Artikel zum Thema: Literatur

Raus aus den roten Zahlen: Suhrkamp geht endlich nach Berlin

Die letzten vorgelegten Bilanzen des Frankfurter Suhrkamp-Verlags sind  rot gefärbt. Im Jahr 2006 belief sich der Fehlbetrag auf knapp 519 000 Euro. Im Jahr zuvor waren es sogar 1,23 Mio. Euro. Die Situation für die deutschen Buchverlage ist nicht einfach. Die Aussichten sind eher düster. Ein konzernunabhängiger Verleger erzählte mir gestern, dass er allein im Januar einen Umsatzeinbruch von 20 Prozent hinnehmen musste.

Es gilt zu sparen, es gilt sich neu zu erfinden. Der von der Verleger-Witwer Ulla Unseld-Berkéwicz  angekündigte Umzug von Frankfurt nach Berlin ist deshalb richtig und mutig. Denn dem renommierten Verlag bläst der Wind bereits seit Jahren ins Gesicht. Selbst Starautoren wie zuletzt Uwe Tellkamp und Hans Magnus Enzenberger können mit ihren Bestsellern es nicht mehr heraus reißen.

Mit dem Umzug kann Suhrkamp Geld sparen. Denn nur die Hochmotivierten werden vom Main an die Spree wechseln. Umzüge sind für Verlage durchaus von Vorteil, denn dadurch wird in schwierigen Zeiten relativ schnell Personal abgebaut. Der "Bild"-Konzern Axel Springer mit seinem Wechsel von Hamburg nach Berlin ist dafür ein Beweis.

Es spricht für die Verlegerin, dass sie sich von der öffentlichen Kritik nicht einschüchtern lässt. Wirtschaftliche Motive für einen Umzug zu haben, ist nichts Ehrenrühriges. Der Umzug von der literarischen Provinz in Hessen ins die europäische Kulturmetropole ist zudem auch inhaltlich richtig. Für die Mitarbeiter bietet sich ohnehin die Chance, endlich in einer schönen und interessanten Großstadt zu wohnen und zu arbeiten.

In der betulichen Buchbranche wird immer noch unterschätzt, dass die zersplitterte Verlagslandschaft nach der tiefen Wirtschaftskrise anders aussehen wird wie zuvor. Konzernunabhängige Verlage werden eher zu den Verlierern einer Konsolidierung gehören als zu den Gewinnern.

Die selbst ernannten Liebhaber der "Suhrkamp"-Kultur sollten deshalb genau überlegen, ob sie über Ulla Unseld-Berkéwicz und ihrer Entscheidung wirklich den Stab brechen.

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Günter Grass taugt nicht als Repräsentant

Günter Grass sei kein besonders eitler Autor, behauptet sein Freund und Berliner Verleger Klaus Wagenbach gern vor laufenden Fernsehkameras. Das Gegenteil ist der Fall. Der Nobelpreisträger tourt seit Monaten durch die Lande, um zum 80. Geburtstag die zahlreichen Ovationen entgegen zu nehmen. Grass lässt sich gerne und oft feiern. Der diesjährige Höhepunkt war der Festakt mit Bundespräsident Horst Köhler in Lübeck. Das Staatsoberhaupt stellte Grass sogar auf eine Stufe mit Thomas Mann.

Das ist ein Irrtum. Denn der Lübecker Thomas Mann hat zeitlebens geradlinig und unnachgiebig gegen die Gewaltherrschaft der Nazis gekämpft. Thomas Mann ist Inbegriff einer politischen Integrität. Das demokratische Deutschland hat es ihm trotzdem nie richtig gedankt.

Der Wahl-Lübecker Günter Grass hingegen ist ein Verdränger. Er hat seine Vergangenheit bei der Waffen-SS über Jahrzehnte verschwiegen und dann nur verklausuliert in einem Buch mitgeteilt. Erst die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" deckte den Skandal in den letzten Kriegsmonaten richtig auf. Das ist ein großer Verdienst.

Es war Günter Grass, der 1966 gegen Kanzler Kurt Georg Kiesinger selbstgerecht polterte: "Wie sollen wir der Toten von Auschwitz und Treblinka gedenken, wenn Sie, die Mitläufer von damals, es wagten, heute die Richtlinien der Politik zu bestimmen?" Niemand konnte damals ahnen, dass auch der SPD-nahe Großschriftsteller ein Mitläufer der Nazis war.

Als Repräsentant Deutschlands, wie sich das Köhler am Wochenende bei der Festveranstaltung im Lübecker
Theater wünschte, kann Günter Grass daher nicht herhalten. Er repräsentiert maximal die Doppelmoral von Intellektuellen in der Bonner Republik. Da ist seine ganz persönliche Tragik.

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