» 12. Mai 2010, 09:44 Uhr

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Die Trichetisierung des Euro

Ich fasse es nicht. Wie ist es möglich, dass ein einzelner Politiker innerhalb eines Wochenendes eine mühsam geschaffene Institution so an die Wand fahren kann?

Es fing langsam an: die EZB hat zunehmend Schrott (wie etwa: griechische Staatsanleihen) als “Sicherheiten” für ihre Repo-Geschäfte mit den Banken akzeptiert. Schrott als hochsicheres Unterpfand!? Wie war das noch mit den viel beschimpften Rating-Agenturen, die Derivative aus Schrott-Anleihen auf dem Hypotheken-Markt zu AAA hochhoben? Das kann man dagegen noch relativ leicht verteidigen!

Die EZB mag sagen, na ja, wir nehmen ja einen “haircut”, wir nehmen mehr Schrott, damit wir auch wirklich sicher sind. Nee, liebe EZB: Schrott ist Schrott. Auch aus einem riesigen Haufen wird daraus von selbst kein neuer Porsche. Man kann vielleicht noch Aspekte finden, dass es in Zeiten einer Bankenkrise sinnvoll sein kann, auch fragwürdige Titel als “Sicherheiten” zu nehmen, um systemische Bankruns zu vermeiden: das ist alles nicht gut genug erforscht, um hier sichere Schlußfolgerungen zu ziehen. Vielleicht grenzwertig noch ok, mit viel gutem Willen. Aber noch einmal: es geht dann um die Banken, um das Finanzsystem, nicht um ein griechisches oder spanisches Fiskalproblem.

Doch jetzt? Meldung letzte Woche: Trichet behauptet steif und fest, der Ankauf von Staatspapieren sei nicht einmal diskutiert worden, kommt nicht in die Tüte, kommt nicht in Frage, auf gar keinen Fall. Die Märkte und Journalisten haben ihm das da schon nicht ganz geglaubt. Übersetze: die viel-beschimpften Spekulanten haben darauf spekuliert, daß Trichet uns da vielleicht nicht so super-präzise die Wahrheit gesagt hat. Haben diese Spekulanten nun recht behalten? Oder diejenigen, die auf die Verlässlichkeit der EZB setzen?

Die Antwort wissen wir jetzt. Meldung diese Woche: Trichet liebt plötzlich den direkten Ankauf! Nach dem EU-Absicherungsbeschluß, ja, jetzt kauft er die! Es ist grundsätzlich nichts gegen direkte Offenmarktgeschäfte einer Zentralbank zur Kontrolle der Geldmenge einzuwenden, nur in diesem Fall ist doch klar, was passiert: diese neue Politik ist ausschließlich dazu da, die angeschlagenen Staatspapiere zu stützen! Sprich: mit der Notenpresse fiskalische Probleme zu lösen! Andernfalls hätte eine solche Politik-Änderung in ruhige Zeiten gehört. Doch nicht jetzt!

Also: Geld drucken, um Fiskalprobleme zu lösen. Schon mal gehört? Wie war das mit den Hyperinflationen in Deutschland? Oder mit den riesigen Inflationsraten in Russland nach dem Fall des eisernen Vorhangs? Oder, oder …? Kommt Ihnen bekannt vor? Mir auch.

Zum Glück: von einer Hyperinflation in Euro sind wir noch weit entfernt . Noch. Wer weiß, was Trichet sonst noch einfällt. Angeschlagen ist die EZB auf alle Fälle. Reputation erwirbt man sich langsam und mühsam, man zerstört sie in kürzester Zeit. Trichet hat unter Beweis gestellt: die EZB ist politisch am Gängel der butterweichen Schuldenländer in Europa und ihrer Politiker und nicht mehr unabhängig. Trichet hat unter Beweis gestellt, dass jedes Wort aus seinem Mund bedeutungslos ist. Wer in solch einer wichtigen Frage in so kurzer Zeit eine 180-Grad Wendung macht, ist nicht mehr glaubwürdig. Viel Spaß dann noch, die EZB-Entscheidungen in Zukunft glaubhaft zu kommunizieren! Viel Freude dabei, Erwartungen zu beeinflußen, Herr Trichet! Denn von nun rennen Sie nur noch hinterher. Auf Sie hört keiner mehr, was die zukünftige EZB anbelangt! Die Spekulanten haben von nun an das Wort.

Vielleicht will er die Deutschen möglichst schnell überzeugen, aus dem Euro auszutreten? Mich würde nicht wundern, wenn diese Minderheitsmeinung jetzt (zudem nach dem EU-Fond-Beschluss vom Wochenende) rasant an Fahrt aufnimmt. Ich bin selbst dabei, hier meine Meinung zu ändern. Diese EZB-Politik ist unfassbar. Zum Glück bleibt der Wechselkurs (bisher) noch ruhig. Die Ruhe vor dem Sturm?

Der Schaden an der EZB und am Euro ist jedenfalls da, und die Glaubwürdigkeit ist weg. Der Euro wurde trichetisiert! Schönes neues Wort, oder?

» 12. Mai 2010, 09:44 Uhr