Es ist schon eine kleine Sensation: Der Medienkonzern Burda geht mit dem Essener Zeitungskonzern WAZ eine Vertriebsallianz ein. Dazu steigt der Münchener Zeitschriftenverlag („Focus“, „Bunte“) bei der MZV (Moderner Zeitschriften Vertrieb) ein. „Durch die Bündelung der Kräfte im Zeitschriftenvertrieb können wir wesentlich effizienter arbeiten. Das Einsparpotential ist erheblich“, sagte mir Burda-Vorstand Philipp Welte. Die Partner haben sowohl über Preis als auch Höhe der Anteile Stillschweigen vereinbart. Brancheninsider berichten, dass Burda einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag für eine Minderheitsbeteiligung gezahlt habe. Die MZV ist nach der Vertriebstochter des Medienkonzerns Axel Springer die Nummer zwei im deutschen Markt. “Diese Allianz veraendert die Gewichte im Markt”, ist sich Welte sicher, der ein halbes Jahr an diesem Deal gearbeitet hat.
Die Allianz mit der WAZ gilt konzernintern als Meilenstein. Mit dem Einstieg bei MZV bauen die Münchener ihre Marktstellung im Pressevertriebsmarkt aus. „Die Zeitschriftenbranche steht vor dramatischen Umbrüchen. Von der Krise der Werbemärkte sind wir wie die anderen Verlage deutlich betroffen. Deshalb machen strategische Allianzen wie die jetzt mit der WAZ sehr viel Sinn“, sagte mir Welte. Durch die neue Allianz wird die Burda Vertriebstochter mit ihren 48 Mitarbeitern aufgelöst. Im Gegenzug entstehen bei der MZV im bayerischen Eching 30 neue Stellen.
Die MZV wird derzeit noch von ihrem Gründer Michael Imhof geführt. WAZ und Burda sind künftig Mehrheitsgesellschafter. Die Kartellbehörden prüfen den Einstieg noch. Doch bei Burda ist man zuversichtlich. “Wir erwarten keine unüberwindlichen Hürden beim Kartellamt”, sagt Welte.
MZV kontrolliert rund ein Fünftel des Pressevertriebs in Deutschland. Der Marktumsatz wird künftig Erlöse von einer halben Mrd. Euro umfassen. Die Hälfte davon stammt aus den Umsätzen mit Burda-Zeitschriften.
Der Vertrieb von Zeitungen und Zeitschriften steht unter Druck. Der Absatz im Presse-Grosso brach im ersten Halbjahr um mehr als acht Prozent auf 1,4 Mrd. Exemplare ein. Die Erlöse gingen aber wegen der Preiserhöhungen in den ersten sechs Monaten nur um 2,3 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro zurück.

