Geschäfte auf eigene Rechnung

 Ein Manager des saarländischen Stahlkonzerns SHS soll in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.

Die saarländische Stahlindustrie steckt in einer tiefen Krise. Aber nicht nur wirtschaftlich ist es um die SHS Holding mit ihren defizitären Töchtern Saarstahl und Dillinger Hütte schlecht bestellt, auch moralisch scheint manches im Argen zu sein. So hat eine Führungskraft zweifelhafte Geschäfte auf eigene Rechnung gemacht.

Im Geflecht der Unternehmen spielt Axel Frank eigentlich eine eher unbedeutende Rolle. Nicht für den Betrieb mächtiger Hochöfen oder den Vertrieb ist der Mann verantwortlich, sondern für die Versicherungsgeschäfte des drittgrößten deutschen Stahlkochers mit seinen 13 000 Mitarbeitern. Es ist aber ein einträglicher Job, zumindest wenn man ihn so auslegt wie die umtriebige Führungskraft Frank.

Neben seinem Amt als Geschäftsführer des konzerneigenen SHS Versicherungskontors – den Posten gab er erst kürzlich altersbedingt ab – gründete er in den 90er-Jahren eine Firma namens Risk Assekuranz Kontor. Bei der ist neben ihm noch sein Sohn Geschäftsführer und Anteilseigner.

Anders als vom Unternehmen dargestellt, trennte der umtriebige Versicherungsmensch Dienstliches nicht von Privatem. Denn wie interne E-Mails belegen, wurden Versicherungen vom SHS Versicherungskontor an Franks Privatfirma übertragen. Die Kunden sollten darüber im Laufe dieses Jahres informiert werden, heißt es in einer E-Mail des Versicherungspartners HDI. Zumindest ein Teil der von SHS geschlossenen Verträge wird also über die Firma Risk Assekuranz abgewickelt.

In Einklang mit den eigenen Ethikrichtlinien lässt sich das Geschäftsgebaren des Geschäftsführers kaum bringen: „Wir trennen stets Unternehmens- und Eigeninteressen“, heißt es in den internen Richtlinien. Private Interessen und persönliche Vorteile dürften geschäftlichen Entscheidungen nicht beeinflussen.

Axel Frank und die SHS-Gruppe erklärten, dass dieses Nebeneinander der Versicherungsfirmen rechtens sei. „Die Nebentätigkeit von Axel Frank ist von den Vorgesetzten genehmigt und zulässig“, teilte die SHS Holding auf Anfrage mit. Zudem gebe es eine strikte Trennung zwischen den Firmen. Wie aus internen Unterlagen hervorgeht, wurden nicht nur Verträge von SHS Versicherungskontor an Risk weitergereicht, auch Mitarbeiter der SHS arbeiteten für Franks Firma.

Axel Frank bestätigte in einem Telefonat, dass SHS-Beschäftigte auch für seine Privatfirma arbeiten. Eine schriftlich Anfrage ließ er dazu unbeantwortet. Die SHS Holding erklärte hingegen, dass die Mitarbeiter ausschließlich für das SHS Versicherungskontor tätig seien. Gegen die Compliance-Richtlinien werde im gesamten Konzern nicht verstoßen.

Die Gründung der Risk Assekuranz jedenfalls hat sich für Axel Frank finanziell gelohnt: In den Jahren seit 2006 sammelte die Firma einen Gewinn von drei Millionen Euro an, davon 607 770 Euro allein im Jahr 2012, wie aus den Geschäftsberichten hervorgeht.

SHS-Chef Michael Müller kann Licht in diesen ungewöhnlichen Fall bringen, und das auf dem kurzen Dienstweg tun. Denn die von Frank gegründete Risk Assekuranz ist im gleichen Bürohaus einquartiert wie die Kanzlei von Müller. Allerdings sieht der Stahlkonzern nichts Unrechtes an den Geschäften von Frank.

Schon bald könnte er dazu genötigt werden. Denn die saarländischen Linken mit Oskar Lafontaine an der Spitze haben das Geschäftsgebaren bei SHS bereits im Landtag zum Thema gemacht. Sie wollen natürlich wissen, ob bei den Saarhütten alles mit rechten Dingen zugeht.

Murphy, Martin

https://handelsblatt-recherche.com/

Herr Kremer und die U-Boote

In unserer Montagausgabe haben wir uns der Vergangenheit von Thomas Kremer gewidmet. Er war früher Compliance-Chef bei Thyssen-Krupp und ist heute Vorstand bei der Telekom. Da wir das Stück nur auf Papier hatten, stelle ich den Bericht in unseren Blog.

 

Den Telekom-Vorstand holt seine Vergangenheit beim Konzern Thyssen-Krupp ein.

Das Treffen im April 2007 begann unter schlechten Vorzeichen. Als der Ferrostaal-Anwalt Hans-Hermann Aldenhoff die Vertreter von Thyssen-Krupp zu einem Gespräch empfing, da hatten die meisten Manager des Ruhrkonzerns abgesagt. Übrig blieb nur Thomas Kremer, damals der oberste Compliance-Wächter von Thyssen-Krupp und heute Vorstand der Deutschen Telekom. Zwischen den beiden Juristen entspann sich ein Gespräch mit brisantem Inhalt.

Auf dem Tisch vor ihnen lag eine Rechnung über 65,63 Millionen Euro, ausgestellt von einer Firma Dolmarton für Beratungen beim Verkauf von U-Booten an Griechenland. Für Aldenhoff und seinen Auftraggeber Ferrostaal sah dies aus wie eine notdürftig verschleierte Abrechnung von Bestechung.

Aldenhoff erhoffte sich Rat von Kremer und seinem Arbeitgeber Thyssen-Krupp. Dessen Tochter HDW baute schließlich die U-Boote, die von Ferrostaal vertrieben wurden. Der Ferrostaal-Anwalt hatte sich akribisch auf das Treffen vorbereitet. In einer Powerpoint-Präsentation stellte Aldenhoff seinem Kollegen drei Optionen vor: Ferrostaal könnte zahlen, versuchen über Verhandlungen einen Abschlag zu erreichen oder den Fall zur Anzeige bringen. Letzteres hätte bei einem Prozess die Öffentlichkeit alarmiert.

Wie nur solle er mit der Geldforderung umgehen, fragte Aldenhoff seinen Kollegen. Kremer soll dazu geraten haben, besser zu zahlen, wie sich sein Gesprächspartner laut dem Handelsblatt vorliegenden Unterlagen bei einer Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft München erinnerte.

Kremer hat das Treffen im April 2007 anders in Erinnerung. Er bestreitet eine Einflussnahme. „Ich habe hierzu keinen Rat gegeben“, teilte er auf Anfrage mit. Aldenhoff will sich dazu heute nicht äußern.

Das Gespräch zwischen den Juristen blieb indes nicht ohne Wirkung. Die Firma überwies nach Verhandlungen mit Dolmarton noch im selben Jahr elf Millionen Euro – und musste dafür bitter büßen. Denn nach einem rechtskräftigen Urteil des Landgerichts München vom Dezember 2011 waren diese Provisionen nichts anderes als Schmiergelder. Zwei Manager wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt und Ferrostaal musste ein Bußgeld von 149 Millionen Euro zahlen.

Als Kremer im April 2007 mit Aldenhoff zusammentraf, war Thyssen-Krupp indes bekannt, was Dolmarton für eine Firma ist. Hinter dem auf den Virgin Islands angesiedelten Finanzvehikel verbirgt sich eine Gruppe von Griechen mit besten Verbindungen in die Politik. Die dubiose Truppe hatte bereits im Oktober 2005 die Marinesparte TKMS engagiert, um einen milliardenschweren Verkauf von Fregatten an Griechenland einzustielen. Das geht aus Unterlagen hervor, die dem Handelsblatt vorliegen.

Laut Vertrag mit einer von Dolmarton auf Zypern vorgeschalteten Firma namens Acerption sicherte TKMS eine Provision von zwei Prozent zu. Bei Erfolg wäre damit eine Zahlung in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe fällig geworden.

Kremer bestreitet, Kenntnis von dem Vertrag des Marinearms gehabt zu haben, als er mit Aldenhoff zusammentraf. Wenige Monate später aber bekam er den Kontrakt mit den griechischen Beratern selbst auf den Tisch. Denn Ende 2007 wurde von seiner Abteilung der Vertrag mit Acerption intensiv geprüft. Ein Ergebnis war, dass hinter diesem dieselben Leute stecken wie beim zweifelhaften Ferrostaal-Vertrag. Statt aber die Vereinbarung mit den dubiosen Griechen aufzulösen, tastete er den Vertrag nicht an. Diese Passivität passt zu der alten Thyssen-Krupp AG, in der Kremer Karriere machte. In den Jahren bis 2011 beteiligten sich Vertreter des Unternehmens an Kartellen und schoben rund um den Erdball mit Schmiergeldern Geschäfte an.

Erst vor drei Jahren mit der Berufung von Heinrich Hiesinger an die Vorstandsspitze endete diese Praxis. Thyssen-Krupp bestätigt den Vertrag mit Acerption Dolmarton, der Ende 2008 ausgelaufen war. Zugleich betont der Konzern, ein solcher Vertrag würde heute nicht mehr geschlossen. „Lieber verzichten wir auf ein Geschäft und auf das Erreichen von internen Zielen, als dass wir gegen Gesetze verstoßen“, erklärte ein Konzernsprecher.

Kremer will in den betreffen Jahren als Compliance-Chef bei Thyssen-Krupp nichts von den Verstößen mitbekommen haben. In einer schriftlichen Stellungnahme betonte er: „Ich habe bei meiner Arbeit für Thyssen-Krupp alles in meiner Macht stehende getan, um Compliance-Verstöße zu verhindern.“ Es habe in keinem Fall einen Hinweis auf ein persönliches Fehlverhalten seinerseits gegeben.

Seiner Karriere hat die Zeit bei Thyssen-Krupp nicht geschadet. Vor anderthalb Jahren wurde er in den Vorstand der Telekom berufen.

Welche Wirkung sein Treffen mit Aldenhoff im April 2007 hatte, das konnte Kremer selbst überprüfen. In den Jahren 2010 bis 2012 saß er im Aufsichtsrat von Ferrostaal. In der Zeit wurde der Korruptionsfall umfassend besprochen, wie aus dem Handelsblatt vorliegenden Sitzungsprotokollen hervorgeht.

Kremer erklärt, er habe intensiv an der Aufklärung der Korruptionsaffäre mitgearbeitet. Die Protokolle zeigen ein anderes Bild: Während sich die anderen Aufsichtsräte im Gremium an den Korruptionsvorwürfen abarbeiteten, schwieg Kremer die meiste Zeit.

Murphy, Martin

Schienenkartell: Vorwürfe gegen Ex-Thyssenkrupp-Justiziar Kremer

Branchenkreise: Autostahl-Kartell bestand bereits seit 1998

Hier ein Stück vom 9. April zu dem jüngsten Kartell von Thyssen-Krupp, Voestalpine und Arcelor-Mittal:

Beim Verkauf von Autoblechen sollen sich Thyssen-Krupp, Voestalpine und Arcelor-Mittal seit vielen Jahren abgesprochen haben. Den Unternehmen drohen hohe Bußgelder und Schadenersatzforderungen.

Düsseldorf Die deutsche Autoindustrie hat offenbar seit über einem Jahrzehnt zu viel beim Stahleinkauf bezahlt. Seit dem Jahr 1998 hätten die Hüttenkonzerne Thyssen-Krupp, Voestalpine und Arcelor-Mittal sich beim Verkauf von Autoblechen abgesprochen, erfuhr das Handelsblatt aus Branchenkreisen. Diese Jahreszahl ist auch in einer Anzeige vermerkt, die anonym beim Bundeskartellamt eingereicht worden ist. Die Behörde hatte Ende Februar Büros und Privaträume von Mitarbeitern der drei Konzerne durchsucht und umfangreiche Unterlagen beschlagnahmt.

In der Anzeige werde detailliert das System beschrieben, mit dem die Stahlfirmen ihre Kunden übervorteilt haben sollen, hieß es. Laut einem Insider sollen vor allem die langlaufenden Lieferverträge von dem Kartell betroffen sein. Es sei bei den Absprachen darum gegangen, den Markt zu glätten.

Erhärtet sich dieser Verdacht, dann drohen den Unternehmen neben einem hohen Bußgeld auch Schadensersatzforderungen in Milliardenhöhe. Alleine Thyssen-Krupp erzielt im europäischen Stahlgeschäft ein Drittel des jährlichen Umsatz von elf Milliarden Euro mit der Automobilindustrie. Zu den wichtigsten Kunden zählen Daimler, Volkswagen, Ford und General Motors mit seiner deutschen Tochter Opel.

Vertreter von Thyssen-Krupp und Voestalpine betonten, dass sie intensiv an der Aufklärung der Vorwürfe arbeiteten. Erfolge können sie bei ihren internen Ermittlungen aber nicht vorweisen. Bislang habe noch kein Unternehmen weitergehende Informationen an das Kartellamt gegeben, wie es in den Kreisen heißt.

Thyssen-Krupp soll den Wettbewerber Salzgitter bei einer Gemeinschaftsfirma betrogen haben. Im Zentrum der Vorwürfe steht GfT Bautechnik, an der Salzgitter bis vor einem Jahr beteiligt war und die exklusiv die Spundwände der Niedersachsen vertrieben hatte. Bei einer Prüfung im Sommer 2011 sei Salzgitter aufgefallen, dass der Ruhrkonzern zu wenig Geld an die Niedersachsen für die Lieferung dieser Stahlprodukte überwiesen habe.

 

Nominierung für den Nannen-Preis

Die Kollegen Fabian Gartmann und Sönke Iwersen sind mit ihrer Geschichte „Ladenschluss“ über den Zusammenbruch des Schlecker-Imperiums für den Henri-Nannen-Preis nominiert worden. Haarklein hatten die beiden Kollegen in ihrer Geschichte beschrieben, wie es zu der für viele überraschenden Pleite gekommen war.
Auf der Preisverleihung am 26. April in Hamburg soll bekannt gegeben werden, wer die kleinen goldenen Figuren erhält. Eingereicht wurden 802 Arbeiten; in  Kategorien Reportage, Dokumentation, Investigation, Essay und Fotoreportage wurden jeweils drei Arbeiten ausgewählt.

 

Thyssen-Krupp in der Kartellfalle

Der Industriekonzern Thyssen-Krupp müht sich seit einiger Zeit, seine Altlasten loszuwerden. Richtig glücken will dem Unternehmen das nicht. Dies legen zumindest die Durchsuchungen des Bundeskartellamtes in der vergangenen Woche nahe. Nach einer Anzeige untersucht die Behörde, ob Thyssen-Krupp, Voestalpine und Arcelor-Mittal sich bei Stählen für die Automobilindustrie abgesprochen haben.

Bewiesen ist mit den Durchsuchungen zunächst einmal nichts, die Anzeige soll aber detailliert und belastend sein. Wie schon beim Schienenkartell werden wir uns das Thema genau anschauen.

Unser anonymer Briefkasten: https://handelsblatt-recherche.com/

 

Was wir bislang dazu hatten:

Thyssen-Krupp in der Kartellfalle

Handelsblatt vom 4. März 2013

Unglücklicher hätte es für Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger kaum laufen können. Als am Donnerstag noch die Fahnder des Bundeskartellamts Räume der Stahlsparte in Duisburg durchsuchten, war er auf dem Weg ins benachbarte Düsseldorf. Im altehrwürdigen Industrie-Club wollte er Journalisten über den Kulturwandel berichten, den sein Unternehmen durchläuft.

Hinter der Serie von Skandalen, in die das Unternehmen verwickelt ist, wollte er endlich einen Schlusspunkt setzen. Seit vergangener Woche aber ist klar, es wird länger dauern. Wieder einmal steht Deutschlands größter Stahlhersteller am Pranger, wieder einmal sollen Mitarbeiter vonThyssen-Krupp sich mit der Konkurrenz abgesprochen haben.

Das Bundeskartellamt geht dem Verdacht nach, dass der Ruhrkonzern im Verbund mit der österreichischen Voestalpine und dem Weltmarktführer Arcelor-Mittal die Preise für Kunden aus der Automobilindustrie abgesprochen hat.

Ausgelöst wurden die Ermittlungen von einer anonymen Anzeige. Diese soll sehr detailliert sein, wie ein Branchenkenner sagte. Thyssen-Krupp selbst hatte keine Hinweise auf mögliche Verfehlungen in den eigenen Reihen – wieder einmal.

Dabei war das Unternehmen in den vergangenen Jahren bereits in Kartelle für Legierungen, Aufzüge und Schienen verstrickt gewesen. Die Verantwortlichen bei Thyssen-Krupp hatten also allen Anlass zur Wachsamkeit. Denn stets hatten externe Ermittler die illegalen Absprachen aufgedeckt, die die Kunden allein auf dem Schienenmarkt um über eine Milliarde Euro geschädigt haben.

Mit den jüngsten Ermittlungen des Kartellamts stellt sich die Frage nach der Wirksamkeit der internen Kontrollmechanismen bei Thyssen-Krupp. Dass es um diese nicht zum Besten steht, belegen nicht nur die zahlreichen Compliance-Fälle. Bereits nach Bekanntwerden des Schienenkartells vor zwei Jahren hatte ein Aufsichtsrat die internen Systeme bemängelt.

Fragen lassen muss sich der Konzern auch, warum er bei Kartellangelegenheiten noch immer mit Freshfields zusammenarbeitet. In den Jahren 2004 und 2006 hatte die Großkanzlei trotz interner Hinweise keine Belege für das Schienenkartell gefunden. Heute ist klar, dass dieses Kartell den Konzern rund 500 Millionen Euro kosten wird.

Die Verantwortlichen bei Thyssen-Krupp vertrauen aber weiterhin Freshfields – die Kanzlei wurde auch bei dem jüngsten Autostahlkartell mit den internen Ermittlungen beantragt.

An seinen internen Kontrollsystemen hat nun offenbar auch der Konzern selbst Zweifel. Hiesinger erwägt, den Vorstand um den Posten Compliance aufzustocken. Die Überwachung, dass bei Thyssen-Krupp die Geschäfte sauber abgewickelt werden, wäre dann in dem Gremium wieder mit einem eigenen Vorstandsressort vertreten.

Zuletzt hatte Jürgen Claassen dieses Amt inne, wegen eigener luxuriöser Reisen hatte er jedoch zurücktreten müssen. Nach seinem Rückzug Ende Dezember übernahm Hiesinger die Aufsicht über die Compliance, womöglich nur kommissarisch.

Hiesinger selbst sprach zuletzt davon, dass die Berufung eines Compliance-Vorstands denkbar sei. Die erste Möglichkeit dafür wäre im Mai, wenn der Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp zusammenkommt. Branchenkenner erwarten, dass für den Fall einer Neubesetzung ein externer Kandidat für den Posten infrage kommt.

Dass es Hiesinger ernst meint mit dem Aufräumen bei Thyssen-Krupp, daran lässt er keinen Zweifel. “Unter unseren 150 000 Mitarbeitern gab es einige, die dem Konzern mit Kartellverstößen erheblich geschadet haben”, sagte der Vorstandschef. Er lasse jedoch “null Toleranz” gelten. Die an Kartellen beteiligten Mitarbeiter würden ihren Arbeitsplatz verlieren und mit Klagen überzogen.

Seine Entschlossenheit ist nachvollziehbar, denn der wirtschaftliche Schaden ist massiv. Auch wenn noch nicht bekannt ist, wie lange die Absprachen bei Automobilstählen anhielten – einen Streit mit den wichtigen Kunden aus der Fahrzeugindustrie kann sich Thyssen-Krupp genauso wenig wie Voestalpine und Arcelor-Mittal leisten.

Alle drei Unternehmen klagen über eine schlechte Auslastung ihrer Stahlhütten, Thyssen-Krupp und Voestalpine können sich gerade noch in der Gewinnzone halten. Arcelor-Mittal verbucht im Stahlgeschäft sogar Verluste.

Derzeit verhandeln die Hüttenkonzerne mit Daimler, BMW und Volkswagen über eine Anhebung der Stahlpreise. Diese Gespräche sind seit Donnerstag schwerer geworden.

Martin Murphy