Abschiednehmen

Morgen Abend endet die Übernahme dieses Blogs beim Handelsblatt. Von meinen dortigen Lesern verabschiede ich mich in der Hoffnung, dass sie den Sprung hierher in meine Nische wagen und mir gewogen bleiben.

R.I.P. Billy Taylor

Vorgestern starb Billy Taylor. NPR erinnert an einige denkwürdige Radiosendungen, kein Wunder, gehört er doch zu den Gründervätern des Qualitätsradios. Der Titel des Stücks – Beautiful Solo – hebt den tastensingenden Pianisten mit der blitzschnellen rechten Hand hervor und macht zugleich diskret deutlich, welche Ensemble-Geschichte er verkörpert und ermöglicht hat.  Paul Jorion erinnert an das Gefühl, was es bedeutet, frei zu sein.

Billy Taylor war ein Schutzpatron des Jazz – und ohne dass Simic von ihm sprechen muss, fühle ich mich in diesem dichten Stück an seine Gegenwart erinnert. Hier erinnert James Fallows an eine TV-Show Taylors in den späten 50er Jahren: The Subject Is Jazz.

Darfs auch ein bisschen mehr sein?

Die Tante scheint abgeschrieben. Zum Jahresende steckt die SPD wieder in der Falle – der Bedeutungslosigkeit, der 25 Prozent, des Glaubwürdigkeitsverlusts.  Von fern erinnert sie mich an die CDU der späten 60er und frühen 70er Jahre. Die So-nicht-SPD. Bestenfalls für Stimmenthaltungen zu gebrauchen.

Als wiederholten die sogenannten linken Parteien die Fehler aus den späten 20er Jahren. Was schrieb Ernst Bloch darüber? Ich zitiere aus der Erinnerung: Was sie gemacht haben, sei richtig gewesen. (Naja!) Was sie nicht gemacht haben, falsch. Zumindest diesen Fehler scheinen die Sozialdemokraten mit Karacho zu wiederholen. Die sogenannte Linke vergesse ich jetzt mal, weil sie sich selbst marginalisiert. Solange der Mann mit dem bösen Blick sie per Fernbedienung steuert, kommt in ihr keine politische Perspektive zustande. » Weiterlesen

Llamas with hats 4

Frost Over the World: Interview Julian Assange

Sir David Frost interviewt für Aljazeera Julian Assange. Das Interview berührt eine Reihe von Fragen zum Selbstverständnis und zur Praxis von Wikileaks:

Was ist ein Geheimnis, was konstituiert ein Geheimnis? Zu welchen Zwecken? In welcher Relation zu zugänglichem Wissen? In welcher kontextuellen Relation zu zugänglichem Wissen?

Was konstituiert das weltweite Interesse an Wikileaks und an der Offenlegung von Geheimnissen? Cui bono?

Was ist Missbrauch von Macht? Wo verläuft die Grenze zwischen Missbrauch von Macht und dem legitimen Gebrauch von Macht?

Wie verstehen sich Medien gegenüber der Praxis von Wikileaks? Was unterscheidet "einen Abgrund von Landesverrat" von dem selbstverständlichen Gebrauch der Meinungsfreiheit? Was passiert, wenn Meinungsfreiheit mit Spionage gleichgesetzt wird?

Die Klassifizierung von Geheimnissen verläuft fast parallel (jedenfalls in der Praxis der Obama-Regierung) zur Begründung neuer Routinen der Offenlegung  (open government) und einem weniger restriktiven Umgang mit den Grundsätzen der Informationsfreiheit.