6.800 Aktiengesellschaften müssen auf Namensaktien umstellen …

… wenn der Gesetzentwurf einer kleinen Aktienrechtsnovelle zum geltenden Recht wird. Danach soll die Inhaberaktie für nichtbörsennotierte Aktiengesellschaften abgeschafft werden. Wie viele Gesellschaften sind betroffen und was kostet die Umstellung? Im Entwurf heißt es unter der Überschrift „Sonstige Kosten“: „Nichtbörsennotierte Aktiengesellschaften mit Inhaberaktien müssen bis zum 31. 12. 2014 auf Namensaktien umstellen. Dazu sind eine Satzungsänderung und der Umtausch etwa ausgegebener Aktienurkunden erforderlich. Die hierfür voraussichtlich anfallenden Kosten sind nicht seriös bezifferbar, weil weder bekannt ist, wie viele nichtbörsennotierte Aktiengesellschaften mit Inhaberaktien es gibt, noch wie viele Aktionäre diese Gesellschaften durchschnittlich haben, noch inwieweit diese Gesellschaften Aktienurkunden ausgegeben haben.“ An anderer Stelle wird gesagt, dass „der Umstellungsaufwand gering und der Eingriff für die Wirtschaft nicht belastend sein wird.“

Der im Gesetzentwurf erstgenannte Punkt (Zahl der nichtbörsennotierten Aktiengesellschaften mit Inhaberaktien) ist jetzt aufgeklärt. Eine Anfang Januar 2011 vorgelegte Untersuchung des Instituts für Rechtstatsachenforschung zum Unternehmensrecht der Friedrich-Schiller-Universität Jena hat ergeben, dass ca. 6.800 Aktiengesellschaften betroffen sind. Prof. Dr. Walter Bayer und Thomas Hoffmann haben Handelsregister und Pflichtveröffentlichungen aus dem Stadtstaat Hamburg und den westdeutschen Flächenländern Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Saarland sowie aus dem ostdeutschen Flächenland Thüringen ausgewertet. Diese als repräsentativ angesehenen Daten werden auf die gesamte Bundesrepublik bezogen. Insgesamt gibt es (Stand Dezember 2010) in Deutschland 16.932 Aktiengesellschaften, wovon nur 5% börsennotiert sind (und von der Umstellungspflicht auf Namensaktien nicht erfasst sind). Weitere rechtstatsächlichen Daten zu Zahl und Verbreitung der Aktiengesellschaften, zu ihren Erscheinungsformen, zu Gründung, Kapitalmaßnahmen, Satzungsgestaltung und Restrukturierung finden sich in der von Walter Bayer herausgegebenen Publikation „Aktienrecht in Zahlen“ (August 2010), einem Sonderheft der Zeitschrift “Die Aktiengesellschaft”.

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Über Ulrich Noack

Prof. Dr. Ulrich Noack ist Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht und Wirtschaftsrecht an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und geschäftsführender Direktor des Instituts für Unternehmensrecht an der Juristischen Fakultät. Er ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Deutschen Aktieninstituts und im Kuratorium der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Seine Hauptarbeitsgebiete sind das Recht der Kapitalgesellschaften und das Recht der neuen Medien. Er ist Herausgeber Kölner Kommentare zum Gesellschafts- und Unternehmensrecht“ sowie Kommentarverfasser zum AktG, BGB, GmbHG und WpÜG.

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