Viele Bühnen gibt es im deutschen Mediengeschäft, die Manager für den großen Auftritt nutzen können. Einer, der das Scheinwerferlicht aber scheut, ist Bernhard Burgener. Der Vorstandschef und Großaktionär der Constantin Medien hält sich von roten Teppichen fern. Auftrittsmöglichkeiten hätte der Medienunternehmer eigentlich genug im eigenen Haus. Schließlich gehört die Constantin Film, die Kinoerfolge wie den Streifen “Baader-Meinhof-Komplex” und die Literaturverfilmung “Das Parfüm” produziert hat, zum weit verzweigten Konzern.
Doch Burgener schätzt die Lautlosmethode. So ist er aufgestiegen als Unternehmer und Manager. Unauffälligkeit und Bescheidenheit sind Tugenden, die der Konzernlenker verinnerlicht hat. Burgener, der zurückgezogen mit seiner Familie im Baseler Hinterland lebt, hat sich in München ehrgeizige Ziele gesetzt. Er will Constantin Medien, die aus dem Filmunternehmen Highlight, der Constantin Film und der früheren EM Sport Media hervorging, im Fernseh-, Film- und Rechtegeschäft zu einem führenden Spieler machen.
Um das zu erreichen, muss Burgener, ein enger Vertrauter des Großaktionärs Leo Kirch, noch zahlreiche Baustellen schließen. Einige – wie die Kapitalerhöhung und der Verkauf von Beteiligungen an der Satellitenfernsehtochter Premiere Star und dem Dienstleister Creation Club – sind bereits erledigt. Auch den größten Brocken hat Burgener bereits in Angriff genommen: der Umbau der Sporttochter. Ab nächstem Jahr wird das Deutsche Sportfernsehen (DSF) unter dem neuen Namen Sport 1 an den Start gehen. Der Spartenkanal wird damit auf den Namen der Internettochter getauft. Burgener will Sport 1 als Dachmarke etablieren und auch inhaltlich einen Neuanfang machen. Beispielsweise verzichtet das DSF künftig auf Sexfilme am späten Abend. Im Gegenzug soll das DSF wieder zu seiner alten Stärke zurückfinden, nämlich mehr Livesport ausstrahlen – jährlich 1 100 Stunden. Burgener nimmt bei seinem radikalen Umbau keine Rücksicht auf Arbeitsplätze. Allein bei der Sporttochter fallen nun 42 Stellen weg. Auch auf der Führungsebene trennte er sich von Managern.
Am Donnerstag wird Constantin Neunmonatszahlen vorlegen. Die Perspektiven sind für das Unternehmen in einem rückläufigen Werbemarkt nicht einfach. Eine Atempause schafft ein außerordentlicher Ertrag von 30 Millionen Euro. Das ist eine Kompensation durch einen gerichtlichen Teilvergleich mit dem früheren Vorstand und Aufsichtsrat des einstigen Börsenlieblings EM.TV. Burgener setzt bei seinem Wachstumskurs auf das Sport- und Eventmarketing. Constantin vermarktet die Champions League, Europa League sowie den Eurovision Song Contest.
Der Konzern ist mittlerweile fest in Schweizer Hand. Alle wichtigen Entscheidungen werden von Burgener und seinem langjährigen Vertrauten, Finanzvorstand Antonio Arrigoni, getroffen. Die Großaktionäre Leo Kirch und Dieter Hahn glauben an das Tandem. Schließlich hat der Vorstand in diesem Jahr einen Umsatz von einer halben Milliarde Euro und ein positives Ergebnis versprochen. Schon bald wird das Duo den Beweis liefern – sonst steht Ärger ins Haus.
