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Google und die dicken Bretter der Kanzlerin auf der Buchmesse

Der Auftritt der Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Eröffnung der Buchmesse war gar nicht nach dem Geschmack von Google. Die Regierungschef sagte an die Adresse des Internetgiganten: “Geistiges Eigentum gilt auch in der Zukunft. Das ist aber ein dickes Brett, das wir bohren müssen.” Das Thema Urheberrechte und Medien ist mediengeschichtlich ein Dauerbrenner.

Als 1922 der Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau sein Meisterwerk “Nosferatu – eine Symphonie des Grauens” in die Kinos brachte, rief er Geister, die er nicht mehr loswurde. Die britische Autorenvereinigung klagte, weil dem Dracula-Autor Bram Stoker der Stoff geklaut worden war, und gewann einen spektakulären Urheberrechtsprozess. Das Berliner Urteil lautete: Vernichtung sämtlicher Filmkopien. Nur durch Zufall überlebten einige Exemplare des Klassikers.

Von einem solch drakonischen Urheberrecht kann die Buchbranche 84 Jahre später nur träumen. Heute hat Nosferatu, pardon: Google freie Bahn. Der weltgrößte Internetkonzern nutzt rechtliche Lücken, um mit dem Einscannen nicht mehr lieferbarer Bücher ein weltweites Milliardengeschäft im Netz aufzubauen. Die Schöpfer der Werke werden gemäß einer heftig umstrittenen Vereinbarung mit nur 60 Dollar abgespeist, später immerhin am Gewinn beteiligt. Soll am Google-Wesen die (Buch-) Welt genesen?

Gebetsmühlenartig verkündet der Konzern, dass er lediglich verlorenes Wissen wieder digital verfügbar machen wolle. Das ist die pure Scheinheiligkeit. Im Kern geht es für Google darum, ein Quasi-Monopol für das Wort zwischen zwei Buchdeckeln zu errichten. Sollten die Pläne Wirklichkeit werden, wären die Folgen für Verlage und Autoren verheerend. Schon jetzt versucht die Suchmaschine, die Bedingungen für die weltgrößte Online-Bibliothek im Internet zu diktieren.

Umso verdienstvoller ist nun das Veto der Bundeskanzlerin. Angela Merkel hat zur Eröffnung der Buchmesse mit ihrem Plädoyer für einen besseren Schutz des Urheberrechts im Internet und einer scharfen Kritik an der Raff-Strategie von Google endlich eine klare Position bezogen. Die Bücherliebhaberin lehnt die Pläne des Internetriesen ab, Werke ohne jeden urheberrechtlichen Schutz einfach einzuscannen. Indirekt unterstützt die Kanzlerin damit sogar die US-Regierung in Washington, die vor kurzem ebenfalls starke Bedenken geäußert hat.

Noch hat Google im Buchmarkt leichtes Spiel. In Deutschland ist beispielsweise 70 Jahre nach dem Tod eines Autors sein Buch nicht mehr urheberrechtlich geschützt. Im digitalen Zeitalter gehört ein derart antiquiertes Urheberrecht auf den Müllhaufen der Geschichte. Geistiges Eigentum darf kein Verfallsdatum haben!

In anderen Medienbranchen wären solche Regelungen schlichtweg undenkbar. Egal ob Charlie Chaplin oder Klassiker wie “Nosferatu” – für Filme gibt es keine Halbwertszeit.

Auf der Buchmesse in Frankfurt ist die Stimmung nicht schlecht, weil das Geschäft sich erstaunlich krisenfest zeigt. Noch bleibt den Verlagen Zeit, um sich neue Märkte wie das elektronische Publizieren zu erschließen. Das noch winzige Geschäft mit E-Books funktioniert aber auf Dauer nur, wenn eine Enteignung von Autoren und Verlagen durch simples Kopieren verhindert wird. Neue technische Möglichkeiten machen Eigentumsrechte nicht obsolet.

Die neuen Verbreitungsformen sind eine riesige Chance für die Buchbranche. Allerdings nur dann, wenn die Politik mit urheberrechtlichen und ordnungspolitischen Sicherungen die Googlerisierung des Buchs verhindert.  Die Bundesregierung unter Angela Merkel hat offenbar den festen Willen dazu.

Christoph Mohn 2.0 und die neue Zeitrechnung bei Bertelsmann

Auf der Trauerfeier am nächsten Freitag für seinen verstorbenen Vater wird Christoph Mohn seinen großen Auftritt haben. In der Gütersloher Stadthalle wird der Sohn des legendären Medienunternehmers Reinhard Mohn im Namen der Familie zu den 1000 eingeladenen Gästen sprechen. Im Gegensatz zu den anderen Rednern der Trauerfeier wie Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) ist Christoph Mohn alles andere als ein begnadeter Rhetoriker.  Der stille, im persönlichen Umgang sympathische Unternehmersohn ist eher introvertiert. Der gebürtige Stuttgarter sucht seit jeher nicht die Bühne. Doch in seiner neuen Rolle kommt er um den großen Auftritt in Gütersloher Stadthalle, der live vom konzerneigenen Nachrichtensender N-TV übertragen wird, nicht herum.

Der gescheiterte Vorstandschef und ehemalige Großaktionär des Internetkonzerns Lycos Europe spielt künftig bei Bertelsmann eine Schlüsselrolle. Er zieht in die Bertelsmann-Verwaltungsgesellschaft (BVG), dem wahren Machtzentrum von Europas größtem Medienkonzern, ein. Dort war er seit 2003 nur Gast. Außerdem wird er künftig Mitglied des Kuratoriums der Bertelsmann-Stiftung. Dem Aufsichtsrat von Bertelsmann gehört er bereits seit November 2006 an.

Mit seinen neuen Posten wird der Christoph Mohn rehabilitiert. Zu Lebzeiten teilte ihm sein Vater eine Nebenrolle zu. Reinhard Mohn verglich seine Kinder Christoph und Brigitte in seinem letzten Buch. Christoph wurde dabei nur mit einem Halbsatz bedacht. „Während sich unser Sohn Christoph durch große Eigenständigkeit auszeichnet, teilt Brigitte in ihrer zielgerichteten und verantwortungsvollen Art meine Auffassung, dass jedermann mit seiner Arbeit auch einen Beitrag für die Gemeinschaft zu erbringen hat … Sie wird als engagiertes Mitglied des Stiftungsvorstands zweifelsohne auch zukünftig ihren Beitrag zur Kontinuitätssicherung der Bertelsmann Stiftung einbringen.“

Mit der zugedachten Nebenrolle für Christoph ist es nach dem Tod von Reinhard Mohn auf Wunsch seiner Mutter vorbei. Die stille Beisetzung des 88-Jährigen auf dem Neuen Stadtfriedhof in Gütersloh am vergangenen Mittwoch ist eine Zäsur für den derzeit defizitären Konzern. Denn in den nächsten sieben Jahren wird Elisabeth „Liz“ Mohn fest das Zepter bei Bertelsmann in den Händen halten. Die 68-jährige ehemalige Telefonistin des Buchklubs in Rheda-Wiedenbrück besitzt wie einst ihr Mann das Vetorecht in der Machtzentrale BVG. „Reinhard Mohn hat gewollt, dass seine Frau Liz seine Rolle übernimmt“  sagte Bertelsmann-Aufsichtsratschef Gunter Thielen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.  In den eigenen Reihen ist diese Schlussfolgerung durchaus umstritten. „Liz Mohn hat die Macht im Konzern für sich reklamiert. Und Reinhard Mohn hatte nicht mehr die Kraft, etwas dagegen zu setzen“, sagte ein Jahrzehnte langer Bertelsmann-Mitarbeiter gestern.

Erst mit 75 Jahren wird Liz Mohn als BVG-Chefin und Sprecherin der Familie abtreten. Sie darf ihren Nachfolger oder Nachfolgerin selbst bestimmen. „Es gibt keinen
Automatismus, nach dem Brigitte Mohn später die Rolle ihrer Mutterübernimmt. Christoph Mohn hat die gleichen Chancen wie seine Schwester“, sagte Thielen im Namen von Liz Mohn.
Mit der zweiten Chance für Christoph Mohn ist nun das Rennen um die Macht bei Bertelsmann neu eröffnet. Bislang galt seine Schwester, die frühere Unternehmensberaterin Brigitte Mohn, als die Kronprinzessin. Seit vergangenem Jahr gehört die Politikwissenschaftlerin dem Bertelsmann-Aufsichtsrat an. Seit Anfang 2005 ist sie Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung. Außerdem ist sie Mitglied der BVG und des Bertelsmann-Aufsichtsrates. Der in Hamburger lebende Bruder Andreas spielt auf Grund einer Krankheit keine Schüsselrolle.

In dem vom früheren Bertelsmann-Chef  Thielen  ausgerufenen Duell fühlt sich Christoph nicht unbedingt wohl. Sein Machtwille ist seit jeher nicht besonders stark ausgeprägt. „Für die Kinder ist das Ganze eine riesige Bürde. Sowohl Christoph als auch Brigitte haben nicht den Machtwillen der Mutter“, sagt ein langjähriger Kenner der Familie. Innerhalb des Konzerns bleibt der bescheidene Christoph Mohn gerne am Rande. Mit seinen beiden Kindern und seiner Frau Shobhna, einer aus Indien stammenden Mathematikerin, die als Finanzmanagerin unter Bertelsmann-Finanzvorstand Thomas Rabe arbeitet, lebt er zurückgezogen am Stadtrand von Gütersloh.

Europas größter Medienkonzern befindet sich derzeit in schwerem Fahrwasser. Im ersten Halbjahr wies Bertelsmann einen Konzernfehlbetrag von 333 Mio. Euro aus. Der Umsatz ging um 6,8 Prozent auf knapp 7,2 Mrd. Euro zurück.

Einst war ein schwarzer Labrador der treueste Begleiter für Christoph Mohn. Der Edelhund war das Logo seines gescheiterten Internetunternehmens Lycos Europe. Glück brachte ihn der Labrador nicht. In seiner Rolle als Vorstandschef spielte der heute 44-Jährige jahrelang eine traurige Rolle. Bei Lycos Europe verbrannte er nach dem Börsengang im Jahr 2000 mehr als eine halbe Milliarde Euro. Immer wieder vertröstete er seine vielen Kleinaktionäre. Von Bertelsmann-Vorständen wurde hinter vorgehaltener Hand das Fiasko von Christoph mitleidig belächelt. Thielen fürchtete bereits über Jahre das Schlimmste. Im November 2008 war die Firma, die nie schwarze Zahlen schrieb, schließlich am Ende. 500 Mitarbeiter – darunter auch 220 in Gütersloh – verloren ihren Arbeitsplatz.

„Wer die Suppe eingebrockt hat, muss sie auch auslöffeln“, sagte der damalige Lycos-Aufsichtsratschef Jürgen Richter.  „Christoph Mohn lernt nun für Leben.“ Der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Zeitungskonzerns Axel Springer war von Thielen geholt worden, um den Mohn-Filius aus der Patsche zu helfen. Vergeblich.

Nun erhält aber erhält der studierte Betriebswirt seine zweite Chance. Diesmal geht es um mehr als ein überschaubares Online-Unternehmen. Es geht um alles bei Bertelsmann.  Sein öffentlicher Auftritt bei der Trauerfeier am nächsten Freitagvormittag ist der Beginn einer neuen Zeitrechnung in Gütersloh.

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Gefesselter Gulliver in Gütersloh

Bertelsmann gleicht derzeit einem gefesselten Gulliver. Denn zu milliardenschweren Zukäufen wie der US-Konkurrent Disney ist der deutsche Medienriese kaum in der Lage. Ein gewaltiger Schuldenberg drückt die Gütersloher. Zum Ende des ersten Halbjahrs sind die wirtschaftlichen Finanzschulden auf 6,8 Milliarden Euro gestiegen. Die Nettofinanzschulden belaufen sich auf rund 3,6 Milliarden Euro.

Entgegen früherer Versprechungen kommt Bertelsmann beim Abtragen des Schuldenbergs nicht wie geplant voran. Der dynamische Verschuldungsgrad, also das Verhältnis der Nettoschulden zum operativen Ergebnis (Ebitda), liegt deutlich über der internen Obergrenze von 3,0. Pessimistische Marktbeobachter wie etwa Analysten der britischen Bank Barclay’s erwarten bis Jahresende sogar einen Anstieg dieser Kennzahl auf vier plus x.

Die Quittung für den verzögerten Schuldenabbau bekommt Bertelsmann bereits. Die Ratingagentur Moody’s stufte die Gütersloher auf „Baa2“, Ausblick stabil, herab. Wenn das Sparprogramm dauerhaft keine Früchte tragen sollte, deutete Moody’s eine weitere Herabstufung an. Harte Zeiten für den früher so erfolgsverwöhnten Konzern.

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Bertelsmann ohne Tabus

Die Weltwirtschaftskrise trifft Bertelsmann mit voller Wucht. Rückläufige Werbeeinnahmen und anhaltende Konsumschwäche beuteln Europas größten Medienkonzern wie nie zuvor. Bertelsmann-Chef Ostrowski tritt nach einer Phase der Unsicherheit gewaltig auf das Bremspedal. Alle Bereiche müssen mit den Kosten drastisch runter. Tabus wird es im Konzern keine mehr geben. Nur so kann Ostrowski sein ehrgeiziges Sparziel von 900 Mio. Euro in diesem Jahr erreichen und das Schlimmste verhindern.

Der Personalabbau wird angesichts der unsicheren Zukunftsaussichten weiter gehen. Schon im ersten Halbjahr wurden annähernd 4000 Mitarbeiter abgebaut. Bis Jahresende könnten es womöglich 3000 weitere Arbeitsplätze sein. Selbst die Konzernzentrale in Gütersloh bleibt vom Stellenabbau nicht verschont. Das hat Signalwirkung für das gesamte Unternehmen.

Bertelsmann ist in seiner Not nicht allein. Auch andere Medienkonzerne wie News Corp. oder Disney sind von der Rezession gebeutelt. Doch das ist ein schwacher Trost für die Gütersloher.

Die Wachstumspläne hat Bertelsmann erst einmal ad acta gelegt. Im Vorstand wird frühestens mit einer Erholung im Jahr 2012 gerechnet. Ostrowski, der einst Lämmer zu Löwen im Konzern machen wollte, ist bescheiden und nüchtern geworden. Das ist eine gute Voraussetzung, um die schwerste Medienkrise seit Jahrzehnten zu meistern. » Weiterlesen

Druckriese Schlott holt SPD-Politiker Dohnanyi als Mediator

Der Tiefdruckkonzern Schlott holt für die Auseinandersetzung um den Personalabbau den früheren Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD) als Vermittler. „Er hat die Funktion eines neutralen Mediators übernommen“, hieß es in Unternehmenskreisen. Dohnanyi soll nach den Vorstellungen von Schlott-Chef Bernd Rose den Umbau von Deutschlands zweitgrößtem Tiefdruckkonzern begleiten.

Der Druck ist groß. Im laufenden Geschäftsjahr rechnet Schlott mittlerweile mit roten Zahlen. Bereits im Ende September abgeschlossenen Geschäftsjahr 2007/08 hatte der Konzern einen Verlust von 12,5 Mio. Euro verkraften müssen. Der Vorstand von Schlott hat wegen der Restrukturierung bereits ein Gespräch in „konstruktiv-freundlicher Atmosphäre“ mit Arbeitnehmervertretern geführt. Auch Dohnanyi hat nach Konzernangaben an der ersten Gesprächsrunde teilgenommen. Am kommenden Mittwoch sollen nun die Verhandlungen in Hamburg wieder aufgenommen werden. Insider erwarten harte Auseinandersetzungen. Die Konzernführung hat mit der Unternehmensberatung Roland Berger ein Programm zur Kostensenkungen ausgearbeitet. Darin ist der Abbau von 350 Arbeitsplätzen vorgesehen. Das stößt bei den Gewerkschaften auf Widerstand. „Man kann nicht auf der einen Seite Dividende ausschütten und andererseits das Unternehmen in rote Zahlen fahren, Arbeitsplätze vernichten und massive Beschäftigtenopfer verlangen. Das passt nicht zusammen“, kritisiert Verdi.

Derzeit laufen außerdem Gespräche mit einer Reihe von Banken, darunter die Deutsche Bank und Landesbank Baden-Württemberg. Um an neue Finanzmittel zu kommen, prüft Schlott einen Antrag bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). „Das ist eine mögliche Quelle, die man anzapfen könnte“, hieß es gestern in Unternehmenskreisen. Schlott-Finanzvorstand Heiko Arnold sagte uns heute:  "Das Restrukturierungskonzept ist allen Finanzierungspartnern der Schlott Gruppe vorgestellt worden. Die Schlott Gruppe finanziert sich derzeit über kurzfristige Kontokorrentlinien, langfristige Darlehensbeziehungen für Investitionen sowie ein im Sommer des letzten Jahres begebenes Schuldscheindarlehen. Ferner besteht seit Oktober des vergangenen Jahres ein Factoring-Programm. Die Finanzierungspartner umfassen dabei das gesamte Spektrum der deutschen Bankenlandschaft, d.h. sowohl Sparkassen und Landesbanken als auch große Geschäftsbanken. Ausländische Kreditgeber spielen dabei sowohl von der Anzahl als auch vom Kreditvolumen her eine eher untergeordnete Rolle. Ebenfalls eingebunden in diese Diskussionen sind die großen Kreditversicherer, die derzeit Lieferungen an die Schlott Gruppe versichern."

Die Schlott-Gruppe hatte in der vergangenen Woche angekündigt, bis Frühjahr 2010 jede siebte Stelle zu streichen. Außerdem soll der Freudenstädter Konzern ein Fünftel seiner Kapazitäten abbauen. Besonders betroffen ist der norddeutsche Standort mit den Broschek-Druckereien. Derzeit beschäftigt Schlott noch 2 300 Menschen im Zeitschriften- und Katalogdruck. Auslöser für den Stellen- und Kapazitätsabbau ist die sinkende Nachfrage und der ruinöse Preiskampf in der Tiefdruckbranche.

Auch der Marktführer Prinovis arbeitet mit Hilfe der Unternehmensberatung A.T. Kearney unter Hochdruck an einem Sparprogramm. Im Juli will Prinovis-Chef Thorsten Thiel, ein Vertrauter von Bertelsmann–Chef Hartmut Ostrowski, die neue Strategie vorstellen, um die Branchenkrise zu bewältigen. An den Standorten Itzehoe und Ahrensburg arbeiten bereits 1 300 Beschäftige der Bertelsmann-Tochter kurz. Bertelsmann hält 74,9 Prozent, Axel Springer 25,1 Prozent der Anteile. Neben der schlechten Marktlage belastet nun auch die Insolvenz von Arcandor und des Versandhauses Quelle. Es droht nach Angaben aus Unternehmenskreisen der Verlust von Druckaufträgen im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Auch Schlott ist von der Krise des Handelskonzerns betroffen. Nach Angaben von Unternehmensinsidern droht der Umsatzverlust von rund zehn Mio. Euro.

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Quelle-Insolvenz trifft Bertelsmann

Die Insolvenz von Arcandor und dem Fürther Versandhaus Quelle belastet auch Bertelsmann schwer. Europas größten Medienkonzern droht der Verlust von Druckaufträgen im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Kurzarbeit steht in der Nürnberger Tiefdruckerei der Bertelsmann-Tochter Prinovis offenbar unmittelbar bevor. Das berichtet ein langjähriger Unternehmensinsider in Nürnberg. Prinovis wollte sich zu Details nicht äußern. Ein Sprecher in Gütersloh verwies nur darauf, dass sich die Erlöse mit Quelle- bzw. Primondo-Aufträgen im "kleinen einstelligen Prozentbereich" am Gesamtzumsatz von Prinovis bewegen.

Die Bertelsmann-Tochter druckt seit Jahrzehnten die Quelle-Kataloge. Bei Prinovis arbeiten allein am Standort Nürnberg rund 1100 Beschäftigte. Die Insolvenz von Quelle verschärft die Krise nun bei Prinovis. Europas größter Tiefdruckkonzern leidet unter massiven Überkapazitäten und anhaltenden Preisverfall. In der Vergangenenheit hatte bereits der frühere Arcandor-Chef und Druckexperte Thomas Middelhoff niedrigere Preis beim Katalogdruck durchgesetzt, wie Unternehmeninsider berichten. Prinovis mit einem Umsatz von zuletzt einer Mrd. Euro steht unter großem Erfolgsdruck. Bereits im vergangenen Jahr hat der Mitgesellschafter Axel Springer 60 Mio. Euro auf Beteiligung von 25,1 Prozent an Prinovis abgeschrieben. Seit April arbeiten zudem 1 300 Drucker an den Prinovis-Standorten Itzehoe und Ahrensburg kurz. Bertelsmann-Vorstandschef Hartmut Ostrowski hatte die Richtung bereits kürzlich vorgegeben: Im Dienstleistungsgeschäft von Arvato erhöhe das Unternehmen die Produktivität und reduziere die Personalkosten.

Prinovis wurde 2005 gegründet. Bertelsmann hält an dem Branchenprimus 74,9 Prozent, Axel Springer ist im Besitz von 25,1 Prozent der Anteile.

Die Unternehmensgründung stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Die großen Wachstumshoffnungen, die der damalige Arvato-Chef Hartmut Ostrowski mit dem Tiefdruckriesen damals hatte, haben sich nie erfüllt. Eine Konzernbilanz hat Prinovis seit seiner Gründung noch nicht vorgelegt.

Der Standort Nürnberg  hat es besonders schwer. In der Frankenmetropole gibt es Gerüchte, dass der wichtige Druckauftrag des "Spiegels" zum Prinovis-Standort Dresden abwandern könnte. Das setzt angeblich den bewährten Nürnberger Prinovis-Chef Winfried Marquardt unter Druck.  Ein Unternehmenssprecher sagte zu den Spekulationen: "Wir sehen Prinovis als Ganzes."

Die Nürnberger haben es zuletzt geschafft, der Druckerei des Konkurrenten Schlott den Druckauftrag des österreichischen Boulevardblatts "Kronenzeitung" abzujagen. Doch nach Aussagen von Unternehmensinsidern vor Ort wird mit dem Auftrag kein Geld verdient. Ein Prinovis-Sprecher wollte das aber nicht bestätigen. Er sagte: "Das sind Spekulationen, an denen wir uns nicht beteiligen."

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Das Gesetz des Stärkeren – Der Kampf um die Meinungshoheit in Politik und Wirtschaft bedroht die Pressefreiheit in Deutschland

Im Münchener Messezentrum überschlugen sich die Gefühle geschockter Aktionäre der Beinahe-Pleite-Bank Hypo Real Estate. Die 2000 Anteilseigner schrien, schimpften und ärgerten sich über Erpressung und Enteignung durch den Staat. Die außerordentliche Hauptversammlung der HRE stellt zweifellos einen Tiefpunkt in der Aktiengeschichte unseres Landes dar. Doch die Erinnerung daran wird schnell verblassen. Denn Bilder gibt es von diesem einmaligen Spektakel nicht.

In den Räumen, in denen alljährlich die Spitzen der deutschen Medienwirtschaft sich den Kopf über die digitale Zukunft zerbrechen, waren auf Wunsch des Krisen-Konzerns weder Bild- noch Tonaufnahmen erlaubt. Für Fernsehsender und Radios hieß es: Wir müssen draußen bleiben!

Dabei hätte gerade die Hypo Real Estate die Pressefreiheit respektieren müssen. Denn schließlich halten der Staat und damit die Bürger einen Anteil von 90 Prozent am Konzern. Das Beispiel HRE ist kein Einzelfall. Es zeigt, wie es um die Pressefreiheit in Zeiten der Krise bestellt ist: Das Gesetz des Stärkeren herrscht.

Als vor 60 Jahren das Grundgesetz der Bundesrepublik geschrieben wurde, räumten die Verfassungsväter der Presse- und Meinungsfreiheit einen besonders hohen Stellenwert ein. Das im Artikel 5 formulierte Grundrecht ist eine Voraussetzung für eine lebendige Demokratie. Doch die Medienrealität sieht inzwischen anders aus. Die Erosion der Pressefreiheit schreitet voran. Die Rezession wirkt beschleunigend, weil die wirtschaftlichen Probleme der Medien als Einfallstor für PR-gesteuerte Berichterstattung genutzt werden.

Eine Folge davon: Die Trennung zwischen unabhängiger Information und bestellten Inhalten wird unscharf. Mit Ausnahme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks erleben die Redaktionen, egal ob Print, Fernsehen, Radio oder Internet, einen personellen Aderlass bislang unbekannten Ausmaßes. Gleichzeitig stehen Heerscharen von so genannten Kommunikatoren bereit, die Wahrheit zu verkaufen: leicht, effektiv und preiswert kann die Einflussnahme sein.

Medienwissenschaftler empfehlen als neues Modell gar einen "gesponserten Journalismus" – nach dem Motto: "Dieser Kommentar zum Rauchverbot wurde unterstützt vom Tabakkonzern xy." Nicht nur Krisenkonzerne sperren Journalisten aus oder versuchen über Rechtsanwälte, Kritiker einzuschüchtern. Auch in den Köpfen mancher Politiker existiert Artikel 5 offenbar nur rudimentär. Ein Beispiel ist die EU-Abgeordnete Silvana Koch-Mehrin. Als die FDP-Politikerin in einer Talkshow des SWR auf ihr häufiges Fehlen im Plenarsaal angesprochen wurde, forderte ihr Anwalt, die Passage vor der Ausstrahlung zu entfernen: Die Frage sei nicht abgesprochen gewesen.

Der ARD-Sender lehnte ab. Daraufhin machte FDP-Generalsekretär Dirk Nebel mit einem Beschwerdebrief Druck. Dass ausgerechnet die Gralshüter eines liberalen Europas Selbstzensur verlangen, ist beschämend. Ein Einzelfall ist es nicht: Immer häufiger versuchen Gesprächspartner, unbequeme Fragen nachträglich zu streichen oder gar selber zu formulieren, worauf sie gerne antworten würden. Eine Praxis, die man früher nur aus totalitären Staaten kannte, macht sich nun auch in Deutschland breit.

Es gibt viele Formen, Information zu behindern und Meinung zu machen. Noch nimmt Deutschland auf der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit Platz 20 ein. Doch der Abstieg droht.

 

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Gewerkschaft ist bereit zum Dialog mit Bertelsmann Stiftung

Die Bildungsgewerkschaft GEW ist zu einem Dialog mit der mächtigen Bertelsmann-Stiftung bereit. “Wir können über alle Fragen reden”, sagte mir Bundesvorsitzender Ulrich Thöne heute. “Wir haben keine Kontaktängste.” Auf der Führungsebene riss der Gesprächsfaden nach GEW-Angaben bereits vor drei Jahren ab.

Die Fronten sind verhärtet. Wegen ihres Engagements im Bildungsbereich steht die Bertelsmann-Stiftung in der Kritik. Gewerkschafter und linke Politiker werfen der Stiftung vor, mit ihren Projekten den Konzerninteressen zu dienen. “Für uns geht es darum, die Bildung als öffentliches Gut in unserem Land zu retten”, sagt Thöne.

Die Bertelsmann-Stiftung will hingegen die Liberalisierung voran treiben. Erst gestern kündigte Stiftunngschef Gunter Thielen in Gütersloh an, sich noch stärker auf den Bildungsbereich konzentrieren zu wollen. Für neue Studien im Bildungsbereich stünden in diesem Jahr 12,5 Mio. Euro zur Verfügung. Thielen, der heute auch den Aufsichtsrat der Bertelsmann AG leitet, war in seiner Zeit als Konzernchef ein Freund von Investitionen im Bildungssektor. Er machte diesen Bereich als Wachstumstumsfeld für Europas größtem Medienkonzern aus. Allerdings hat Bertelsmann verschiedene Milliardeninvestitionen geprüft und am Ende doch abgelehnt.

Die GEW beobachtet die Offensive im Bildungssektor mit Argusaugen. Sie fürchtet eine Entstaatlichung von Schulen und Universitäten in Deutschland.

Am kommenden Wochenende versammelt sich die Bildungsgewerkschaft GEW nun in Nürnberg. Ein Thema auf dem alle vier Jahre stattfindennden Bundeskongress ist daher auch die einflussreiche Bertelsmann-Stiftung. Am kommenden Montag werden entsprechende Anträge von den Delegierten diskutiert und möglicherweise verabschiedet.

Einen Boykott der Bertelsmann-Stiftung durch Wissenschaftler, die in der GEW organisiert sind, wird es aber nicht geben. Das sagte mit GEW-Chef Thöne heute.

Für die Bertelsmann-Stiftung ist es derzeit nicht einfach. Nicht nur die Kritik der Gewerkschafter sorgt für einen Imageverlust der früher so angesehenen Institution aus Ostwestfalen. Künftig wird die Stiftung auch mit weniger Geld auskommen müssen.

Für dieses Jahr wird das Budget um zehn Mio. Euro auf 70 Mio. Euro gekürzt. Das kündigte Stiftungs-Chef Gunter Thielen an. Hintergrund des Sparkurses sind die schwierigen Aussichten der Bertelsmann AG. Der Medienkonzern finanziert die Stiftung, die 76,9 Prozent der Anteile an der Bertelsmann AG hält. Zur Finanzplanung der Stiftung im nächsten Jahr machte Thielen keine Angaben. Insider befürchten, dass noch weitere Kürzungen ins Haus stehen könnten.

Doch nicht nur die Stiftung muss, sondern auch die Bertelsmann AG spart. Im Jahr 2009 verzichten die fünf Vorstände auf 50 Prozent ihrer Bezüge. Im vergangenen Jahr erhielt der gesamte Vorstand noch 22 Mio. Euro. Auch das opulente Sommerfest in Berliner Konzernrepräsentanz Unter den Linden 1 fällt diesmal aus.

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Wiener Kaiserschmarrn: Gehen WAZ und Dichand künftig getrennte Wege?

Das Dementi zu einem möglichen Ausstieg der WAZ-Gruppe bei der österreichischen "Kronen-Zeitung" ist schwach. "Zu Marktspekulationen nehmen wir keine Stellung", hieß es heute in der Essener Konzernzentrale. So zerstreut der Printriese nicht die Spekulationen, die wieder einmal aus Wien kommen. Dort wird derzeit eine besondere Form des Kaiserschmarrns aufgetischt.

In der österreichischen Hauptstadt hat heute die nationale Nachrichtenagentur APA gemeldet, dass die ""in Folge der Finanzkrise unter wirtschaftlichen Druck geratene Verlagsgruppe" über einen Verkauf ihres 50prozentigen Anteils an der "Kronen-Zeitung" nachdenke.

Das Verhältnis zwischen WAZ und "Krone"-Eigner Hans Dichand gilt seit Jahren als zerrüttet. Offenbar besserte sich aber zuletzt die Situation zwischen den beiden Kontrahenten.  Durch so genannte Friedensgespräche sollte laut APA der Konflikt beigelegt werden.  .

Derzeit scheint vieles in Wien möglich zu sein. In Gesprächen soll der WAZ die ganze "Krone" angeboten worden sein. Andererseits gilt eben auch ein Komplettausstieg der Essener als Lösung. Doch in Wien sind die Dinge kompliziert. Und mit Dichand ein gutes Geschäft abzuwickeln, ist noch viel komplizierter.

So brodelt die Gerüchteküche, ob und wann WAZ und der betagte Verleger Dichand endlich getrennte Wege gehen werden.

"Krone"-Chefredakteur Christoph Dichand sagte der APA jedoch: "Es gibt jetzt schon seit knapp zwei Jahren Gespräche, bei denen alle möglichen Szenarien vorkamen, was immer gleich zu den verschiedensten Gerüchten Anlass gab. Realistisch waren sie bisher alle nicht, daher kann man davon ausgehen, dass sich auch nichts verändern wird."

Es bleibt weiter spannend, wie es mit der österreichischen Variante der "Bild" weiter gehen wird.

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Döpfners Boygroup steht vor dem Ende

Mit dem Abgang des Axel Springer-Finanzvorstands Steffen Naumann ist Döpfners Boygroup am Ende. Denn bislang galten der Vorstandschef zusammen mit den beiden Vorständen Naumann und Andreas Wiele als eingeschworenes Trio. Alle drei sind bei Bertelsmann in die Managementlehre gegangen. Alle drei teilen als Generation der Mitvierziger gemeinsame Ansichten und Werte.

Naumann, der Mann mit dem langen Hals, ist dafür ein Musterbeispiel. Er begann seine Karriere 1990 als Vorstandsassistent bei Bertelsmann. Später war er in der Unternehmensentwicklung der Buchsparte aktiv, arbeitete unter dem legendären Bertelsmann-Finanzvorstand Siegfried Luther und stieg 1998 zum Vorstandsmitglied Bertelsmann Buch und ab 2000 zum Chief Financial Officer von Random House auf. Der weltgrößte Buchverlag Random House gehört den Güterslohern.

Naumanns Ende Oktober auslaufender Arbeitsvertrag wurde nun von Döpfner nicht verlängert. Im Konzern wurden Döpfner und Naumann zu Beginn die „Twin Towers“ genannt. Tatsächlich überragen die beiden Medienmanager mit ihren fast zwei Metern Gesprächspartner deutlich. Doch so sehr sich die Körpergrößen gleichen, so unterschiedlich ist das Auftreten des Tandems. Während Döpfner mit sorgfältiger Wortwahl und elegantem Auftreten über die Jahre an Charisma gewonnen hat, blieb Naumann scheu und unnahbar.

In den Vordergrund hat sich der aus dem fränkischen Erlangen stammende Betriebswirt nie gespielt, die Bühne überließ er stets Döpfner. Diese mangelnde Präsenz ist dem 42-Jährigen nun zum Verhängnis geworden. Im Konzern wird als Grund für die Trennung die “interne und externe Kommunikationsschwäche” genannt. In den eigenen Reihen schaffte es Naumann offenbar nicht, Mitarbeiter ausreichend zu motivieren und zu fördern.

Bertelsmann hat Steffen Nauumann utnerdessen nie aus den Augen verloren. In der Berliner Repräsentanz des Konzerns ist der ehemalige Kronprinz des früheren Finanzchefs Luther stets ein gern gesehener und angesehener Gast. Überhaupt steht Naumann bei der Branche in hohem Ansehen. An Mut und Entschlossenheit hat es ihm noch nie gefehlt.

Schon wenige Monate nach seinem Amtsantritt zog er zusammen mit Döpfner die 767 Millionen schwere Put-Option zum Verkauf von 11,5 Prozent an der damaligen Kirch-Tochtergesellschaft Pro Sieben Sat 1 durch. Damit löste das Tandem den Zusammenbruch des Medienimperiums von Leo Kirch im Jahre 2002 mit aus. Denn Kirch hätte laut Vertrag das Aktienpaket zurückkaufen müssen, war dazu aber nicht in der Lage.

Über einen Ersatz von Naumann hat Springer bereits entschieden. Offenbar ist die von dem Medienkonzern beauftragte Personalberatung Egon Zehnder schnell fündig geworden. Nach Informationen aus Konzernkreisen soll der neue Finanzvorstand schon in den nächsten Wochen bekanntgegeben werden. Der in der Branche genannte Bertelsmann-Finanzvorstand Thomas Rabe werde jedoch nicht Naumanns Nachfolger, berichten Insider. Rabe wollte bereits vergeblich Vorstandschef des Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat 1 werden.

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