In der nächsten Woche legt Bertelsmann seine mit Spannung erwartete Jahresbilanz vor. Die Zahlen bei Arvato sollen ziemlich durchwachsen sein, berichten Konzerninsider. Doch bevor das Zahlenwerk im Berliner Luxushotel Hyatt vom Konzernchef Hartmur Ostrowski präsentiert wird, kehren die Gütersloher nochmals durch.
Überraschend trennt sich nun Europas größter Medienkonzern von seiner Softwareschmiede Empolis. Der Verkauf des jahrelangen Hoffnungsträger von Arvato sei "aus strategischen Gründen "notwendig geworden. „Wir sind kein Softwarehaus“, hieß es in Gütersloh zur Begründung.
Käufer ist die in der Schweiz ansässigen Holding Attensity Empolis Europe AG des Investor Ian Bonner, der seine weltweite Geschäfte vom texanischen Dallas aus lenkt. Der vom früheren IBM-Manager und heutigen Vorstandschef geführte Datenmanagementkonzern Attensity Empolis übernimmt rückwirkend zum 1. Januar 2009 alle Anteile des Unternehmens, das auf Software für semantische Analysen spezialisiert ist.
Viel Erfolg hatte Bertelsmann mit Empolis nicht, denn die Firma ist ertragsschwach. Das Unternehmen schreibt nach Angaben von Schweizer Investorenkreisen gerade eine „schwarze Null“. Empolis beschäftigt in Gütersloh, Kaiserslautern, Würzburg und Poznan (Polen) 200 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Umsatz von rund 30 Mio. Euro. Das berichten Unternehmenskreise.
Mit dem Verkauf von Empolis gibt die Bertelsmann-Tochter Arvato einen weiteren Hoffnungsträger auf. Die Druck- und Mediendienstleistungstochter soll nach den Plänen von Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski zu einer Ertrags- und Wachstumsperle werden. Doch offenbar kann Arvato die hoch gesteckten Erwartungen immer weniger erfüllen. Arvato-Chef Rolf Buch hat derzeit viele Probleme zu lösen. Der Druckkonzern Prinovis mit einem Umsatz von rund einer Mrd. Euro kämpft gegen das Abrutschen in die Verlustzone. Auch die Hoffnungen auf einen Milliardenmarkt durch die Übernahme von kommunalen Dienstleistungen in Deutschland haben sich zerschlagen.
Auch mit den Zahlen für das abgelaufene Jahr soll Arvato angeblich nicht gerade glänzen. Schon im Jahr 2007 stockte das Wachstum von Arvato. Der operative Betriebsgewinn (Ebit) ging um eine Mill. Euro auf 366 Mio. Euro zurück.
Empolis wird nach dem Verkauf Teil des neuen Datenmanagementkonzerns Attensity Empolis Europe AG. „Bonner will eine SAP für semantische Technologie schaffen“, sagte ein Vertrauter in Zürich. „Deshalb ist er auch weiter auf Shoppingtour.“ Bonner – ein Manager mit einer Schwäche für Hawaii-Hemden – will nun offenbar in den USA dazu kaufen.
Bertelsmann-Manager Stefan Wess bleibt unterdessen weiter Chef von Empolis. Die Firma soll weiter wachsen. Zuletzt hatte Empolis IT-Spezialisten von Lycos Europe, dem gescheiterten Internetunternehmen des Bertelsmann-Erben Christoph Mohn, übernommen
In Deutschland wurde gebürtige Südafrikaner Bonner durch den Verkauf der kalifornischen Softwarefirma Inxight bekannt. Die ebenfalls von ihm geführte Firma wurde vor zwei Jahren an die Firma Business Objects verkauft, die mittlerweile zum Softwareriesen SAP gehört.
Zu Bonners neuem Imperium gehört seit wenigen Monaten auch die Karlsruher Softwarefirma Living-e, die bis Dezember vom SAP-Gründer Klaus Tschira mehrheitlich kontrolliert wurde. Doch Tschira habe aufgrund der Finanzkrise kein weiteres Geld mehr zur Verfügung gestellt, sagte einer seiner Berater. Deshalb sei das Übernahmeangebot von Bonner zur rechten Zeit gekommen.
Mit dem Verkauf von Living-e zu einem symbolischen Preis von einem Euro sei die Schließung des seit 2006 börsennotierten Unternehmens verhindert worden. Zudem hat sich Tschira, nach Angaben eines Vertrauten, das Recht gesichert, Anteile am neuen Software-Konzern Attensity Empolis zu erwerben. Ein Bertelsmann-Insider sagte: „Für uns ist es eine gute Nachricht, dass mit Tschira ein deutscher Investor bei Attensity Empolis Europe bald an Bord kommen wird.“. Doch Tschira hat nicht immer ein glückliches Händchen mit Investments bewiesen. Das Software-Unternehmen Living-e ist dafür ein Beweis. Für die Aktionäre war die Beteiligung bislang ein Grund zur Depression.

