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	<title>Makro und mehr</title>
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	<description>Harald Uhligs Ökonomie-Blog</description>
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		<title>Mario Draghi als EZB Präsident?</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Mar 2011 19:24:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Prof. Harald Uhlig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[EZB Präsident]]></category>
		<category><![CDATA[Geldpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Mario Draghi]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer wird Trichets Nachfolger? Axel Weber wird es nicht mehr. Deutschlands Kandidatenliste ist ziemlich dünn: Regling vielleicht, oder gar Stark. Dagegen mehren sich die Stimmen außerhalb Deutschlands, die Mario Draghi, Chef der Italienischen Zentralbank, an der Spitze der EZB sehen wollen. Ist das eine gute Idee? Zunächst einmal: nur weil Mario Draghi Italiener ist, braucht [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wer wird Trichets Nachfolger? Axel Weber wird es nicht mehr. Deutschlands Kandidatenliste ist ziemlich dünn: Regling vielleicht, oder gar Stark. Dagegen mehren sich die Stimmen außerhalb Deutschlands, die Mario Draghi, Chef der Italienischen Zentralbank, an der Spitze der EZB sehen wollen. Ist das eine gute Idee?</p>
<p>Zunächst einmal: nur weil Mario Draghi Italiener ist, braucht man nicht annehmen, daß er Spaghetti mit Tomatensauce gerne ißt, oder das er Inflation gut findet. Vielleicht ist er ja tatsächlich ein eisenharter EZB-Zentralbanker nach Deutschlands Wünschen! Klar ist allerdings: in Deutschland ist man da skeptisch. Das Vertrauen in die EZB nach dem gefährlichen Umgang mit fragwürdigen Staatsanleihen und Liquiditätshilfen an eigentlich bankrotte Banken ist erschüttert, und zu recht. Der deutliche Abgang von Weber, der als wesentlicher Kritiker und damit Garant für eine harte EZB galt, liegt tief im Magen. Den Deutschen muß hier etwas erklärt werden!</p>
<p>Wenn Draghi also den Spitzenjob bekommen soll, dann muß die EZB und Draghi erst einmal etwas für seine “public relations” in Deutschland tun. Schließlich rühmt sich die EZB mit ihrer Kommunikationspolitik: also, wo ist sie jetzt?</p>
<p>Schauen wir uns die Details doch ein wenig weiter an. Was sind seine Qualifikationen? Die Italienische Notenbank versorgt uns mit<a href="http://www.bancaditalia.it/bancaditalia/direttorio/governatore;internal&amp;action=_setlanguage.action?LANGUAGE=en"> Informationen</a>.</p>
<p>Er hat einen PhD vom MIT im Jahr 1976 und war Professor für VWL in Florenz von 1981 bis 1991. Das ist zunächst ein guter Anfang! Zentralbanker sein heißt zunehmend eben auch die ökonomischen Argumente und Details gut zu verstehen. Eine Promotion in VWL ist dazu inzwischen geradezu eine Pflicht. Man wird ja schließlich auch nicht jemanden ins Cockpit eines großen Passagierflugzeugs setzen, der keinen ordentlichen Pilotenschein hat.</p>
<p>Allerdings: wieviel hat er denn da in seiner akademischen Laufbahn gemacht? Da muß es doch Veröffentlichungen geben, nach zehn Jahre Professur auf jeden Fall: wo sind die? Mit etwas Internet-Suche findet man ein Buch herausgegeben von ihm und Dornbusch im Jahre 1991 bei der Cambridge University Press zu “Public Debt Management”. Dort findet man interessante Beiträge anderer. Man findet dazu: “Confidence crises have become relevant again in view of the high debt ratios in countries such as Belgium, Italy and Ireland. Alesina, Prati and Tabellini develop a formal model of the propagation of a debt run and use it to interpret Italian debt panics. Giavazzi and Pagano concentrate on how inappropriate debt management can precipitate a run on the currency”. Na, das könnte doch gerade jetzt relevant sein, oder? Daneben findet man noch ein NBER Working Paper 9806, und zwei, drei andere eher geringfügige Artikel.</p>
<p>Mal ehrlich: war’s das? Ich hoffe nicht, und die EZB, die Italienische Notenbank und Herr Draghi täten gut daran, hier die Dinge dann besser zu dokumentieren. Aber wenn’s das denn doch war, dann kann man nur sagen: oh weja. Der hat ja seinen Pilotenschein gemacht, aber außer ‘mal ‘ne halbe Stunde mit ‘nem Wasserflugzeug gedreht, war da nix. Da kann man wohl seine Qualifikationen hier getrost ignorieren. Kein gutes Zeichen, um es einmal ganz vorsichtig zu formulieren.</p>
<p>Dafür war er natürlich in diversen politischen Jobs aktiv, und da darf man ihm sicherlich Respekt zollen. Chairman des “Financial Stability Board”. Chef der italienischen Zentralbank. “Director General” des Italienischen Finanzministeriums von 1991 bis 2001. Vice-chairm und managing director von Goldman Sachs International von 2002 bis 2005 (wir erinnern uns: da wurden die großen Dinger gedreht, die in die Weltfinanzkrise von 2008 geführt haben. Draghi verteidigt sich hier schon ganz fleißig gegen falsche(?) Eindrücke).</p>
<p>Und er gibt Reden und Interviews. Lustig finde ich, wenn er in einer Rede zugleich darüber redet, wie z.B. Griechenland in der Krise geholfen wurde (und dabei immer nett auf Regeln und Fiskalkonsilidierung hinweist &#8212; ja, ja sicher, natürlich), dabei kaum oder kein Wort zu den Risiken der EZB sagt, und dann aber weiter in der Rede den Banken ihre wagemutigen Portfolio-Strategien aufs Butterbrot schmiert. Ich nehme an, Herr Draghi nimmt dabei die Bank aus, an der er gerade arbeitet, oder?</p>
<p>Also kurzum: die Skepsis an ihm ist sicher berechtigt. Aber: er hat alles in der Hand, um es auszuräumen. So geht es: hier ist mein konstruktiver Beitrag zur Lösung dieses Dilemmas. Er soll nach Deutschland kommen. Es muß Interviews geben, die richtig nachbohren. Wo ist die EZB gefährdet, wo nicht, was sind die eisernen Prinzipien, wie können Deutsche deren Einhaltung checken? Welche Lektionen, zum Beispiel, hat er aus seinem Dornbusch-Draghi Buch gezogen, welche Entwicklungen hat die Literatur danach gemacht, wie ist das sachkundig einzuschätzen? Er muß in die Fernsehsendungen, wo er “hart aber fair” befragt wird, wo sich ernsthafte Kritiker der EZB mit ihm mal richtig auseinandersetzen können, wo’s zur Sache geht! Er soll Rede und Antwort für die gegenwärtige Politik der EZB stehen: warum ist die so toll, und warum hat Axel Weber total unrecht? Er soll erklären, warum das alles unausweichlich war, warum es den Deutschen hilft, warum der Euro wirklich, wirklich gefährdet war. Er soll erklären, warum er die Glaubwürdigkeit der EZB kein bischen beschädigt sieht. Oder, wenn er bevorzugt, klar sagen, was er anders machen wird und warum, und wie er vorhat, die Dinge wieder zu richten.</p>
<p>Wenn er sich nicht traut, wenn er in dieser kritischen Phase nicht aktiv daran arbeitet, die skeptischen Deutschen zu überzeugen, dann zeigt er, daß er eines der wichtigsten Instrument der EZB, nämlich die klare Kommunikation der Politik-Inhalte, nicht beherrscht oder sich nicht darum kümmern wird. Und dann ist er für das Spitzenamt nicht geeignet.</p>
<p>Also Herr Draghi: trauen Sie sich oder kneifen Sie?</p>
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		<title>Deutschland, das Land der Dichter und Denker?  Zu Guttenbergs Betrug.</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Feb 2011 23:37:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Prof. Harald Uhlig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Guttenberg]]></category>
		<category><![CDATA[Merkel]]></category>
		<category><![CDATA[Plagiat]]></category>

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		<description><![CDATA[Zur Fußball-WM wurde Deutschland als “Land der Dichter und Denker” angepriesen. Ich hatte mich damals gefragt, ob sich das noch auf die Gegenwart bezieht. Jetzt ist die Antwort da, und Verteidigungsminister NICHT-MEHR-DR. Guttenberg hat sie geliefert. Er hat erdichtet, daß er sich seine abgekupferte Doktorarbeit selbst ausgedacht hat. Und er hat sich gedacht, das ist [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Zur Fußball-WM wurde Deutschland als “Land der Dichter und Denker” angepriesen. Ich hatte mich damals gefragt, ob sich das noch auf die Gegenwart bezieht. Jetzt ist die Antwort da, und Verteidigungsminister NICHT-MEHR-DR. Guttenberg hat sie geliefert. Er hat erdichtet, daß er sich seine abgekupferte Doktorarbeit selbst ausgedacht hat. Und er hat sich gedacht, das ist ok, und ich kann jetzt mit meinem Titel prahlen. Was für ein meisterhafter Dichter und Denker!   Laut <a href="http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/GuttenPlag_Wiki">http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/GuttenPlag_Wiki </a>sind aber auf über zwei Drittel der Seiten Plagiate. Ein Anteil von über 20% des gesamten Textes ist abgeschrieben.  Die Uni Bayreuth hat ihm den Titel aberkannt.  So rasant schnell, das war ein Signal: das Haus brennt. Oh weia.</p>
<p>Nun wird er aber immer noch von Partei und Kanzlerin, und sogar vom Volk unterstützt. Ich bin fassungslos. Steckt dahinter vielleicht ein tiefes Mißtrauen gegenüber den echten Dichtern und Denkern in Deutschland? Steckt dahinter eine Verachtung der Universitäten und Akademien? Nach dem Motto, Doktor ist mir zu hoch, der Mann ist jetzt auf unserem Niveau und einer von uns, und die Unis sollen mit ihren akademischen Standards bleiben wo der Pfeffer wächst?</p>
<p>Wer einen Grund sucht, warum die deutschen Unis international nicht mehr so recht leuchten wollen, wer einen Grund sucht, warum die Exzellenz-Initiative große Mühe hat, die vollmundig versprochenen deutschen Harvard-Konkurrenten zu erzeugen, wer einen Grund sucht, warum viele Forscher in Deutschland in ihre innere Emigration gehen, der schaue nicht weiter, als auf diesen beschämenden Umgang der Regierung mit akademischen Titeln, dem Decken und Schützen eines Scharlatans, dem Verzögern und Taktieren in dieser sensitiven Sache, die sofortige und klare Stellungnahme erfordert hätte.</p>
<p>Dies alles ist ein unfassbarer Skandal. Akademiker Deutschlands, hört die Signale! Marschiert und protestiert und gebt kund was Ihr denkt! Jagt diese Regierung mit ihrer Anmaßung von Macht und Überheblichkeit aus dem Amt!  Macht dieser Diktatur des Proletariats ein Ende!</p>
<p>Kanzlerin Merkel kann das Ruder noch herumreißen. Guttenberg muß weg, klar: Betrüger und Scharlatane haben auf Minister-Posten ganz sicher nichts verloren. Daß er von sich aus nicht zurückgetreten ist, ist schlimm. (Und: es zeigt wohl, daß auch ein Adeltitel in Deutschland rein gar nichts mehr mit Anstand zu tun hat, im Gegenteil. Offenbar gibt es auch keine Adligen in Deutschland mehr, die bei ihm mit Wirkung auf Anstand drängen. Aber das nur nebenbei). Aber auch Merkel muß sich jetzt deutlich bei allen Akademikern Deutschland für ihre fehlgeleiteten Beschwichtigungen entschuldigen, und erklären, daß sie Betrüger unter ihren Ministern nicht duldet. Und Schavann muß erklären, ob und wie dieses Regierungsverhalten mit irgendwelchen Exzellenzinitiativen zusammenpasst: das tut es nicht, und da warten wir von ihr auf klare Worte.</p>
<p>Noch ist Zeit. Aber im (akademischen) Volk brodelt es.</p>
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		<title>Ausweg aus der Euro-Krise?</title>
		<link>http://blog.handelsblatt.com/oekonomie/2010/12/15/ausweg-aus-der-euro-krise/</link>
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		<pubDate>Wed, 15 Dec 2010 08:39:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Prof. Harald Uhlig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie nur kommen wir aus der Krise der Euro-Zone wieder heraus?  Das ist die zentrale Frage der Europa-Politik in diesen Tagen.  Nachdenken ist wichtig.  Halten wir daher erst einmal einige, offensichtliche Dinge fest. Die Krise des Euro ist nicht ökonomisch.  Denn: der Euro und die EZB kann grundsätzlich wunderbar weiterfunktionieren und eine stabile Währung bleiben, [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wie nur kommen wir aus der Krise der Euro-Zone wieder heraus?  Das ist die zentrale Frage der Europa-Politik in diesen Tagen.  Nachdenken ist wichtig.  Halten wir daher erst einmal einige, offensichtliche Dinge fest.</p>
<ol>
<li>Die Krise des Euro ist nicht ökonomisch.  Denn: der Euro und die EZB kann grundsätzlich wunderbar weiterfunktionieren und eine stabile Währung bleiben, auch wenn etliche Länder in Europa pleite gehen.  Die EZB muß sich lediglich zurückhalten, fragwürdige Anleihen in ihren Offenmarkt- und Repo-Geschäften zu akzeptieren, und die Geldpolitik weiterhin klar dem vorrangigen Ziel einer stabilen Währung verpflichten.  Ich habe keine Zweifel daran, daß die EZB weiß, wie das geht.</li>
<li>Die Krise des Euro ist politisch. Denn: wenn die EZB tatsächlich etwa griechische Anleihen nicht mehr akzeptiert, und spanische Banken nicht über die Grenzen der Vorsicht hinaus unterstützt, dann wächst der Ärger über die EZB in den Krisenländern.  Die EZB ist eine von Politikern geschaffene Institution: sie kann von Politikern eben auch wieder verändert oder abgeschafft werden.  Die EZB ist offenbar unter Druck, und politisch eben doch nicht so unabhängig, wie manche Verträge einst suggerierten.</li>
<li>Ein Bankrott von Mitgliedsländern oder von großen Banken wird vermieden, wenn irgendwie möglich.  Dies haben die politischen Panikaktionen der vergangenen drei Jahre gezeigt, gleichgültig, ob das nun ökonomisch vernünftig ist oder nicht.  Es hat sich nie der politische Wille gefunden, einen eigentlich angedrohten Bankrott auch tatsächlich durchzuziehen.  Es ist unvernünftig anzunehmen, daß es diesen politischen Willen in Zukunft gibt.  Eine Ausnahme ist der Bankrott Irlands, mit anschließendem Ausgleich an die Banken, die irische Schulden halten: dies mag, im Einvernehmen aller, noch passieren. </li>
<li>Deutschland wird zahlen.  Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wieviel und wofür.  Die Bundesregierung hat alle preiswerten Auswege verpasst (einige davon wurden in diesem Blog zuvor beschrieben).  Jetzt wird es teuer.  Nebenbei: sollte in einigen Jahren alles wieder vorbei sein, ohne daß es Staatsbankrotte gegeben hat, so werden natürlich Griechenland und alle anderen, von Deutschland gestützten Länder, die “zuviel” gezahlten Zinsen von Deutschland zurückverlangen.  Deutschland kann doch schließlich nicht die schwierige Situation der Griechen einfach ausgenutzt haben, um noch reicher zu werden, oder?   Und noch etwas: der deutsche Steuerzahler wird auch einen großen Anteil irgendwelcher “haircuts” zahlen, denn die Schulden der anderen Länder werden zum großen Teil von deutschen Banken gehalten &#8212; und die lässt die deutsche Regierung nicht mehr pleite gehen, siehe oben.  Es sei denn, sie zwingt die Banken dazu, diese Schulden bald zu verkaufen, was wiederum andere, negative Konsequenzen hat.</li>
<li>Eine umfassende Fiskalunion in der Eurozone ist ausgeschlossen. Denn: niemand hat erklärt, wie die Euro-Zone, sprich z.B. Deutschland, dafür Sorge tragen kann, daß überall in der Euro-Zone, sprich z.B. Griechenland, gemeinsam vereinbarte Steuern auch wirklich gezahlt werden.  Soll Deutschland die Steuerpolizei nach Griechenland schicken?  Mit Panzern, zur Verstärkung?  Umgekehrt wird der öffentliche Sektor in z.B. Griechenland in einer Fiskalunion darauf drängen, daß Beamte genauso bezahlt werden wie in Deutschland, dem Vorbild der östlichen Bundesländer folgend.  Das ist aber auf absehbare Zeit zu teuer.</li>
<li>Deutschland (auch im Verbund mit z.B. Österreich, Holland, Finnland) kann die Gesamtheit der europäischen Schulden nicht alleine tragen.  Das wäre ein Brocken, der ungleich größer wäre als die deutsche Wiedervereinigung, und irische Dimensionen annähme.  Es könnte den Staatsbankrott Deutschlands nach sich ziehen.</li>
<li>Eine Konvertierung aller europäischen Schulden in Eurobonds ist ausgeschlossen.  Denn: dazu müssten diese Schulden mit Steuereinnahmen garantiert werden.  Dazu braucht es aber entweder eine umfassende Fiskalunion oder eine Garantie durch wenige, solide Länder (sprich: Deutschland).  Eine umfassende Fiskalunion ist aber genauso unmöglich wie die Übernahme aller europäischen Schulden durch Deutschland, siehe oben.  Wenn die europäischen Schulden aber im Ernstfall nicht übernommen werden können, dann ist auch eine Garantie letzlich nichts wert.</li>
<li>Eine Konvertierung eines Teils der europäischen Schulden in Eurobonds, deren Zurückzahlung durch die Gesamtheit der Euro-Staaten garantiert wird, ist möglich.  Im wesentlichen heißt das, das Deutschland für diese Schulden haftet.  Hier muß die Grenze vorsichtig gewählt werden, so daß Deutschland dies im Ernstfall auch tatsächlich leisten kann &#8212; andernfalls gibt es Risiko-Aufschläge auf diese Eurobonds, und die Konstruktion ist nichts wert.  Übrigens: je mehr Garantien es außerhalb dieser Eurobonds gibt, desto weniger Eurobonds kann es geben.  Die Belastbarkeitsgrenze Deutschlands kann man nicht zweimal vergeben.  Ob man also hier Garantien durch einen wie auch immer genannten Fonds vornimmt, oder Eurobonds herausgibt oder eine Kombination mehrerer Maßnahmen: es ist die Gesamtsumme, die zählt.</li>
<li>Die Nicht-Konvertierbarkeit des anderen Teils der europäischen Schulden bedingt den Staatsbankrott sowie Bankenbankrott beim Überschreiten gewisser kritischer Grenzen.  Denn wenn die Belastbarkeitsgrenze Deutschlands überschritten ist, dann ist sie überschritten.  Die Euro-Politiker können sich hier winden, wie sie mögen: das Szenario eines Staatsbankrottes sowie des Bankrottes großer Banken oder ganzer Bankensysteme ist nicht komplett vermeidbar und möglicherweise zunehmend realistisch.  Es ist wichtig, die Folgen vorab zu durchdenken. </li>
<li>Die wichtigste Garantie ist die für Spanien, als großes und euro-systemisch wichtiges Land.  Und daraus folgt: Vorsicht mit den Garantien für Irland, Portugal, Griechenland, Belgien. </li>
</ol>
<p> </p>
<p>Eine attraktive, “magische” Lösung gibt es nicht, jedenfalls nicht mehr: dafür ist es zu spät.  Ein Fond oder Euro-Bonds für einen Teil der Europa-Schulden kann zwar die Reißlatte für Staatsbankrotte und Bankenbankrotte hochsetzen, so daß man sie vielleicht zusätzlich mit strenger Fiskaldisziplin in den Euro-Mitgliedsländern vermeiden kann.  Aber alle Staatsschulden im Euro-Raum zu garantieren ist gefährlich, und riskiert, daß auch Deutschland mit in den Strudel gezogen wird: dann kommen wir nicht heraus, dann rutschen wir vielleicht nur noch weiter hinein und diesmal alle zusammen.  Das muß nicht passieren, aber es kann passieren. Dieses finale Szenario gilt auf jeden Fall zu vermeiden.</p>
<p>Der Weg nach vorn für die Bundesregierung ist daher ein europäischer Handschlag.  Deutschland öffnet das Scheckbuch, und garantiert (z.B. per &#8221;von allen&#8221; garantierten Euro-Bonds) einen beträchtlichen Teil der Schulden in ganz Europa: sagen wir, zwanzig Prozent.  Zudem garantiert Deutschland die gesamten, spanischen Schulden.  Im Gegenzug verpflichten sich alle Euro-Mitgliedsländer zu fiskalischer Strenge, insbesondere Spanien.  Alle verpflichten sich den gemeinsamen Interessen Europas, über ihre nationalen Interessen hinaus.  Die Regierungschefs verpflichten sich, in ihren eigenen Ländern den Beitrag der anderen als Freundschaftsdienst in Europa zu “verkaufen”, und der drohenden, politischen Destabilisierung entgegenzuwirken. </p>
<p>Und:  Irland erklärt die Rücknahme der Bankengarantien oder, alternativ, den Staatsbankrott.  Die deutsche Bundesregierung stützt die dadurch in Schwierigkeiten geratenden deutschen Banken sowie möglicherweise ebenfalls Banken in anderen Euro-Ländern. </p>
<p>Drücken wir die Daumen.</p>
<p>Alternativen?  Eine: ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone, z.B. in einen Nord- und einen Süd-Euro.  Oder noch weitergehend: ein Auseinanderfallen Europas und die Rückkehr in alte Feindseligkeiten.  Das ist eine politische, keine ökonomische Entscheidung. Wer Europäer ist, möge sich melden.</p>
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		<title>G20 und Währungskriege: warum Merkel und Schäuble recht haben.</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Nov 2010 16:37:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Prof. Harald Uhlig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Keynes]]></category>
		<category><![CDATA[Staatsschulden]]></category>

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		<description><![CDATA[An vorherigen G20-Treffen war Halloween: da liefen IMF und USA als Keynes-Zombies verkleidet durch die Hallen und ermahnten alle in tiefer, unheilvoller Stimme zu “Stimulus, Stimulus, Stimulus”.  Von den Seiten riefen Krugman und seine Kumpane in schriller Stimme: “mehr, mehr, mehr!”.  Viele Journalisten und Kommentatoren, auch viele etablierte Volkswirte, stießen in das gleiche Horn. Der [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>An vorherigen G20-Treffen war Halloween: da liefen IMF und USA als Keynes-Zombies verkleidet durch die Hallen und ermahnten alle in tiefer, unheilvoller Stimme zu “Stimulus, Stimulus, Stimulus”.  Von den Seiten riefen Krugman und seine Kumpane in schriller Stimme: “mehr, mehr, mehr!”.  Viele Journalisten und Kommentatoren, auch viele etablierte Volkswirte, stießen in das gleiche Horn.<span id="more-637254"></span></p>
<p>Der Spuk ist langsam vorbei.  Langsam dämmert es auch der letzten Regierung, daß auf Regierungsausgaben auch Regierungsschulden folgen, die irgendwann zurückgezahlt werden müssen &#8212; und wenn das schwierig wird, dann wird es wirklich brenzlig.  Und jetzt finden auf einmal auch viele Journalisten und Kommentatoren, daß Staatsschulden doch nicht so toll sind.  Aber ein paar Keynes-Zombies laufen auf dem G20 Treffen in Seoul immer noch herum, als hätten sie irgendwie das Ende von Halloween verpasst.  Da ist Geithner, der auf einmal einen Fünf-Jahres-Plan für die  Welt-Wirtschaft einführen und Obergrenzen für den Außenhandel vorschreiben möchte.  Fünf-Jahres-Plan?  Ah, das ist noch ein viel schlimmeres Schreckgespenst als Keynes.  Schließen wir lieber gleich die Augen. </p>
<p>Obama trägt immer noch sein angestaubtes Keynes-Kostüm.  Und denkt, es ist Halloween.  Trick or treat!  Entweder, die Chinesen korrigieren ihre Währung und die Deutschen senken ihren Handelsüberschuß oder … ja, keine Ahnung was, vielleicht: oder die USA wird wirklich einen Fünf-Jahres-Weltwirtschaftsplan einführen.  Dabei übersieht Obama geflissentlich, daß sich seine Regierung derzeit gewaltig bei den Chinesen verschuldet und vielleicht ein wenig dankbar dafür sein sollte, daß die Chinesen ihm all seine Papiere abkaufen. </p>
<p>Sehr vereinfacht geht das so.  Die Obama-Regierung will gerne Geschenke an die Bevölkerung verteilen (“Stimulus, Stimulus, Stimulus”): letztlich also Güter.  Die hat die Obama-Regierung aber nicht!  Also geht sie nach China und sagt, hey, gebt uns doch ‘mal ein paar Schiffe voller Geschenke<strong>-</strong>Güter<strong>,</strong> die brauchen wir, und dafür bekommt ihr hier ein Papier.  Auf dem Papier steht, daß die USA irgendwann Zeug zurückschiffen wird (oder die Chinesen bekommen ein paar  amerikanische Firmen).  Hand drauf, der Deal ist perfekt, die Schiffe kommen &#8212; und jetzt beschweren sich Geithner und Obama über den chinesischen Handelsüberschuß?  Hallo?  Die haben doch Ökonomen im Weißen Haus, die die Zusammenhänge mal erklären können (nein, nicht das Skelett im Schrank mit den Initialen “JMK”, daß Obama in England gekauft hat). </p>
<p>Aber da ist mehr.  Obama und Geithner gehen hin und beschweren sich bei China über die Manipulation des Wechselkurses – während Ben Bernanke fröhlich die Währungspresse in den USA anwirft.  Die Federal Reserve Bank in den USA ist in keiner einfachen Situation, das versteht ja jeder, und es mag durchaus sein, daß “QE2” die beste Geldpolitik ist, trotz der daraus folgenden Störungen auf den Finanz- und Währungsmärkten (ich bin nicht der Meinung, aber mag da in der Minderheit sein.  Mehr vielleicht an anderer Stelle.).  Nur: auf der einen Seite sich über billige chinesische Währung beschweren und auf der anderen Seite den Markt mit Dollar fluten, das ist ordentlich scheinheilig.  Also: da hat Schäuble recht!! </p>
<p>Und was ist dort in der Ecke los?  Ah, da geht Obama zu Merkel, noch immer als Keynes-Zombie verkleidet und murmelt furchterregend: “so geht das nicht, erst kein Stimulus, Stimulus, Stimulus und dann jetzt noch Handelsüberschuß!  Sei ein Zombie, so wie ich!”.  Merkel aber will kein Zombie sein, und irgendwie finde ich das völlig in Ordnung.  Dabei ist der Handelsüberschuß gar nicht der zentrale Punkt (nur kurz und nebenbei: immer Handelsüberschuß ist Blödsinn &#8212; da kann man gleich seine mühsam erarbeiteten Waren verschenken!   Wer etwas verkauft, will doch auch etwas dafür, und bitte irgendwann nicht nur Papier. Merkantilismus ist out, logo).  Sondern: der deutschen Wirtschaft geht es gut!  Arbeitslosigkeit: so niedrig wie lange nicht!  Optimismus: nach oben!  Staatshaushalt: in Ordnung!  “Stimulus, Stimulus, Stimulus”: nein danke! </p>
<p>Merkel sagt also zum Obama-Keynes-Zombie: nee, wir haben vieles richtig gemacht, wir sind gesund!  Nimm Dir an uns ein Beispiel, dann wird auch die USA gesund!  Die USA-Politik ist nicht so toll. Zombies sind keine Vorbilder.  Und da hat Merkel recht!!</p>
<p>Fazit: Merkel und Schäuble haben &#8212; in diesen Kernpunkten &#8212; recht.  Hier steht’s.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Rezession in der Euro-Zone ist vorbei</title>
		<link>http://blog.handelsblatt.com/oekonomie/2010/10/05/rezession-in-der-euro-zone-ist-vorbei/</link>
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		<pubDate>Tue, 05 Oct 2010 13:57:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Prof. Harald Uhlig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Business Cycle Dating Committee]]></category>
		<category><![CDATA[CEPR]]></category>
		<category><![CDATA[Euro-Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Rezession]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit Montag, dem 4. Oktober 2010, ist es offiziell: die Rezession in der Euro-Zone ist vorbei.  Dies hat die CEPR in einer Presse-Erklärung mitgeteilt, siehe http://www.cepr.org/data/dating/ für die offizielle Erklärung sowie die VOX Kolumne http://www.voxeu.org/index.php?q=node/5613 für eine Zusammenfassung. Um genau zu sein: sie ist schon eine Weile vorbei, der Tiefpunkt wurde im 2. Quartal 2009 [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Seit Montag, dem 4. Oktober 2010, ist es offiziell: die Rezession in der Euro-Zone ist vorbei.  Dies hat die CEPR in einer Presse-Erklärung mitgeteilt, siehe <a href="http://www.cepr.org/data/dating/">http://www.cepr.org/data/dating/</a> für die offizielle Erklärung sowie die VOX Kolumne <a href="http://www.voxeu.org/index.php?q=node/5613">http://www.voxeu.org/index.php?q=node/5613</a> für eine Zusammenfassung. Um genau zu sein: sie ist schon eine Weile vorbei, der Tiefpunkt wurde im 2. Quartal 2009 beziehungsweise im April 2009 erreicht. Die Rezession dauerte damit fünf Quartale (1. Quartal 2008 bis 2. Quartal 2009) beziehungsweise 15 Monate (Januar 2008 bis April 2009). Der Rückgang im Bruttosozialprodukt betrug 5.5 Prozent. Die CEPR hat sich etwas Zeit mit der Erklärung gelassen, um sicher zu gehen, daß das Bruttosozialprodukt seitdem wieder angestiegen ist. Wie es weitergeht, dazu finden sich dort keine Vorhersagen. Sinkt die Arbeitslosigkeit wieder auf das alte Niveau? Ist das Bankensystem noch zu fragil? Kann die Schuldenkrise in Europa doch noch eine zweite Rezession auslösen? Die Debatten mögen beginnen.</p>
<p><span id="more-637241"></span><br />
Die CEPR in Europa entspricht der NBER in den USA, die dort schon seit Jahren Anfang und Ende der Rezessionen erklärt, siehe <a href="http://www.nber.org/cycles/recessions.html">http://www.nber.org/cycles/recessions.html </a>und <a href="http://www.nber.org/cycles/main.html">http://www.nber.org/cycles/main.html </a>. Auch wenn die Entwicklungen der Wirtschaft unter Fachleuten allgemein bekannt sind, so sind diese Erklärungen doch nützliche Meilensteine für die allgemeine, wirtschaftspolitische Diskussion und die breitere Öffentlichkeit. Daher sind die NBER-Erklärungen auch jedesmal in den USA für eine Titel-Schlagzeile gut. Die Zeitungen nutzen die Gelegenheit, um etwas breiter über die allgemeine wirtschaftliche Lage und Stimmung zu diskutieren. Denn selbst wenn eine Rezession vorbei ist, ist die Arbeitslosigkeit häufig noch hoch: wie also wirkt das Ende der Rezession auf die Bürger? Was sagen die Experten?<br />
Die Euro-Zone ist dagegen erst eine relativ junge Institution, und sie wandelt sich zudem noch durch Zugang (oder Abgang?) von Mitgliedern. Die Euro-Zone ist dagegen erst eine relativ junge Institution, und sie wandelt sich zudem noch durch Zugang (oder Abgang?) von Mitgliedern.  Das CEPR Euro Area Business Cycle Dating Committee ist noch jünger (und “truth in advertising”: ich bin derzeit der Vorsitzende dieses Kommittees): die erste Analyse wurde am September 2003 geliefert, und Konjunkturzyklen in dem Gebiet der Anfangsmitglieder der Euro-Zone rückdatiert bis 1970. Vier Konjunkturzyklen hat es seitdem gegeben, 1974:Q3-1975:Q1, 1980:Q1-1982:Q3, 1992:Q1-1993:Q3 und nun 2008:Q1-2009:Q2.  Vielleicht spielt auch eine Rolle, daß auch Eurostat als “offizielle” Erklärung bzgl. Anfang und Ende der Rezessionen in der Euro-Zone interpretiert wird, siehe  <a href="http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/2-08012010-BP/EN/2-08012010-BP-EN.PDF">http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/2-08012010-BP/EN/2-08012010-BP-EN.PDF</a> und eine Interpretation per <a href="http://en.mercopress.com/2010/01/09/euro-zone-officially-out-of-recession-but-with-record-10-unemployment">http://en.mercopress.com/2010/01/09/euro-zone-officially-out-of-recession-but-with-record-10-unemployment</a> .  Das erzeugt etwas Verwirrung, und zudem war Eurostat oder die Journalisten hier scheinbar “schneller”.  Nun ist dies aber auch in den USA nicht eine Sache, die einer statistischen Agentur oder journalistischer Interpretation überlassen wird, sondern einer ökonomischen Expertengruppe, aus einer Reihe von Gründen.  Daten werden häufig revidiert, so daß ein Anfang oder Ende zu früh erklärt werden kann: viele haben beispielsweise in 2003 eine Rezession gesehen, die keine war.  Oder: das Bruttosozialprodukt am Ende der Rezession 1980:Q1 bis 1982:Q3 war höher als am Anfang, aber viele andere Indikatoren gingen nach unten: eine Rezession allerdings, aber ohne den “klassischen” Fall eines lediglich sinkenden Bruttosozialproduktes. </p>
<p>Schließlich kommt wohl noch hinzu, daß die Euro-Zone zwar für die europäische Zentralbank wichtig ist, und offensichtlich nun auch für Fragen wechselseitiger Hilfen bei Staatsverschuldung. Aber als Einheit ähnlich etwa den USA wird sie von den Bürgern (noch?) nicht wahrgenommen. Insofern wird es wohl noch ein paar Jahre brauchen, bis das Auf- und Ab der Konjunktur in der Euro-Zone im öffentlichen Bewusstsein eine ähnlich wichtige Rolle spielt, wie in den USA.<br />
Wie dem aber auch sei: diese Rezession ist jetzt erst einmal vorbei, offiziell. Hoffen wir, daß die nächste nicht bald folgt.</p>
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		<title>Sarrazin und die Geldpolitik</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Sep 2010 20:06:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Prof. Harald Uhlig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesbank]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>

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		<description><![CDATA[Sarrazins Kollegen im Vorstand der Bundesbank haben also beschlossen, den Bundespräsidenten um seine Abberufung zu bitten. Der Beschluß sei “einstimmig” gefallen (wobei ich mich dabei frage, ob Sarrazin wohl mit abstimmen durfte, aber das nur nebenbei). Die Frage ist nur, warum. Sarrazin ist in Bonn promovierter Volkswirt, war lange Finanzsenator in Berlin. Ich vermute, da [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Sarrazins Kollegen im Vorstand der Bundesbank haben also beschlossen, den Bundespräsidenten um seine Abberufung zu bitten.   Der Beschluß sei “einstimmig” gefallen (wobei ich mich dabei frage, ob Sarrazin wohl mit abstimmen durfte, aber das nur nebenbei).  Die Frage ist nur, warum.  Sarrazin ist in Bonn promovierter Volkswirt, war lange Finanzsenator in Berlin.  Ich vermute, da versteht er mehr von Geldpolitik und den Kernaufgaben der Bundesbank als die promovierten Politikwissenschaftler und Juristen in diesem Vorstand.  Hat er dort tatsächlich der Bundesbank geschadet?  So ganz mag man das nicht glauben.<span id="more-637240"></span></p>
<p>Es war wohl eher sein neues Buch, “Deutschland schafft sich ab” (sowie sein Zeitungsinterview letzten Jahres, woraufhin ihm bereits damals Zuständigkeiten im Vorstand weggenommen wurden – als “Strafe”?).   Ich bin gespannt auf die offizielle Begründung.  Irgendetwas wird man schon finden – na klar!  Wird es ehrlich überzeugen?  Nur in der Hitze der Debatte oder auch noch in 20, 30 Jahren?  Wird das ein “Schauprozeß” beim Bundespräsidenten oder eine ehrliche Abwägung demokratischer Grundprinzipien?  </p>
<p>Na klar, vielleicht hätte man sich von Sarrazin eher ein paar schlaue Einsichten und Reden zur Geldpolitik in Europa gewünscht – das ist sicherlich eher seine Aufgabe im Bundesbank-Vorstand.  Aber was er in seiner Freizeit macht, kann man ihm schlecht vorschreiben, oder?    Man muß Sarrazin zugutehalten, daß er immer zwischen seiner beruflichen Position im Bundesbankvorstand und seinem privaten Hobby als Autor dieses Buches eine deutliche Grenze gezogen hat.  Gelesen habe ich das Buch nicht – das scheint allerdings viele in dieser Debatte ebenfalls nicht davon abzuhalten, es zu kommentieren.  Offenbar ist das Buch voller Statistiken und darauf aufbauenden Schlußfolgerungen.  Aus den Diskussionen lerne ich, daß viele Statistiken wohl durchaus richtig sind.  (Alle Statistiken?  Na ja, selbst wenn nicht: das wäre ja wohl ein ganz neues, besonders hartes Disqualifizierungskriterium, oder?  Wer will denn da ernsthaft den ersten Stein schmeißen?)  Die Schlußfolgerungen werden offenbar von vielen nicht geteilt.  Mag ja sein.  Die Entrüstung, die Empörung mag verständlich sein.  Aber deswegen Rausschmiß aus allen Ämtern.  Deswegen eine (darf man es so nennen) Hetzjagd in den Medien?  </p>
<p>Darf man da fragen: was bedeutet uns das Recht auf freie Meinungsäußerung?  “Freiheit ist immer die Freiheit der anders Denkenden, sich zu äußern” (Rosa Luxemburg) – wo sind denn die, die diese Einsicht immer wieder auf den Schild gehoben haben?  “„Ich bin nicht Eurer Meinung, aber ich werde darum kämpfen, dass Ihr Euch ausdrücken könnt“ (Voltaire) – wo sind die, die für dafür kämpfen, daß sich Sarrazin unbedroht ausdrücken darf?   Darf jemand wie Sarrazin nicht gegen die herrschenden Dogmen (wie z.B. und überspitzt umschrieben:  das fröhlich-gute-produktive Miteinander aller muslimischen Einwanderer mit allen anderen Deutschen) selbstständig andenken?  Machen wir uns da nicht ganz freiwillig unmündig – und brauchen wir da nicht wieder den „Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“ (Kant)?  </p>
<p>Na klar.  Man mag ja argumentieren, daß das Fernsehen doch mächtig dafür gekämpft hat, das Sarrazin seine Meinung äußern konnte.  Aber irgendwie beschleicht mich da das Gefühl, das war nicht das eigentliche Motiv.  Man mag ja argumentieren, daß Sarrazin durchaus das Recht hat, seine Meinung zu äußern: er wird nicht eingesperrt (oder vielleicht doch noch?) und an seinem Buch verdient er gut und da kann man ihn ja wohl ruhig aus dem Bundesbank-Vorstand und wer-weiß-noch-wo herauswerfen.  Aber irgendwie ist das eine merkwürdige Argumentation, wenn er nicht direkt gegen die Aufgaben der Bundesbank gehandelt hat.    Und schließlich mag man argumentieren, Zentralbanker sind doch normalerweise langweilig und äußern sich nur zu komplizierten Fragen der internationalen Finanzwelt.  Dürfen Bundesbank-Vorstände nur langweile und unkontroverse Bücher schreiben?</p>
<p>Die Bundesbank war politisch unter Druck, etwas zu Sarrazin zu tun, und hat sich dem Druck gebeugt: das ist tragisch genug.   Wahrscheinlich wird Präsident Wulff die offenbar weithin erwünschten Konsequenzen ziehen, und ihn abberufen, mit einer lapidar-kurzen, politisch korrekten Begründung (und vielleicht ist es schon geschehen, wenn Sie diesen Blog lesen).  Und irgendwie habe ich das Gefühl, hier hat die Demokratie in Deutschland Schaden  genommen – und zwar nicht aufgrund der Thesen Sarrazins (gleichgültig, wie man zu ihnen steht).   </p>
<p>Mit Geldpolitik und den Aufgaben der Bundesbank jedenfalls hat sein Rausschmiß dort nichts oder nur sehr wenig zu tun.  Oder doch?</p>
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		<title>Der Neuro.</title>
		<link>http://blog.handelsblatt.com/oekonomie/2010/07/18/der-neuro/</link>
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		<pubDate>Sun, 18 Jul 2010 02:50:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Prof. Harald Uhlig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Euro]]></category>
		<category><![CDATA[Geldpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Staatsschulden]]></category>

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		<description><![CDATA[Soll Deutschland aus der Euro-Zone austreten?  Soll es mit den stabilen Nord-Euro-Ländern eine neue Euro-Zone gründen, mit einem neuen Euro, einem Nord-Euro?  Kurz: soll es den Neuro einführen?  Und dabei möglicherweise rundum sinnvolle Flexibilität in den Nord-Süd-Wechselkurs bringen?  Sollte dies zumindest eine entfernte, aber dennoch ernsthaft zu durchdenkende Option deutscher Politik sein, um der Erosion [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Soll Deutschland aus der Euro-Zone austreten?  Soll es mit den stabilen Nord-Euro-Ländern eine neue Euro-Zone gründen, mit einem neuen Euro, einem Nord-Euro?  Kurz: soll es den Neuro einführen?  Und dabei möglicherweise rundum sinnvolle Flexibilität in den Nord-Süd-Wechselkurs bringen?  Sollte dies zumindest eine entfernte, aber dennoch ernsthaft zu durchdenkende Option deutscher Politik sein, um der Erosion der Euro-Institutionen und dem sicher zunehmend zügelloseren Zugriff anderer Euro-Staaten auf deutsche Steuergelder und deutscher Staatsgarantien Einhalt und Paroli zu bieten? <span id="more-637235"></span></p>
<p>Die vergangenen Monate waren hier sicherlich sehr lehrreich.  Deutsche Staatsgarantien für Griechenland, für Spanien, und wer weiß noch für wen, der Markteingriff der europäischen Zentralbank zur Stützung griechischer Staatsanleihen: hätte das jemand noch vor einem Jahr für möglich gehalten?  Damals jedenfalls glaubte ich jedenfalls sicherlich, daß die vielen europäischen Verträge etwas bedeuten, die das alles auschließen.  Der Euro als Währung kann eine harte, zuverlässige Währung sein, egal ob eines der Mitgliederländer bankrott erklärt oder nicht!  Griechenlands Schulden sind Griechenlands Problem, das war das Kernprinzip!  Eine gemeinsame Währung hat viele Vorteile, auch für Deutschland – hätte man sich an diese Regeln gehalten. </p>
<p>Ich habe diese Sicht kürzlich einem italienischen Kollegen erklärt.  Er hat mich sehr mitleidig angelächelt und mich gefragt:  hätte  ich denn ernsthaft geglaubt, die “no-bailout-“Klauseln hätten irgendeine Bedeutung?  Oder die Verpflichtung der EZB auf rein geldpolitische Ziele?  Ob ich tatsächlich geglaubt hätte, Deutschland würde bei Fiskalproblemen in den “PIGS”-Staaten nicht zur Kasse gebeten?   Es hat nicht viel gefehlt, er hätte laut gelacht und sich auf die Schenkel geklopft (Anmerkung: er repräsentiert ganz sicherlich nicht meine italienischen Kollegen im allgemeinen, er ist sicher eine Ausnahme!  Vorurteile gegen italienische Ökonomen sind sicherlich fehl am Platz).  Nun vermute ich inzwischen: da gibt es wahrscheinlich noch etliche Vertragsklauseln mehr, die in den nächsten Jahren butterweich geklopft werden – bei diesem munteren Anfang!  Wer weiß, was da noch kommt.</p>
<p>Diese politischen Schritte werden dazu auch sogar von etlichen prominenten Kollegen vehement verteidigt.  Da kommt immer wieder das Argument, daß Deutschland natürlich Griechenland helfen mußte – denn schließlich wird damit das Risiko eines “runs” auf Griechenland und Spanien vermindert, und den deutschen Banken geholfen. </p>
<p>Na klar: hier gibt es tatsächlich wissenschaftlich saubere Argumente.  Was die Banken anbetrifft: es war politisch sicherlich einfacher, Griechenland und Spanien im Allgemeinen zu helfen, als der Deutsche Bank bei ihren Verlusten mit diesen Papieren im Besonderen (Ökonomisch problematisch ist eine solche “Verwandlung” aber aus einer Reihe von Gründen).  Und was die Schulden-Dynamik und den Garantie-Fonds anbelangt:  in diesem Blog wurden die Cole-Kehoe-Papiere schon zuvor diskutiert.  Wenn in deren Modell eine Rückzahlung beispielsweise griechischer Staatsschulden in naher Zukunft durch den deutschen Steuerzahler garantiert werden, dann verringert es die griechischen Zinsen und kann damit den Anreiz für Griechenland erhöhen, die Schulden tatsächlich zurückzuzahlen, weil es nun vielleicht möglich ist und vorher nicht mehr möglich war.  Genauso in Spanien, Portugal und Italien.</p>
<p>Nur: es kann natürlich auch den Anreiz für Griechenland massiv vermindern, die Schulden zurückzuzahlen, und den Anreiz für Spanien vermindern, die fiskalische Situation in Ordnung zu bringen – schließlich garantiert sie doch jetzt der deutsche Steuerzahler!  Die griechischen Straßenproteste sprechen da eine deutliche Sprache.   Und da die deutsche Politik offensichtlich zuviel Angst davor hatte, selbst das systemisch unwichtige Griechenland seine Probleme selbst lösen zu lassen, ist jetzt klar: der deutsche Steuerzahler wird helfen.  Immer.  Egal wann.  Ich sehe gerade wieder meinen schenkelklopfenden, italienischen Kollegen vor Augen.  Was kommt als nächstes?  Papademos statt Weber als EZB-Präsident – weil doch jetzt erst einmal ein Südeuropäer dran ist?  Eine stückweise Aufgabe der EZB-Unabhängigkeit, zurück zum ehemals französischen Modell (das die Franzosen einmal wollten, und vor dem uns Tietmeyer und die Bundesbank bewahrt hatten)?  Eine Re-Interpretation des EZB-Ziels der “Preisstabilität” – vielleicht demnächst genauso “wichtig” wie die Geldmengensäule? </p>
<p>Die Stimmung in Deutschland ist bei diesem Thema erstaunlich: zurückhaltend, duldend, und irgendwie ohnmächtig.  Wir müssen doch alle für Europa sein!  Wir müssen doch den anderen helfen!  Und Kanzlerin Merkel hat uns doch gesagt, es gibt keine Alternative!  Ein Austritt aus der Euro-Zone: das scheint zur Zeit weit von einer Mehrheitsmeinung entfernt zu sein.  Ein Glück für die PIGS-Länder und gut zur Belustigung meines italienischen Kollegen.   Und so begibt sich die deutsche Politik langsam aber sicher gefügig zurück in die Kohl-Politik des offenen Scheckbuchs für die Probleme Europas.  Einschenken für alle! Same procedure as last year?  Same procedure as every year. </p>
<p>Aber vielleicht gibt es doch eine führende, deutsche Politikerin, die den Mut hat, die das Rückgrat hat, eine Euro-Zonen-Aufspaltung, eine Neuro-Einführung ernsthaft in die Diskussion und in die Waagschale zu werfen (Anmerkung: nur hinter den Kulissen, das reicht nicht!).  Wie teuer oder wie vorteilhaft wäre das, was wären die Konsequenzen?  Allein eine Diskussion in Deutschland über dieses Thema würde an die PIGS-Länder ein Signal schicken: Vorsicht!  Ihr müßt die Sanierung der Staatsfinanzen ernsthaft durchführen!  Ich müßt gemeinsam mit Deutschland neue Spielregeln entwickeln, an die sich alle wirklich auch halten können und halten werden, und die sich nicht bei erst-bester Gelegenheit in Schall und Rauch auflösen, und die nicht erneut Deutschlands Finanzministerium zum eigentlichen “lender of last resort” in Europa, zur eigentlichen Zentralbank Europas machen.  Denn: sonst kippt vielleicht die Stimmung in Deutschland, und der Neuro nimmt an Fahrt auf.    Ehrlich: wäre das nicht im Interesse Deutschlands und letztlich auch im Interesse Europas?   Als Diskussionsbeginn reicht vielleicht  schon eine geschickt formulierte Absage, daß ein Neuro “derzeit kein Thema” sei.</p>
<p>Wer traut sich?</p>
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		<title>Ist ein EZB-Präsident Weber ein Desaster für die Weltwirtschaft?</title>
		<link>http://blog.handelsblatt.com/oekonomie/2010/06/25/ist-ein-ezb-prasident-weber-ein-desaster-fur-die-weltwirtschaft/</link>
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		<pubDate>Fri, 25 Jun 2010 08:34:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Prof. Harald Uhlig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Konjunktur]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Fußballweltmeisterschaft der Wirtschaftspolitik: es spielt Deutschland gegen die USA (oder das EZB Team gegen die Finanzmärkte?).  Nobelpreisträger Paul Krugman trötet kräftig in seine Vuvuzela: “Weber muß vom Platz!  Rote Karte wegen Gefährdung des Euro!” (Handelsblatt-Interview vom 21.6., http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur-nachrichten/breitseite-gegen-bundesbank-chef-axel-weber-waere-ein-risiko-fuer-den-euro;2604560 ).   Die deutsche Fankurve ist sauer.  Sachverständigenrats-Vorsitzender Wolfgang Franz führt den Gegenchor an: “Die USA hat Schuld [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Fußballweltmeisterschaft der Wirtschaftspolitik: es spielt Deutschland gegen die USA (oder das EZB Team gegen die Finanzmärkte?).  Nobelpreisträger Paul Krugman trötet kräftig in seine Vuvuzela: “Weber muß vom Platz!  Rote Karte wegen Gefährdung des Euro!” (Handelsblatt-Interview vom 21.6., <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur-nachrichten/breitseite-gegen-bundesbank-chef-axel-weber-waere-ein-risiko-fuer-den-euro;2604560">http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur-nachrichten/breitseite-gegen-bundesbank-chef-axel-weber-waere-ein-risiko-fuer-den-euro;2604560</a> ).   Die deutsche Fankurve ist sauer.  <span id="more-637230"></span></p>
<p>Sachverständigenrats-Vorsitzender Wolfgang Franz führt den Gegenchor an: “Die USA hat Schuld an dem schlechten Spiel!  Gelbe Karte für deren Spieler wegen Verursachung der Weltfinanzkrise 2008!” (Handelsblatt-Kommentar vom 23.6., <a href="http://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/oekonomie-wie-waere-es-mit-fakten-herr-krugman;2605582">http://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/oekonomie-wie-waere-es-mit-fakten-herr-krugman;2605582</a> ).  Paul Krugman trötet zurück: “Die hassen mich!” (Handelsblatt-Bericht vom 24.6., <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur-nachrichten/europa-droht-grauenvolle-zukunft-krugman-legt-nach;2606715">http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur-nachrichten/europa-droht-grauenvolle-zukunft-krugman-legt-nach;2606715</a> ).  Gustav Horn trötet, wie immer, “Ich bin Alt-Keynesianer!  Alle Löhne rauf!”. Da braut sich was zusammen.  In  der Pause gibt es sicher erst einmal ordentlich Keile.</p>
<p>Fußballweltmeisterschaft ist schön!  Blogs und Interviews und Kommentare auch!  Endlich darf richtig geholzt werden.  Sicher: tue ich auch, es macht Spaß!  Aber vielleicht doch erst einmal eine Prise Wissenschaft zur Abwechslung und zur Kühlung der Gemüter.  Wen das nicht interessiert und sich auf die Keilerei freut: am Ende dieses Blog-Eintrags kommt meine Vuvuzela (suche: Vuvuzela), na klar!</p>
<p>Also.  Liest man zwischen den Zeilen, so sieht man hier zwei stark verschiedene Perspektiven bei der Analyse der Ausgangslage (na gut, bis auf Gustav Horn: keine Ahnung, ob der jemals irgendetwas analysiert!).  Krugman verweist auf das Risiko einer Depression und einer Deflation.  Die Deflationsgefahr ist echt.  Wenn Preise fallen und die Wirtschaft dümpelt, dann muß eine Zentralbank erst einmal gegensteuern, und die Zinsen senken: weniger als Null geht aber nicht (bzw.: ist schwierig).  Da sind die wesentlichen Zentralbanken (USA, Europa, Japan) jetzt!  Geht es der Wirtschaft weiter schlecht, könnten die Preise noch stärker fallen – und dann steigt der Realzins, also der Unterschied zwischen Nominalzins  und der (nun negativen!) Inflation.  Ein höherer Realzins ist schlecht für Investitionen, ist schlecht für den Konsum: die Wirtschaft kommt weiter ins Rutschen, die Preise fallen noch mehr, der Realzins steigt noch  weiter, und die Zentralbank ist ziemlich machtlos.  So jedenfalls etwa die Horror-Story, die sich Volkswirte derzeit häufiger als früher erzählen.  So richtig in einem Modell wasserfest gemacht, ist diese Story bisher kaum.  Richtig ist aber: es gibt inzwischen etliche Arbeiten, etwa von Christiano-Eichenbaum-Rebelo oder von Eggertson und Woodford, die die spezielle Problematik einer Deflationssituation analysieren.  Diese Literatur bietet zwei Einsichten.  Erstens: die vielleicht beste Waffe der Zentralbank in einer Deflationssituation ist das Versprechen, nach dem Ausgang der Deflation wieder zum Anfangs-Preisniveau zurückzukehren (und dazu gegebenfalls eine stärkere Inflation durchzuführen)!  Dieses Versprechen kann den Spuk von vorneherein beenden – vorausgesetzt, das Versprechen ist glaubhaft und vorausgesetzt, die Deflation endet irgendwann irgendwie.  Zweitens:  in einer Deflations-Situation kann eine expansive Fiskalpolitik enorm effektiv sein.  Bei den hohen Realzinsen wollen ja alle sparen und nicht konsumieren – also macht die Regierung das Gegenteil und erzeugt so ein notwendiges und sinnvolles Gegengewicht! </p>
<p>Zurück also zu Krugman.  Wer jetzt vor allem das Gespenst der Depression und der Deflation sieht, wer die Analysen der 20er und 30er Jahre kennt, wer diese neueren Arbeiten kennt, wer “durch die nächsten fünf Jahre müssen wir durch, danach sehen wir weiter” denkt, der könnte durchaus vernünftigerweise für Inflation am Ausgang der Deflation und für expansive Fiskalpolitik plädieren.  Man kann Krugman’s Kommentar so verstehen (mit viel Wohlwollen … mehr am Ende).</p>
<p>Nun zum Gegenchor.  Die Wirtschaft in Deutschland erholt sich derzeit ja ganz ordentlich, auch anderswo in Europa und in den USA gibt es Anzeichen für ein Ende der Rezession.  Das Bankensystem wurde mit Tatü-Tata und Blaulicht ins Krankenhaus der öffentlichen Hand eingeliefert: da ist es jetzt aber gut versorgt und gut beobachtet, es wäre ja ein Ding, wenn’s da noch einmal zu einem zu spät behandelten Herzstillstand kommt.  Und so gibt e seine andere Ausgangsdiagnose: wir stehen am Ende einer ganz normalen Rezession, die Depressions- und Deflationsgefahr ist vorbei.  Dann greift die normale Geldpolitik wieder, dann gilt Zurückhaltung bei staatlichen Ausgabenprogrammen.  Die Lektion wurde nur allzu oft gelernt: Stimulus in solchen Rezessionen kommt meist zu spät – und führt zu Inflation und unangenehmer Schuldendynamik später!  Hier gibt es beispielsweise mein Papier in der American Economic Review 2010 zu “Some fiscal calculus”, das langfristig stark negative Fiskalmultiplikatoren berechnet (etwas Selbst-Reklame darf sein!), hier gibt es die fundamentalen Arbeiten von Woodford zur Berechnung optimaler Geld- und Fiskalpolitik in neu-keynesianischen Modellen und vieles mehr: sie weisen fast alle in diese Richtung.  Wer also hier eine Rezession, keine Depression, sieht, wer an die Effektivlosigkeit der japanischen Fiskalexpansion der letzten 15 Jahre denkt (wo Krugman im übrigen vor 10 Jahren auch laut getönt hat, Japan hat noch nicht genug gemacht!  Die Japaner bereuen nun sicherlich, daß sie auf ihn damals etwas gehört haben), wer das Schreckgespenst des Staatsbankrotts vor Augen hat (Griechenland, Spanien, wer noch?), wer auch die etwas längere Frist im Auge hat, der wird sich für ein Ende der Stimulus-Ausgabenprogramme und eine Rückkehr zu einer Preisstabilität-orientierten EZB Politik plädieren.  Man kann den Kommentar von Franz so verstehen.</p>
<p>Welche Ausgangsperspektive ist nun richtig?  Es gibt hier eine interessante Arbeit von Cogan-Cwik-Taylor-Wieland, die sich den tatsächlichen Stimulus in den USA, eine plausible, geldpolitische Regel und ein renommiertes, neu-keynesianisches Modell vornehmen und berechnen, daß der Fiskalstimulus dort wenig bringt und zu spät kommt.  Aufbauend auf diesen sowie den oben genannten Arbeiten haben Drautzburg und ich zusätzlich die Länge der Bindung an den Null-Zins, kredit-beschränkte Haushalte und verzerrende Lohnsteuern berücksichtigt: die Arbeit gibt es demnächst im Umlauf.  Wir finden mit Cwik-Cogan-Taylor-Wieland, daß der Fiskalstimulus kurzfristig wenig positive und langfristig negative Effekte hat, wenn die Inflation Ende 2010 langsam zurückkehrt, und die amerikanische Zentralbank daher wieder beginnt, die Zinsen anzuheben.  Wir finden im Einklang mit der Depressions-Literatur, daß der Effekt eines Fiskalstimulus erheblich positiver ist (möglicherweise auch langfristig), wenn die Zentralbank auch noch über das Ende 2011 zu einem Nullzins gezwungen ist.  Eine starke Deflation und einen hohen Realzins gibt es dabei übrigens so oder so kaum (und man sieht das ja auch nicht in den Daten der letzten 18 Monate), ganz im Gegensatz zu der weiter oben beschriebenen Horrorgeschichte einer Deflations-Depressions-Spirale.  Ich überlasse es den Kollegen mit Kristallkugeln vorherzusagen, wie lange die Zentralbanken noch am Nullzins kleben müssen!  Aber ich wage mich doch etwas vorsichtig hinaus, und vermute, daß die Zinsen noch vor Ende 2011 wieder steigen.  Und  das heißt: bitte Ende des Fiskalstimulus, bitte wieder Preis-Stabilitäts-orientierte Politik! </p>
<p>Nach all dieser Analyse, was ist nun mit Axel Weber als EZB-Chef?  Ich vermute einmal: er versteht diese Literatur und Argumente. Und es würde mich sehr erstaunen, wenn er EZB Chef wäre, die Wirtschaft doch am Rande einer Depression und Deflation stünde, und er dann lediglich vor Inflation und Budgetdefiziten warnen würde.</p>
<p> Er macht sich aber mit seiner öffentlichen Kritik am derzeitigen Kurs der EZB um etwas ganz anderes Sorge: nämlich, daß die EZB mit dem Ankauf griechischer Schrott-Anleihen zur expliziten Stützung der Kurse dort eine Linie im Sand überschritten hat, die sie nicht überschreiten durfte, jedenfalls sicherlich nicht zum Einfangen einer leicht gereizten Lage auf den Finanz- und Bankenmärkten.  Eine Zentralbank darf nicht zur Gelddruckmaschine als Finanzierungsverfahren öffentlicher Schulden degradieren!  Tun wir doch gar nicht, sagt die EZB: ist doch alles sterilisiert.  Im Extremfall hat die EZB eben alle guten deutschen Anleihen verkauft, und hält nur noch Schrott-Anleihen von Griechenland, Portugal und Spanien: die Geldmenge hat sich nicht erhöht, oder? Tja, liebe EZB: was aber, wenn der Schrott bleibt was er ist, und diese Länder tatsächlich nicht zahlen?  Dann ist die Geldmenge draußen, die EZB hat nichts mehr, um Offenmarktgeschäfte zu betreiben, ist zahnlos.  Die EZB muß dann den Gang nach Canossa als Bittsteller zu den Finanzministerien antreten, und um Rekapitalisierung betteln.  Und hat ganz klar diesen Ländern mit dem umlaufenden Geld die Schulden finanziert.  Eine wirklich schlechte Situation.  Zudem hat Trichet die EZB trichetisiert: er hat das Ruder nach Belieben herumgeworfen, und die Reputation der EZB zerstört.  Einige mögen argumentieren: die Situation war gefährlich, es war die einmalige Situation, bei der man eben seine Reputation in die Wagschaale wirft, um das Ruder herumzureißen. </p>
<p>So oder so: die EZB hat jetzt ein gewaltiges Reputationsproblem.  Da fragen sich etliche seit einiger Zeit: wie nur kommt die EZB aus diesem Tal der Krise wieder heraus?  Wie kann die EZB ihre dringend benötigte Reputation so rasch wie möglich wieder gewinnen? </p>
<p>Und da ist die Einwechslung von Axel Weber als neuem Kapitän des EZB-Teams der geniale Schachzug!  Durch seine Interviews hat er klar gezeigt, wo er steht: es käme sofort zu einer neuen Sicht der EZB, zu einem sofortigen Reputationsgewinn!  Jetzt alle aufpassen: durchsichtige Täuschungsmanöver der gegnerischen Finanzmarkt-Spieler gehen jetzt nicht mehr durch, jetzt geht dabei der Ball verloren!</p>
<p>Also meine erste Vuvuzela: die Benennung von Axel Weber als nächstem EZB Chef ist nicht nur kein Desaster für die Weltwirtschaft, er wird nicht nur ein kompetenter EZB Chef.  Ich gehe noch weiter: die Benennung von Axel Weber als EZB Chef ist der vielleicht letzte, verbleibende Trumpf, den die EZB noch hat, um die dringend benötigte Reputation zurückzugewinnen!   Damit lässt sich ein hoffnungslos verfahrenes Spiel noch herumreißen!</p>
<p>Und was ist mit Paul Krugman?  Hier meine zweite Vuvuzela.  Nun, er hat sich schon ziemlich lange aus der Wissenschaft verabschiedet: seine RePEC Seite (<a href="http://ideas.repec.org/e/pkr10.html">http://ideas.repec.org/e/pkr10.html</a> ) spricht da eine deutliche, traurige Sprache.  Er ist jetzt Journalist und ledert nach Belieben.  Das ist ok: die USA ist ein freies Land, und er macht das besser als manch andere.  Aber seine Basis in der Wissenschaft fehlt ihm inzwischen.  Etwas Vorsicht seinerseits stände ihm vielleicht gut &#8212; stattdessen behauptet er flugs, daß die Makroökonomie der letzten 10 Jahre oder so, die er wohl nicht mehr ehrlich verfolgt und möglicherweise nicht mehr verstanden hat, nichts taugt.  Kann er sagen, sicher.  Nur, lieber Paul Krugman: nein, wir hassen Dich nicht.  Wir (also: Deine Kollegen in der Wissenschaft auf beiden Seiten des Atlantiks) nehmen Dich nur meistens nicht mehr ernst.  Deine Beiträge sind inzwischen oft lustige Unterhaltung und Gesprächsstoff, und haben den Kontakt zur Wissenschaft verloren (oder allenfalls Kontakt zu Lehrbüchern mit viel, viel Staub).  Na klar: wir alle brauchen gelegentlich humorvolle Abwechslung. </p>
<p>Und, sicher, man muß sich mit Paul Krugman auseinandersetzen (daher dieser Blog-Eintrag): offenbar nimmt ihn ja die Presse und die Öffentlichkeit irgendwie ernst.  Warum noch?  Gute Frage.  Aber die Presse nimmt ja sogar Gustav Horn ernst, da wundert mich irgendwie nichts mehr.  Dann doch deutlich lieber Paul Krugman.  Das war Vuvuzela drei.</p>
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		<title>Freie Bahn für Spekulanten!</title>
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		<pubDate>Fri, 21 May 2010 15:16:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Prof. Harald Uhlig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Staatsschulden]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit einem heroischen Kraftakt haben es die europäischen Spitzenpolitiker Merkel, Sarkozy und Trichet in den letzten zwei Wochen geschafft, Spekulanten zu ermuntern, wie nie zuvor.  Einige Musterbeispiele. Beispiel 1.  Spekulant Pedro Peligro leitet eine spanische Spezialbank und lacht am Telefon gerade seinen Kollegen Ricardo Recaudo, Leiter einer Konkurrenzbank, aus.  Der hatte nämlich noch vor vier [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Mit einem heroischen Kraftakt haben es die europäischen Spitzenpolitiker Merkel, Sarkozy und Trichet in den letzten zwei Wochen geschafft, Spekulanten zu ermuntern, wie nie zuvor.  Einige Musterbeispiele.<span id="more-637219"></span></p>
<p>Beispiel 1.  Spekulant Pedro Peligro leitet eine spanische Spezialbank und lacht am Telefon gerade seinen Kollegen Ricardo Recaudo, Leiter einer Konkurrenzbank, aus.  Der hatte nämlich noch vor vier Wochen aus Sorge um den Wert seiner Aktiva Absicherungen für seine spanischen und griechischen Staatspapiere gekauft.  Peligro dagegen hatte alle Warnungen in den Wind geschlagen, und stattdessen seine nackten, ungesicherten Käufe dieser Papiere noch gesteigert: die Zinsen sind gut, und wenn die Papiere zahlen, dann verdient Peligro’s Bank wunderbar!  Und wenn nicht – na, das ist dann nicht mehr sein Problem, oder?  Verrückte und riskante Spekulation, hatte Recaudo argumentiert: Peligro riskiert damit das Überleben seiner Bank!</p>
<p>Die Politik hat entschieden: Peligro hatte Recht und mächtig verdient.  Recaudo dagegen muß seine herben Verluste auf den Absicherungen seinen Anteilseignern erklären.  Denn: Frankreich und Deutschland garantieren jetzt erst einmal die spanischen Papiere, und zudem werden sie jetzt von Trichet gekauft.  Peligro erzählt Recaudo gerade von seinen nächsten Plänen: Verdopplung aller Wetten!  Es ist ja immer noch ein Zinsabstand da, aber die Politik wird ihn schon heraushauen, sollten sich die Dinge verschlechtern.  Also: leihen was das Zeug halt, und die Risikopositionen in spanischen und griechischen Papieren ausbauen, bis zur absoluten Grenze!  Damit kann Peligro jetzt richtig Geld verdienen – vorausgesetzt, Frankreich und Deutschland steigen aus diesem Staatsgarantie-Roulette nicht doch wieder aus.  Recaudo denkt sich, vielleicht hat Peligro recht: er wird sich diese Strategien jetzt doch genauer anschauen, nachdem er zuvor mit seiner auf Sicherheit bedachten Strategie viel Geld verloren hatte. </p>
<p>Beispiel 2: Spekulant Claudio Cambio arbeitet für einen auf internationale Wertpapiere und Wechselkursbewegungen spezialisierten Fond in Italien.  Seine Aufgabe war vor allem, die europäische Zentralbank zu beobachten, EZB Entscheidungen vorherzusagen und, falls profitabel, Positionen einzunehmen, die auf ein Ende des Euro spekulieren.  Seine Arbeit war viele Jahre lang frustrierend.  Duisenberg und Issing haben aus der EZB eine leicht vorhersagbare, verlässliche Zentralbank gemacht.  Kein leichtes Brot für Cambio, hier irgendwo mal ein Krümelchen zu finden, wo er den EZB-Ankündigen voraus sein konnte.  Und ein Ende des Euro: das galt als verrückte Idee.  Die Kosten einer Position hier lohnten den möglichen Ertrag einfach nicht.  Aber jetzt hat sich alles geändert!  Trichet ändert seine Politik nur wenige Tage nach gegenläufigen Ankündigungen, siehe den Ankauf riskanter Staatspapiere.  Wohin die EZB gehen wird, kann nicht mehr aus den EZB-Ankündigungen und sicher nicht mehr aus den Reden Trichets geschlossen werden.  Und über das Ende des Euro wird inzwischen überall offen geredet und spekuliert: unwahrscheinlich, ja, aber unmöglich?  Sicher nicht Die EZB ist unzuverlässig geworden, jeder macht jetzt andere Vorhersagen.  Keiner weiß mehr genau, was sie in Zukunft machen wird.  Die Stunde des Claudio Cambio hat geschlagen, er ist in seinem Element!  Er hat seinen Chef überzeugt, hier einige hundert Millionen Euro zu wetten, denn er hat sich etwas überlegt, wohin die Reise gehen wird.  Vielleicht zahlt es sich für ihn aus.</p>
<p>Beispiel 3: Spekulant Volker Vola arbeitet für eine deutsche Bank.  Er verdient sein Geld mit Kontrakten, die kurzfristig divergierende Meinungen auf dem Markt ausnutzen: er verdient an Volatilität.  Das war Anfang April kein gutes Geschäft: da war der deutsche Volatilitäts-Index VDax so niedrig wie nie zuvor.  Aber jetzt läuft das Geschäft fantastisch!  Seit den Beschlüssen auf europäischer und deutscher Ebene zur “Rettung” des Euro ist Unsicherheit im deutschen Aktienmarkt auf Niveaus gestiegen wie zuletzt zur Hochzeit der Weltfinanzkrise Ende 2008 und Anfang 2009: wunderbar!  Meinungen divergieren wieder, Meinungen gehen auseinander, Aktienmärkte schwanken wie zuletzt vor eineinhalb Jahren.  Wohin gehen sie?  Auf welche Richtung lohnt es sich zu spekulieren?  Endlich kann Volker Vola wieder richtig Geld verdienen.  Er hat gerade seinen Chef überzeugt, daß seine Abteilung der Volatilitäts-Spekulanten unbedingt zwanzig neue und hochbezahlte Finanzspezialisten braucht, denn die europäische Politik und damit dieser Markt bleibt weiter spannend.</p>
<p>Beispiel 4: Spekulant Berthold Blass hat inzwischen Glück.  Seine Spezialaufgabe ist die Identifikation von Überbewertungsphasen auf diversen Märkten.  Blass soll auf das Moment solcher Märkte wetten: wenn es nach oben geht, geht es vielleicht noch eine Weile länger nach oben, bevor es zum Crash kommt: am Anfang rein, und vor dem Crash raus, damit lässt sich Geld verdienen!  Nur bisher beobachteten auch andere diese Bewegungen.  Da gab es noch viele Hedge Fonds im Markt, die bei Überbewertungen in den von Blasé beobachteten Märkten Leerverkäufe durchführen, also auf ein Fallen der Märkte wetten – und damit kann so eine richtig schöne Überbewertung und so eine richtig schöne, vom Moment getriebene, spekulative Blase gar nicht zustande kommen.   Aber Blass darf jetzt hoffen!  Denn die Bundesregierung hat inzwischen &#8220;ungedeckte Leerverkäufe&#8221; verboten.  Sie will zudem Transaktionen auf Finanzmärkten besteuern – also werden Wertpapierbesitzer nicht mehr bei kleinen Überbewertungen aussteigen.  Und dann gibt es kaum noch etwas, was diese spekulativen Blasen aufhalten kann!   Die Zukunft ist der Blass-Abteilung sieht also rosig aus.  Blass darf jedenfalls jetzt ebenfalls erst einmal zusätzlich Leute einstellen.</p>
<p>Na gut, diese Geschichten sind frei erfunden.  Aber Ähnlichkeiten mit tatsächlich lebenden Personen sind sicher nicht rein zufällig!</p>
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		<title>Die Trichetisierung des Euro</title>
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		<pubDate>Wed, 12 May 2010 07:44:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Prof. Harald Uhlig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinschaftswährung]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich fasse es nicht. Wie ist es möglich, dass ein einzelner Politiker innerhalb eines Wochenendes eine mühsam geschaffene Institution so an die Wand fahren kann? Es fing langsam an: die EZB hat zunehmend Schrott (wie etwa: griechische Staatsanleihen) als “Sicherheiten” für ihre Repo-Geschäfte mit den Banken akzeptiert. Schrott als hochsicheres Unterpfand!? Wie war das noch [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ich fasse es nicht. Wie ist es möglich, dass ein einzelner Politiker innerhalb eines Wochenendes eine mühsam geschaffene Institution so an die Wand fahren kann?</p>
<p>Es fing langsam an: die EZB hat zunehmend Schrott (wie etwa: griechische Staatsanleihen) als “Sicherheiten” für ihre Repo-Geschäfte mit den Banken akzeptiert. Schrott als hochsicheres Unterpfand!? Wie war das noch mit den viel beschimpften Rating-Agenturen, die Derivative aus Schrott-Anleihen auf dem Hypotheken-Markt zu AAA hochhoben? Das kann man dagegen noch relativ leicht verteidigen!<span id="more-637186"></span></p>
<p>Die EZB mag sagen, na ja, wir nehmen ja einen “haircut”, wir nehmen mehr Schrott, damit wir auch wirklich sicher sind. Nee, liebe EZB: Schrott ist Schrott. Auch aus einem riesigen Haufen wird daraus von selbst kein neuer Porsche. Man kann vielleicht noch Aspekte finden, dass es in Zeiten einer Bankenkrise sinnvoll sein kann, auch fragwürdige Titel als “Sicherheiten” zu nehmen, um systemische Bankruns zu vermeiden: das ist alles nicht gut genug erforscht, um hier sichere Schlußfolgerungen zu ziehen. Vielleicht grenzwertig noch ok, mit viel gutem Willen. Aber noch einmal: es geht dann um die Banken, um das Finanzsystem<!-- -->, nicht um ein griechisches oder spanisches Fiskalproblem.</p>
<p>Doch jetzt? Meldung letzte Woche: Trichet behauptet steif und fest, der Ankauf von Staatspapieren sei nicht einmal diskutiert worden, kommt nicht in die Tüte, kommt nicht in Frage, auf gar keinen Fall. Die Märkte und Journalisten haben ihm das da schon nicht ganz geglaubt. Übersetze: die viel-beschimpften Spekulanten haben darauf spekuliert, daß Trichet uns da vielleicht nicht so super-präzise die Wahrheit gesagt hat. Haben diese Spekulanten nun recht behalten? Oder diejenigen, die auf die Verlässlichkeit der EZB setzen?</p>
<p>Die Antwort wissen wir jetzt. Meldung diese Woche: Trichet liebt plötzlich den direkten Ankauf! Nach dem EU-Absicherungsbeschluß, ja, jetzt kauft er die! Es ist grundsätzlich nichts gegen direkte Offenmarktgeschäfte einer Zentralbank zur Kontrolle der Geldmenge einzuwenden, nur in diesem Fall ist doch klar, was passiert: diese neue Politik ist ausschließlich dazu da, die angeschlagenen Staatspapiere zu stützen! Sprich: mit der Notenpresse fiskalische Probleme zu lösen! Andernfalls hätte eine solche Politik-Änderung in ruhige Zeiten gehört. Doch nicht jetzt!</p>
<p>Also: Geld drucken, um Fiskalprobleme zu lösen. Schon mal gehört? Wie war das mit den Hyperinflationen in Deutschland? Oder mit den riesigen Inflationsraten in Russland nach dem Fall des eisernen Vorhangs? Oder, oder …? Kommt Ihnen bekannt vor? Mir auch.</p>
<p>Zum Glück: von einer Hyperinflation in Euro sind wir noch weit entfernt . Noch. Wer weiß, was Trichet sonst noch einfällt. Angeschlagen ist die EZB auf alle Fälle. Reputation erwirbt man sich langsam und mühsam, man zerstört sie in kürzester Zeit. Trichet hat unter Beweis gestellt: die EZB ist politisch am Gängel der butterweichen Schuldenländer in Europa und ihrer Politiker und nicht mehr unabhängig. Trichet hat unter Beweis gestellt, dass jedes Wort aus seinem Mund bedeutungslos ist. Wer in solch einer wichtigen Frage in so kurzer Zeit eine 180-Grad Wendung macht, ist nicht mehr glaubwürdig. Viel Spaß dann noch, die EZB-Entscheidungen in Zukunft glaubhaft zu kommunizieren! Viel Freude dabei, Erwartungen zu beeinflußen, Herr Trichet! Denn von nun rennen Sie nur noch hinterher. Auf Sie hört keiner mehr, was die zukünftige EZB anbelangt! Die Spekulanten haben von nun an das Wort.</p>
<p>Vielleicht will er die Deutschen möglichst schnell überzeugen, aus dem Euro auszutreten? Mich würde nicht wundern, wenn diese Minderheitsmeinung jetzt (zudem nach dem EU-Fond-Beschluss vom Wochenende) rasant an Fahrt aufnimmt. Ich bin selbst dabei, hier meine Meinung zu ändern. Diese EZB-Politik ist unfassbar. Zum Glück bleibt der Wechselkurs (bisher) noch ruhig. Die Ruhe vor dem Sturm?</p>
<p>Der Schaden an der EZB und am Euro ist jedenfalls da, und die Glaubwürdigkeit ist weg. Der Euro wurde trichetisiert! Schönes neues Wort, oder?</p>
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