Ganz Chicago wartet auf den 2. Oktober. Dann entscheidet das Internationale Olympische Komitee (IOC) über die Sommerspiele 2016. Die "Windy City" am Michigan See geht als Favorit ins Rennen um die Austragung. Aber auch Tokio und Rio de Janeiro rechnen sich noch Chancen aus.
Für die deutschen Fernsehsender ist die Vergabe der Spiele nach Übersee wegen des Zeitunterschieds grundsätzlich eine schlechte Nachricht. Schon die Coca-Cola-Sommerspiele in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia 1996 zeigten, wie sehr das Zuschauerinteresse hierzulande unter der Zeitdifferenz leidet.
Der Bezahlsender Sky (früher Premiere) kann die Entscheidung der Herren der olympischen Ringe in knapp zwei Wochen in aller Ruhe abwarten. Denn der Pay-TV-Konzern des amerikanischen Medienriesen News Corp. ist auf die Live-Übertragung nicht angewiesen. Die Olympischen Spiele sind als einmaliges, vorübergehendes Ereignis nicht dazu geeignet, neue Abonnenten anzulocken.
Natürlich hat der Bezahlsender des Medientycoons Rupert Murdoch für die Olympia-Rechte ähnlich wie ARD und ZDF seinen Hut in den Ring geworfen. Sky soll rund 100 Millionen Euro aufgerufen haben. Den größten Teil dieser Summe müsste sich der seit seiner Gründung defizitäre Pay-TV-Konzern aber aus dem Weiterverkauf an ARD und ZDF zurückholen. Denn Sky wäre beim Erwerb der Sommerspiele verpflichtet, 200 Stunden an das frei empfangbare Fernsehen abzugeben. Weil aber ARD und ZDF die einzigen Mitbieter sind, würde sich Sky damit in eine denkbar schlechte Verhandlungsposition bringen. Der Konzern wäre auf Gedeih und Verderb den Anstalten ausgeliefert.
Für IOC-Vizepräsident Thomas Bach soll der Verkauf der TV-Rechte zu einem Meisterstück werden. Der Anwalt aus dem fränkischen Tauberbischofsheim will schließlich IOC-Präsident werden. Doch vielleicht hat sich der Ehrenbürger seiner Heimatgemeinde verrechnet. Sky braucht sich nicht in einen Bieterkampf ohne Grenzen drängen zu lassen. Denn für den Konzern ergibt der Kauf der Rechte ökonomisch keinen Sinn. Die Kosten sind nicht refinanzierbar.
Der Bezahlsender mit derzeit knapp 2,4 Millionen Kunden hat längst die richtigen Sportrechte im Portfolio. Das sind neben der Fußball-Bundesliga die Champions League und der DFB-Pokal. Angesichts schlechter Geschäftszahlen muss das Unternehmen ohnehin jeden Euro zweimal umdrehen. Im vergangenen Quartal stieg der Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf minus 63 Millionen. Der Umsatz ging auf knapp 231 Millionen Euro zurück.
Selbst wenn Sky beim Olympia-Rechtepoker leer ausgeht, werden die Abonnenten wahrscheinlich nicht in die Röhre gucken. Denn auf der Plattform von Sky sendet auch Eurosport. Der Kanal des französischen Fernsehkonzerns TF 1 berichtet bereits seit 1992 live über die olympischen Wettkämpfe. Warum sollte das bei den Olympischen Spielen 2016 anders sein? » Weiterlesen
