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Sky: Egomanie führt in den Untergang

Als Leo Kirch vor knapp 22 Jahren im beschaulichen Oldenburg das erste Bezahlfernsehen in Deutschland aus der Taufe hob, war die Zuversicht riesig. Der fränkische Winzersohn blickte damals neidisch nach Frankreich. Dort hatte Canal Plus bereits zwei Millionen Abonnenten.

Doch Leo Kirch unterlag einem Irrtum. Deutschland ist nicht Frankreich. Sein Bezahlfernsehen – damals noch unter der Marke “Premiere” – entwickelte sich zum Milliardengrab. Das war einer der Hauptgründe für den Zusammenbruch seines Medienimperiums im Frühjahr 2002.

Scheitert ein weiterer Medientycoon am deutschen Bezahlfernsehen? Rupert Murdoch kaperte im Januar 2008 Kirchs ehemaliges Lieblingsspielzeug. Der Einstieg von Murdoch über seinen Konzern News Corp. wurde in der trostlosen Unterföhringer Konzernzentrale damals mit Erleichterung aufgenommen. Denn Murdoch hatte mit BSkyB das Bezahlfernsehen in Großbritannien zu einer Erfolgsgeschichte gemacht. Der eigenwillige Medien-Milliardär galt als Garant für eine schöne, für eine bessere Zukunft im deutschen Bezahlfernsehen. Mittlerweile herrscht Ernüchterung. Mit immer neuen Geldspritzen hilft der 79-Jährige dem schwer angeschlagenen Sender. Die mittlerweile siebte Kapitalerhöhung seit dem Börsengang vor fünf Jahren soll nun mindestens 340 Millionen Euro in die leeren Kassen von Sky spülen.

Ähnlich wie für Kirch entwickelt sich Sky für Murdoch zu einem Fass ohne Boden. Allein im vergangenen Quartal verlor der Konzern täglich fast eine Million Euro. Angesichts der desolaten Zahlen verlieren immer mehr Aktionäre den Glauben an die Zukunft des Senders. Die desaströse Kursentwicklung spricht Bände. Allein gestern verlor die Aktie rund ein Fünftel ihres Werts.

Mittlerweile ist klar: Weder Rupert Murdoch noch sein Sohn James können zaubern. Das erhoffte TV-Wunder durch Mr. Goldfinger ist ausgeblieben. Der deutsche Fernsehmarkt ist eben ganz anders als der amerikanische, britische, italienische oder indische, wo Murdoch erfolgreich ist. Der Konkurrenzkampf im deutschen Fernsehen ist härter als anderswo in Europa. ARD und ZDF – das öffentlich-rechtliche Zwangs-Pay-TV – decken mit immer neuen Sendern wie ZDF Neo oder ARD Festival auch kleine Nischen ab. Gegen die Finanzstärke des GEZ-Fernsehens kommt Sky nicht an.

Zudem spürt Murdoch die starke Konkurrenz von ganz neuen Wettbewerbern. Die Deutsche Telekom vermarktet beispielsweise seit März vergangenen Jahres ihr Fernsehangebot mit großem Erfolg. Bereits über 1,2 Millionen Abonnenten hat der Konzern für sein Internetfernsehen geworben. Die Telekom benutzt das Bezahl-TV mit Live-Spielen der Fußball-Bundesliga als Türöffner, um ihr Kombi-Angebot aus Telefon, Internet und TV zu verkaufen. Die Vertriebsstärke und den Ehrgeiz des ehemaligen Monopolisten hat Murdoch lange unterschätzt. Während die Telekom in Sieben-Meilen-Stiefeln voranschreitet, hängt Sky durch. Die Münchener zählen derzeit lediglich 2,3 Millionen Kunden. Ursprünglich hatte sich der Sender drei bis 3,4 Millionen Abonnenten erhofft. Inzwischen ist klar: Hollywood, Formel 1 und Fußball reichen auf Dauer nicht aus, das Pay-TV aus der Existenzkrise zu holen.

Als reiner Bezahlsender, der fast komplett auf Abo-Gebühren angewiesen ist, hat Sky auf Dauer keine Chance. Nach fast einem Vierteljahrhundert steht der Konzern vor einer Entscheidung. Eine Möglichkeit ist: Murdoch bleibt dickköpfig, und der Sender probiert es weiter allein mit der Gefahr einer Insolvenz. Die Alternative wäre ein strategischer Partner wie beispielsweise die Deutsche Telekom oder ein Kabelkonzern wie Unitymedia oder Kabel Deutschland (KDG). Schon jetzt macht Sky beispielsweise mit dem Partner Kabel BW gute Erfahrungen. In Baden-Württemberg vermarktet dieser Kabelkonzern höchst erfolgreich den Bezahlsender zusammen mit seinem Internet- und Telefonpaket.

Inhalt und Telekommunikationsinfrastruktur sind wie siamesische Zwillinge. Der eine kann ohne den anderen nicht leben. Wie gut das funktioniert, zeigt John Malone, der sich im Kabel- und Fernsehgeschäft eine goldene Nase verdient. Der Kabel-Cowboy aus Colorado kaufte zuletzt Unitymedia, die Nummer zwei im deutschen Kabelgeschäft.

Der Amerikaner Brian Sullivan, seit vier Monaten Chef von Sky Deutschland, muss völlig neue Wege gehen, um das Überleben seines Konzerns zu sichern. Es reicht nicht, mit eiserner Hand die Kosten zu drücken und für viel Geld neue Film- und Sportrechte einzukaufen. Sullivan muss endlich seinem Dienstherrn Murdoch beibringen, dass er in Deutschland starke Partner aus der Telekom- und Kabelbranche braucht, damit Sky nicht untergeht. Denn unternehmerische Egomanie führt am Ende in den Untergang. Das hat schon Leo Kirch vor Jahren gezeigt.