Das waren noch Zeiten, als es am Fernsehapparat für jedes Programm eine einzelne Taste gab. TV in der analogen Steinzeit war eine ausgesprochen übersichtliche Angelegenheit. Am Ende der Sendezeit zu Mitternacht wurde die deutsche Nationalhymne abgespielt. Aus, Schluss, fertig! Niemand wird sich ernsthaft mehr nach den alten Zeiten des öffentlich-rechtlichen Monopols zurücksehnen, doch die neue Unübersichtlichkeit im digitalen Zeitalter hat auch ihre Schattenseiten. Der Fernsehzuschauer findet sich zwischen Hunderten von Kanälen kaum noch zurecht. Er schaltet ab.
Die Fragmentierung im Fernsehmarkt hat bereits Opfer gefordert. Nicht mehr alle Fernsehsender können wirtschaftlich überleben. Zuletzt hatte Pro Sieben Sat 1 den umstrittenen Quizsender Neun Live wegen wirtschaftlicher Erfolglosigkeit eingestellt. Zuvor starben bereits der Computerspielkanal Giga TV und der Literaturkanal Lettra. Der frühere Spielfilmsender Das Vierte muss sich in einen Einkaufssender verwandeln, um noch zu überleben.
Der Zuschauer fühlt sich offenbar vom riesigen Angebot überfordert. Aus der Forschung wissen wir, dass sich das Interesse weiter auf nur ein Dutzend Kanäle konzentriert. Daran wird sich auch im neuen Zeitalter des hochauflösenden Fernsehens wenig ändern. Eine bessere Bildauflösung ändert noch lange nicht die Sehgewohnheiten.
Der Sender Sky steigert die Verwirrung noch, wenn er für einen Kanal wirbt, den viele seiner Kunden mit ihrem Kabelnetz gar nicht empfangen können. Und dazu kommt das Überangebot: Mittlerweile hat der Bezahlsender 31 HD-Kanäle am Start. Weitere sollen folgen. Doch eine Ermüdung des Zuschauerinteresses ist nur noch eine Frage der Zeit. Vor diesem Hintergrund wäre die verlustreiche Tochter des amerikanischen Medienkonzerns News Corp. gut beraten, über eine Konzentration auf die eigentlichen Kernkompetenzen nachzudenken. Rupert Murdoch weiß von seinen Pay-TV-Konzernen in Großbritannien und Italien, dass vor allem exklusive Inhalte wie Fußball das Bezahlfernsehen groß gemacht haben und nicht die Anzahl immer neuer Kanäle.
Dieses Gesetz des Marktes gilt auch im hart umkämpften deutschen Fernsehen. An Spezialsendern wie Discovery, National Geographic oder History Channel wird die krisenerprobte Bezahlplattform aus Unterföhring nicht genesen. Warum nicht ausschließlich auf Fußball, Formel 1 sowie Premieren von Spielfilmen und Serien konzentrieren? Weniger ist oft mehr – vor allem in verwirrenden Zeiten wie diesen.
