Die Welt dokumentiert hier die Rede, die Bundeskanzlerin Angela Merkel zum 70. Geburtstag von Joachim Gauck hielt. Sie endet mit den Worten:
"Weil wir immer wieder Debatten brauchen, weil wir uns immer wieder miteinander austauschen müssen, ist es so gut, dass wir Sie, Herr Gauck, haben. Denn Sie legen den Finger in die Wunde, wenn Sie eine Wunde sehen, aber Sie können auch Optimist sein und sagen: Es geht voran. Beides brauchen wir. Danke, dass es Sie gibt. Danke, dass Sie weiter da sind. "
Das Bild mit dem Finger in der Wunde habe ich an anderer Stelle analysiert. Warum lobt die Theologentochter im Theologen Gauck einen Nachfahren des ungläubigen Thomas? Weil er ein schlimmer Finger ist? Gewiss nicht. Sondern weil er im Zweifel den Zweifel nobilitiert. Wenn das in Zeiten der Ungewissheit nicht die Berufung zu Höherem dokumentiert!
SPD und GRÜNE erzielten mit Gaucks Nominierung als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten einen zweifachen Distinktionsgewinn: Sie düpierten die CDU und schmückten Gaucks Kandidatur als Morgengabe für die Ampel mit einer auf Normalmaß geschrumpften FDP.
Die Absage an die LINKE war nicht einmal eine Fußnote wert. Gesine Lötzschs (ich liebe diesen Genitiv) Antwort, Gauck sei ein Mann der Vergangenheit, ließ offen, auf wessen Vergangenheit sie damit anspielte.
Frau Merkel soll sich, wie die taz berichtete, mit einer SMS "für diese Info" bei Sigmar Gabriel bedankt haben. Christian Wulffs Kandidatur steht auf doppeltem Boden.

