» 06. Mai 2009, 12:02 Uhr

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Schlupflöcher, deutscher Stechschritt-Blues, Potemkin usw


Auch das markiert Unterschiede. Während unser bolleriger Finanzminister (und früherer Redenschreiber) Peer Steinbrück sogar die lebende europäische Rackerauchzart-Serenissima Juncker höchstselbst in einen Topf mit schwarzafrikanischen Schlupflochgräbern steckt, erklärt der bodysurfer in einer steuerpolitischen Rede, wie er die loopholes im amerikanischen Steuerrecht schließen wird.

Am Wochenende veröffentlichte die New York Times ein lesenswertes Interview mit Obama über seine Wirtschaftspolitik. Der Leser Obama (Netherland auf dem Nachttisch) vollzieht eine surrrealistische Operation und überträgt die eingemottete Sicherheitsdoktrin des “Gleichgewichts des Schreckens” auf die Prinzipien der künftigen Finanzmarktregulierung.

Das ist witziger, treffsicherer und wohl auch effektiver als deutsche Besserwisserei. Während der sozialdemokratische Kanzlerkandidat alles dazu tut, den Charme des Erneuerers und Bewahrers zu erringen (darüber vergessen zu machen, dass er seit elf Jahren power player und Strippenzieher ist) und so als deutscher Wiedergänger der amerikanischen Lichtgestalt zu erscheinen, bringen die Kanzlerin und ihr Finanzminister fast die ganze Welt gegen sich auf. Das rhetorische Muster kennt man aus der Formel “Pardon wird nicht gegeben!” Die Wilhelmstraße beherrscht den deutschen Stechschritt-Blues. (Dass Steinbrück vielleicht sogar Recht hat, will ich nicht bestreiten, aber ob er es bekommt, steht nicht nur rhetorisch auf einem anderen Blatt.)

Obama fährt, bevor er als bodysurfer zur Freude des Herrn Narkozy zum 65. Geburtstag der alliierten Normandieinvasion über den Kanal wandelt, auf den Spuren seines Großonkels nach Buchenwald. Das müsste Frau Merkel eigentlich gefallen. Obamas erster Besuch im Kanzleramt findet erst statt, wenn klar ist, wer der nächste Hausherr ist.

Bis dahin erleben wir hier Politikrhetorik der leeren Worte. Die Wahlkämpfer überbieten sich in Versprechungen. Das Wort können wir zum Nennwert nehmen. Die Gesetzgeber arbeiten zum Ende dieser Legislatur an potemkinschen Bauten (Rentengarantie und Schuldenbremse), während die Wahlkämpfer ein museales Spiegelgefecht aufführen, um als Konkursverwalter für die Ergebnisse ihrer eigenen Politik eingesetzt zu werden.

Glückauf!

» 06. Mai 2009, 12:02 Uhr

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