kehrtwende schaffen", "Kurs ändern", "über seine eigenen Verhältnisse leben", "wirkliche Kehrtwende", "Freibier für alle macht beliebt, aber dann fährt der Karren vor die Wand". "Wir müssen einen Kurs fahren, bei dem klar wird, wir geben nur das aus, was wir eingenommen haben".

Die Halbgötter repetieren die Großonkelsprüche wie einen faulen Zauber gegen das flaue Gefühl. Wo führt die Reise hin, die mit solchen Signalen eingeläutet wird? Es fährt ihr Zug nach Nirgendwo. Sie haben nicht einmal mehr ihre Phrasen abstimmen können.

Dr. Guido Westerwelle gibt den neuen Schützenkönig. (Gibt es in der Promotionsordnung seiner Uni eine Bestimmung, die den Rückfall hinter einen erreichten Kenntnisstand mit Titelverlust ahndet? Wäre zu bedenken!)

Die gedankliche Armut der Vorstellung erzürnt. Sie dokumentiert, dass diese Bundesregierung nicht mehr lange Bestand haben wird: Sie ignoriert die "terms of trade" der deutschen Exportwirtschaft. Sie ignoriert die Interessen aller Wirtschaftspartner. Sie vertieft  die politische Isolation Deutschlands.

Guido Westerwelle liebt es, Bilder aufzutürmen (Freibier/Karren) Sein aus gekränktem Narzissmus geschöpftes Schützenkönigzitat blendet die logische Fortsetzung des Bildes aus: Denn einer muss die Zeche zahlen. Westerwelle hat seine Metaphernrechnung gegen den Wirt aufgemacht.

Der wird es ihm heimzahlen.