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Bertelsmann und die Rache des Internets

Hartmut Ostrowski kennt keine falsche Rücksichten.

Der Chef von Europas größtem Medienkonzerns Bertelsmann verschont auch die eigene Zentrale in Gütersloh nicht. Die Hauptverwaltung an Carl-Bertelsmann-Straße in dem ostwestfälischen Städtchen muss bluten. In den kommenden Monaten werden sich in dem Gebäude mit den Charme einer AOK-Filiale die Gänge leeren. Rund jeder fünfte Mitarbeiter muss dort gehen. 130 der 692 Mitarbeiter werden im „Corporate Center“ abgebaut. Bertelsmann spart so im Jahr 25 Millionen Euro.

Klar, die Krise erreicht auch das Bertelsmann-Herzstück. Ostrowski hat bereits in den vergangenen Monaten keinen Hehl daraus gemacht, dass auch das „Corporate Center“ nicht verschont wird.

Bei den Konzerntöchtern werden die einmaligen Personalmaßnahmen in Gütersloh mit einer gewissen Genugtuung verfolgt. Denn außerhalb Güterslohs regiert bereits schon länger der unbarmherzige Rotstift. Erst gestern bekam das die Zeitschriftentochter Gruner + Jahr („Stern“, „Geo“) zu spüren: Das Hamburger Verlagshaus baut in seiner Not die Vermarktung um. Daher werden offenbar rund 85 der 280 Stellen in diesem Bereich gestrichen.

Bertelsmann will sich durch die Krise sparen. Ob das gelingt? Der Konzern stöhnt und ächzt unter den Vorgaben der Gütersloher. Allein in diesem Jahr sollen die Kosten um 900 Millionen Euro gesenkt werden. Das ist selbst Bertelsmann-Verhältnisse eine riesige Summe. So etwas gab es in der Geschichte des einst so erfolgreichen Medienriesen noch nie.

Derzeit läuft im Konzern, der im ersten Halbjahr rote Zahlen schrieb, wenig rund. Die Werbekrise und die Rezession schlagen bei allen Konzerntöchtern zu. Der Medien- und Druckdienstleister Arvato spürt die miserable Konjunktur genauso wie Gruner + Jahr, die Buchklubs oder Random House. Besonders schwer ist die RTL Group gebeutelt. Europas größter Fernsehkonzern ist ein Opfer der stark rückläufigen Werbeeinnahmen. Ob die guten Zeiten wieder zurückkehren, erscheint immer unwahrscheinlicher.

Denn der Werbekuchen wird derzeit neu verteilt. In Großbritannien hat gerade das Internet das Fernsehen als wichtigsten Werbeträger abgehängt. Erstmals haben in einem europäischen Land die Online-Medien die Fernsehsender überrundet. Andere Märkte werden diesem Trend womöglich schon bald folgen. Dabei steht und fällt Bertelsmann mit dem Erfolg von RTL. Die Fernsehsender von Madrid bis Moskau sind schließlich seit Jahren der wichtigste Gewinnbringer der Gütersloher.

Für Bertelsmann hätte die unerwartet schnelle Veränderungen im Werbeverhalten drastische Folgen. Über Jahre haben die Gütersloher dem Internet zu wenig Bedeutung geschenkt. Zuletzt haben sie sogar eine zukunftsträchtige Softwarefirma wie Empolis an den SAP-Gründer Klaus Tschira verkauft. Im internationalen Online-Geschäft ist Bertelsmann seit Jahren mehr Zuschauer als Akteur. Das kann sich nun bitter rächen.

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Random House schlittert in die Krise

Das Kreuz mit den Büchern. Der weltgrößte Buchkonzern Random House verfehlte im ersten Halbjahr seine Umsatz- und Gewinnziele. Die operative Gewinn (Ebit)der Tochter des Medienkonzerns Bertelsmann brach um knapp 30 Prozent auf 31 Mill. Euro (Vorjahreszeitraum: 44 Mill.) ein. Die Erlöse des Branchenprimus gingen um knapp acht Prozent auf nur noch 766 Mill. Euro zurück. Im Vorjahreszeitraum erzielte der in New York ansässige Konzern noch 831 Mill. Euro.

Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski machte heute bei der Vorlage der Halbjahreszahlen gestern die schlechte Konjunktur und den schwachen Dollar für das miserable Abschneiden des weltgrößten Publikumsverlags mit mehr als 5800 Mitarbeitern verantwortlich.

Die Zahlen sind umso verblüffender, weil der global wichtigste Buchmarkt in den USA weiter wächst. Nach Angaben der Marktforschungsfirma Datamonitor wuchs der US-Buchmarkt mit Umsätzen von insgesamt 55,5 Mrd. Dollar im vergangenen Jahr um jährlich drei Prozent. „Dieser Trend wird sich erwartungsgemäß über die nächsten Jahre bis 2012 fortsetzen“, analysieren die Brancheexperten.

Um Random House mit einer gewärtigen Umsatzrendite von nur noch vier Prozent wieder auf einen Wachstumskurs zurück zu führen, hat sich Bertelsmann-Chef Ostrowski seinen engen Vertrauten Markus Dohle in die New Konzernzentrale geschickt. Ostrowski und Dohle kennen sich aus den gemeinsamen Zeiten beim Mediendienstleister Arvato exzellent. Dohle löste den alt gedienten Random House-Chef Peter Olson ab.

Heute schrieb Dohle einen zweiseitigen Brief an seine Mitarbeiter weltweit. "Ich möchte Sie wissen lassen, dass ich wirklich Ihre Bemühungen in diesen wirtschaftlichen Zeiten schätze", schreibt der frühere Druckexperte an seine Angestellten. Denn die Nervosität in der Belegschaft ist groß. Gar mancher glaubt, dass Bertelsmann Teile des Buchkonzerns verkaufen könnten. Dohle verteilt daher Beruhigungspillen. "Ich kann Ihnen versichern, dass wir auch weiterhin die Unterstützung für Random House und seine Mitarbeiter von unserem Eigner, unseren Vorstandschef Hartmut Ostrowski und den gesamten Management haben", formuliert Dohle. Na dann ist ja die Bücherwelt in Ordnung!

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Constantin-Chef Kogel setzt auf den RAF-Film

Ende des Jahres wirft Fred Kogel bei der Constantin Film das Handtuch. Der langjährige Filmmanager will es aber noch einmal wissen. Am liebsten würde der 49Jährige eine Rekordbilanz vorlegen. Doch das wird nicht einfach. Über Erfolg und Nichterfolg entscheidet der "Baader-Meinhof-Komplex". Der komplizierte RAF-Film, der Ende September in den deutschen Kinos anläuft, entscheidet über Kogels Abgang.

Die Verfilmung des Bestsellers des früheren "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust war für die Constantin bislang ein teures Vergnügen. Produzent Bernd Eichinger investierte in das Terror-Epos einen zweistelligen Millionen-Betrag. Nun will Constantin Kasse machen. Als ich heute mit Fred Kogel sprach, hängte er die Erfolgslatte ziemlich hoch. Der Film soll noch mehr Zuschauer in die Kinos locken als der Blockbuster "Die Welle". Diesen Streifen sahen immerhin 2,6 Millionen Zuschauer.

Doch selbst wenn die konzerneigene Messlatte von der Eichinger-Produktion nicht übersprungen werden sollte, kann Kogel durchaus mit Stolz geschwellter Brust die Konzernzentrale in Münchener Stadtteil Schwabing verlassen. Denn heute steht die Constantin als größter konzernunabhängiger Filmkonzern auf einem festen Fundament. Der Aufbau eines TV-Produktionsgeschäfts, das Kogel konsequent betrieb, macht das Geschäft berechenbar und solide. Durch die Internationalisierung des Geschäft gibt es sogar ein wenig Phantasie. Zuletzt ist die Constantin nach Polen, Kroatien und in die Türkei expandiert.

Es wird spannend sein, wenn der bisheriger Aufsichtsratschef Bernhard Burgener bei der Constantin den Chefsessel übernimmt. Wird es einen Richtungswechsel geben? Kommt es zu einem Delisting an der Börse? Zieht EM-Großaktionär Leo Kirch am Ende die Fäden?

Burgener wird alle Hände voll zu tun haben. Denn der Schweizer übernimmt bereits im September dem Vorstandsvorsitz des Medienunternehmens EM Sport, der über die Filmfirma Highlight, rund 95 Prozent der Aktien an der Constantin gehören. Sozusagen im Nebenjob macht er dann auch noch die Constantin. Mal sehen, ob diese Konstellation wirklich eine gute Idee ist.

Fred Kogel freut sich unterdessen auf die Freiheit. Endlich wieder Unternehmer – so lautet seine Devise. Auf dem heißen Stuhl als Chef des Krisen geschüttelten Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat 1 hat der Medienmillionär keine Lust. Warum auch? Mit über drei Milliarden Euro Schulden ist das Unternehmen wie eine Schildkröte auf dem Rücken. Manager von der Kragenweite eines Kogels wissen das und winken dankend ab.

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Wir alle sind Oscar

Florain Henkel von Donnersmarck ist nicht nur ein exzellenter Regisseur, sondern auch ein glänzender Lobbyist in eigener Angelegenheit. Ein Oscar in Hollywood fällt nicht vom Himmel. Auch ein überdurchschnittlicher Film alleine reicht nicht aus. Um die höchste Auszeichnung der Filmbranche zu erhalten, ist viel, sehr viel PR notwendig. Donnersmarck hat nicht nur eine entsprechende Agentur in Los Angeles beauftragt, die exzellente Arbeit geleistet hat, sondern auch er selbst hat auf keiner Party, auf keinen Empfang oder Event gefehtl. Dort war er mit einer Körpergröße von 2,05 Metern einfach nicht zu übersehen. Große Männer, große Preise? Die Begeistung im grauen Deutschland ist auf alle Fälle riesig. Wir sind Papst, wir sind Handball-Weltmeister, wir alle sind Oscar.

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Springer mag es billig

Der Medienkonzern Axel Springer und der Essener Handelbkonzern Karstadt Quelle starten von Düsseldorf aus, eine gemeinsame Internetfirma. Was das neueUnternehmen im Web verkaufen soll, ist noch streng geheim. Die Konkurrenten sollen nicht wach gerüttelt werden. In Karstadt-Kreisen ist unterdessen von Sportartikeln die Rede, die man über die "Sport-Bild" prima promoten könne. Springer will dies aber auf Anfrage nicht bestätigen und verweist auf sein Schweigegelübde.

Nur eines ist klar: Springer steigt gratis in die Online-Handelsplattform ein. Denn Angaben zufolge wird Karstadt Quelle  mit einem Anteil von 74,9 Prozent die unternehmerische Führung der neuen Gesellschaft übernehmen.  Die restlichen 25,1 Prozent werden von Springer gehalten. Doch dieser Anteil kostet Springer-Chef Mathias Döpfner keinen Cent. Denn Springer bringt in das Joint-Venture nur Medialeistung an. Das heißt, es gibt in "Bild" und anderen Blättern des Konzerns kostenlosen Anzeigenplatz für die gemeinsame Firma. So lässt sich die Digitalisierung des Printkonzerns leicht finanzieren. Das Web 1.0 lässt grüßen.

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Vanity Fair sucht nach Aktualität

Die deutsche Ausgabe der "Vanity Fair" kommt wie ein Monatsmagazin daher. Wer das erste Heft aus dem US-Verlagskonzerns Condé Nast durchblättert, muss verstört feststellen: Aktueller Journalismus – Fehlanzeige! Chefredakteur Ulf Poschardt und seine Redaktion aus Berlin-Mitte haben leider kein zeitnahes Wochenheft mit provokanten Themen gemacht. Bei so wenig Aktualität kann sich das Etablisment von Gruner + Jahr und Burda durchaus beruhigt zurück lehnen. Denn "Stern" und "Gala", so hört man in Hamburg, haben noch manche Aktualitäts-Pfeile im Köcher, um die ungeliebte neue Konkurrenz in Schach zu halten. Der Kampfpreis von einem Euro kann auf Dauer verwöhnte Leser von "Vanity Fair" nicht überzeugen. Ohne Aktualität droht  das Heft publizistisch nicht abzuheben. Doch noch gibt es ja viel Zeit, journalistisch das Blatt zu wenden.

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